26.01.2013: Wow, was für ein Wetter

Am nächsten Morgen werden wir von noch etwas mehr Schnee und strahlendem Sonnenschein erwartet. Das ist fast wie ein Sechser im Lotto – die letzten Wochen war es NIE sonnig im Door County und unsere Erwartungen hatten wir daher schon gedämpft! Also schnell gefrühstückt – nur für Gabi, da es nur süß gibt und Tom nichts mag – und los geht es. Natürlich geht es zuerst zum schönsten Küstenabschnitt hier – dem sogenannten Cave-Point. Denn dieser lässt sich halt nun mal am besten fotografieren, wenn niemand Anderes dort ist. Und genau das tut Tom also, mit Genuss. Die verwitterten, abgebrochenen und ausgehöhlten Steinplatten sind bedeckt von Schnee und Eis und gar fürchterlich fotogen. An den Abrisskanten haben sich tausende kleine bis hin zu monströsen Eiszapfen gebildet. Dort, wo sie im leichten Wellengang immer wieder in das Wasser des Lake Michigan tauchen, haben sich skurrile Eisablagerungen an ihnen gebildet. Dazu ein glitzerndes Wasser für den Kontrast – perfekt.

Wir bummeln weiter über die Landstraßen des Door County und nach kurzem Nachfragen finden wir auch die Stone´s Throw Winzerei. Diese wurde uns ganz uneigennützig von Toms Kollegin empfohlen – wir haben eine Bestellung von ihr in der Tasche „Falls ihr vorbeikommt…“. Gabi zwingt Tom noch schnell einen Bifi-Verschnitt rein – denn auf nüchternen Magen eine Weinprobe – das wäre fatal für den restlichen Tag 😉 Die Winzerei arbeitet mit aus Kalifornien importierten Trauben, keltert sie aber hier vor Ort. Also nicht exakt das, was wir unter einer lokalen Winzerei verstehen. Aber es ist wohl auch schwierig, guten Rotwein mit Wisconsin-Wetter anzubauen. Wir süffeln uns also durch eine Reihe weißer, roter und auch blubbernder Weinprodukte – was schon wenige Minuten später Gabis Stimmung auf „ausgelassen“ umschwenken lässt 😉 Ein Tipp: Gebt der Frau nur dann ein halbes Glas Wein zu trinken, wenn ihr auch mit den Konsequenzen leben könnt 😉 Der ältere Teil dieser Reisegruppe hat Schwierigkeiten, bei der scheinbar plötzlich neu definierten Schlagzahl noch mitzuhalten. Jedenfalls finden natürlich einige Flaschen ein Plätzchen auf unserem Rücksitz, bevor wir leicht glucksend, kichernd und Witze reißend, Richtung dem nördlichsten State Park im Door County, dem Newport State Park, aufbrechen.

Hier stehen zumindest ein paar Autos. Die meisten Besucher sind allerdings auf Langlaufskiern unterwegs. Wart Ihr schon mal auf einem schneebedeckten Strand unterwegs? Für uns ist es das erste Mal und wir finden es wunderschön hier. Als wir uns losreißen, entscheiden wir uns für eine Wanderung auf engen Pfaden, entlang der Küstenlinie. Wir sind ganz froh, dass zumindest zwei Leute diesen Weg schon gegangen sind, sonst hätten wir Schwierigkeiten, ihn vom Rest des Weges zu unterscheiden. Gabi unterbindet schnell Toms Gesangversuche über „Winterwonderländer“, obwohl dies hier durchaus passend wäre. Immer wieder schlagen wir uns zum Wasser durch, um romantische Küstenlandschaft zu genießen und auf den Memory-Chip zu bannen (das hat früher viel besser geklungen….) Wie einsam war die Wanderung, fragt ihr? Während der ganzen Zeit sind wir keiner Menschenseele begegnet und die Einhörner waren so zutraulich, dass wir sie sogar streicheln konnten. OK, der letzte Teil war gelogen aber auch wahrscheinlich nur weil Tom immer gegiekst hat wenn ihm Schnee von den Tannen am Wegrand in den Nacken gefallen ist. Die Wanderung war zwar nur 2 Stunden, doch im Schnee ist das Laufen ganz schön anstrengend und unsere Muskeln meinten hinterher, das war mindestens ne 5 Stunden-Wanderung 😉

Nach einem kurzen Abstecher zum Nordende der Insel, wo eine Fähre Richtung Washington-Island abgeht, machen wir uns endgültig auf die Suche nach etwas zu essen. Das ist der einzige Grund, warum wir durch Gills Rock fahren, einem Minikaff am Ende der Welt. So entdecken wir ein unglaublich faszinierendes Eisspektakel. Ein Haus auf einem Kai, sowie die darum herumstehenden Masten, Bänke, Schilder, Stromleitungen sind mit bizarren Eisschichten bedeckt. So etwas haben wir noch nie gesehen, nicht mal in Ansätzen! 2 Seiten des Hauses sind komplett mit einem Panzer aus Eis überdeckt, das auch noch eine Art Muster gebildet hat. An der dritten Seite des Hauses hängen monströse Eiszapfen. Die Stromleitung zum nächsten Strommasten ist aber das Highlight. Das Eis macht aus ihr ein Kunstwerk aus amöbenartig gewundenen Strukturen. Echt verrückt! Wir können uns nur vorstellen, wie es an diesem Ort gewesen sein muss, als der Wind das eisige Wasser gegen das Haus getrieben hat. Vielleicht sind ja einige der bis zur Unkenntlichkeit vereisten Metallstangen Beobachter, die hier eingefroren wurden… 😉

OK, weiter gehts und wir finden endlich ein Stückchen Kuchen für Tom und einen köstlichen Kaffee für Gabi. Natürlich in der Door County Kaffee Rösterei. Dort machen wir es uns gemütlich (auch sie haben eine Gas-Feuerstelle) und wärmen uns den kalten Hintern 😉 Danach stockt Gabi dort noch in aller Ruhe ihre Kaffee-Vorräte auf und wir ziehen uns um. Denn der letzte Programmpunkt des Tages ist das angeblich beste Restaurant dieser Gegend, das Kristofer´s Inn in Sister Bay. Den zweiten Geheimtipp (hier bei Sonnenuntergang zu speisen) kriegen wir heute leider nicht hin. Doch das Essen ist sehr lecker und wir lassen einen wunderschönen Tag mit einem für die USA ganz untypisch schlichtem, aber sehr elegantem Essen ausklingen! Perfekt!

Bevor es jetzt zu den Bildern geht erst einmal eine Entschuldigung. Es sind wirklich viele geworden, aber was will man machen, wenn es gilt Bilder vom perfekten Tag auszuwählen…

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Eine Antwort zu 26.01.2013: Wow, was für ein Wetter

  1. islayfan schreibt:

    Hey ihr beiden,
    ich finde eine Entschuldigung für die Bildermenge echt unnötig – die Fotos sind toll, abwechslungsreich, eindrucksvoll und ich hätte mir auch gerne noch zehn oder zwanzig weitere angeschaut! 🙂
    Viele liebe Grüße
    Tanja L.

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