03.02.2013: How to hug a waterfall (Ungefähr: Wie kuschelt man mit einem Wasserfall)

Letztes Wochenende die unglaublichen Eiskunstwerke im Door County haben bei uns wieder in Erinnerung gerufen, dass wir ja schon letztes Jahr was von den tollen Wasserfällen im Winter im Starved Rock State Park gehört haben. Und von der Tatsache, dass dort auch Weißkopfseeadler überwintern sollen.
Das Wetter für Sonntag ist als sonnig und nicht allzu kalt gemeldet (zumindest am State Park, nicht bei uns, was einen Kollegen tatsächlich den Vorschlag machen lässt, ob wir nicht warten wollen, bis es wärmer wird – der hat die Idee von gefrorenen Wasserfällen noch nicht ganz verinnerlicht :-))
Wir jedenfalls finden wenig Zulauf bei unserem Aufruf wer mit möchte – die meisten wollen sich das Spiel der Verräter gegen die Kaputtmacher (auch bekannt als Super Bowl) anschauen. Doch John mit seiner Freundin Cat (Catharine) (die wir zum ersten Mal kennenlernen dürfen) wollen uns begleiten.
So brechen wir also schon um 8 Uhr auf (unter Gabi’s Protest, die irgendwie nicht einsehen will, dass bei 2 Stunden einfacher Fahrt vom Tag nichts übrig bleibt, wenn man erst um 10 Uhr losfährt). Wir sammeln John und Cat auf und sind um 10 Uhr im Park. Wir ziehen uns um und sind auf dem kurzen Weg den Starved Rock Felsen hinauf, als wir auch schon von Vögeln umgeben sind. Spatzen, Kardinäle, Spechte. Die werden hier gefüttert, was für uns später noch viele schöne Fotos bringen sollte. Derzeit ist es erst mal schweinekalt, der Wind pfeift und wir haben leichtes Schneetreiben. Sollte Urs doch recht behalten? Vom Starved Rock aus sehen wir ca. ein Dutzend Weißkopfseeadler sitzen in den Bäumen auf der Insel uns gegenüber (Leopold Island #1). Das ist doch schon mal ganz toll.
Wir wollen erst mal los wandern um die Kälte aus unseren Gliedern zu kriegen. So geht es die erste Treppe in den höher gelegenen Teil des Parks und prompt kommt die Sonne heraus, der Wind legt sich und es ist von einem Augenblick auf den anderen perfektes Winterwanderwetter. Der Schnee glitzert, wir wandern durch einen Wald, vorbei an kleinen Canyons an deren Rändern Eiszapfen hängen, gelb leuchtenden Felsen, zugefrorenen und mit Schnee überdeckten Flüsschen… unser erstes Ziel ist der St. Louis Canyon, in den wir schließlich immer tiefer hinein wandern. Es wäre unglaublich friedlich und die Natur mit einer nahezu unberührten Schneedecke überzogen, wenn nicht genau vor uns eine Familie mit drei grölenden Kindern unterwegs wäre, die sofort auf alle zugefroren Flüssen springen müssen und die unberührte Schneedecke zunichte machen. (Gabi: Die „grölenden“ Kinder haben halt ein bißchen vor Freude und Übermut geplappert und gejuchzt – das nennt man Lebensfreude, Tom!) Schnell an ihnen vorbei und um die letzte Biegung und da liegt er vor uns: Ein unglaublich schöner gefrorener Wasserfall. Das Beste daran ist, dass der gigantische obere Teil frei in der Luft hängt, ein filigranes Gespinst aus einzelnen Eiszapfen, den vom Boden wachsenden Teil noch nicht berührend. Wir sind völlig von den Socken. Wir hätten ja ein bisschen gefrorenes Wasser erwartet, aber nicht dieses filigrane Kunstwerk aus Eis. Nachdem wir uns satt gesehen haben, geht es zurück Richtung Auto. Bevor wir dieses erreichen, kommen wir an der Starved Rock Lodge vorbei, die nicht nur für den Sommer tolle Sitzplätze an der Abrisskante des Felsen bietet, sondern auch eine Gaststube. So versorgen wir uns mit einer kleinen Stärkung (John tut die Pause auch recht gut). Der hat zwar aufgrund einer Erkältung bis zum letzten Moment gezweifelt, ob er mit kann, dabei aber sein vom letzten Fitnesscenter-Lauf lädiertes Knie vergessen. So humpelt er mehr als dass er noch läuft.
Das hält uns aber nicht ab auch den zweiten Canyon ansehen zu wollen, der angeblich gerade einen Eiswasserfall bildet. Dazu müssen wir schnell mit dem Auto zu dem Parkplatz fahren von dem aus wir beim allerersten Mal diesen Park erkundet haben. Steile Stufen hinab und neben einigen kurzen Stopps in kleineren Canyons immer am Wasser entlang (das wunderbare über einander geschobene Eisschollen aufweist) zum LaSalle Canyon. Dieser war in unserem zweiten Besuch des Parks (damals mit Paula) eine grüne Hölle. Diesmal deutlich nicht. Wir zweifeln schon, was er uns zu bieten hat, als wir das Ende erreichen. Hier ist der Wasserfall eine Eissäule vom Boden bis zur Abrisskante, doch in seinem Inneren rauscht immer noch fließendes und spritzendes Wasser, das ihn noch weiter anschwellen lassen wird. Unglaublich. Doch das Unglaublichste überhaupt: Man kann um ihn herum gehen. Ich (Tom) war ja schon mal hinter dem ein- oder anderen fließenden Wasserfall, doch noch nie hinter einem Eiswasserfall. Wow. Und dann kommt Cat auf die glorreiche – fast schon Zen-mäßige – Frage: Wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man einen Wasserfall umarmt. Schon schmiegt sie sich an ihn und scheint dabei durchaus Gefallen zu finden. Ich lasse mich auch überreden – naja, das Ergebnis seht ihr in den Bildern. Noch schnell einen Abstecher in den Tonti-Canyon und schon ist es fast 5 Uhr Abends und wir beeilen uns mal lieber wieder zurück zum Auto zu kommen, bevor es dunkel wird.
Für alle Kollegen, die nicht dabei waren: Ihr habt etwas Einmaliges verpasst. Das Wetter, die Stimmung in der einsamen Winterlandschaft, die filigranen Eiswasserfälle, die Vielzahl an Vögeln.

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6 Antworten zu 03.02.2013: How to hug a waterfall (Ungefähr: Wie kuschelt man mit einem Wasserfall)

  1. islayfan schreibt:

    Ich steh auf solche Winterbilder – auch die Vögel sind echt toll – vor allem die roten (das sind die Kardinäle, oder?)

  2. Mary Beth schreibt:

    Whenever I see a Cardinal, it reminds my of my Great Grandmother – she was awesome! Consider yourselves blessed 🙂

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