23.03.2013: Steile Klippen, knorrige Pinien und Pelikankampfgeschwader

Jetzt ist es Samstag Mittag, am Abend kann ich (und habe auch) noch weiter arbeiten, aber jetzt will ich erst mal raus. Ich habe mir mehrere Ziele vorbereitet. Das erste ist die Mission Basilica San Diego de Alcata, die erste Kirche Kaliforniens und die „Mutter der Missionen“, die erste der berühmten 21 Missionen, die sich an der Westküste bis nach Los Angeles ziehen. Gegründet 1769 zeigt sie sich im strahlenden Weiß, mit ihrem „Glockenturm“ in die Frontfassade der Kirche eingelassen. Um die Kirche herum gibt es blühende Gärten die zum herum stromern und verweilen einladen, was ich dann auch eine Weile tue. In der Kirche probt ein Organist Lieder, die über das Gelände hallen und zur entspannten Stimmung beitragen.

Doch ich will eigentlich weiter, mein Ziel ist der Torrey Pines State Park, der ca. 30 Kilometer nördlich an der Pazifikküste liegt. Achja, ich bin heute alleine unterwegs, meine Kollegen hatten für heute alle ihre eigenen Pläne, was mich flexibel macht. Ich weiß noch nicht so recht, was ich mir eigentlich unter dem Park vorstellen soll, bei der Ankunft bin ich an einem Kilometer Sandstrand entlang gefahren, doch darauf habe ich eigentlich keine Lust. Doch dann wird klar: Der Park hat mehr oder minder zwei Highlights: Vom Wasser aus kann man an den hohen Steilklippen entlang wandern, die sich zum Wasser hin vor mir erheben – und man kann auf einer Straße die Anhöhe erklimmen und darauf auf Wanderwegen herum wandern.

Ich klettere also die Straße hoch um nach vielleicht einem Kilometer auf den ersten Rundwanderweg einzubiegen der sich mir bietet. Irgendwie bin ich ganz alleine, die Sonne scheint, ich im T-Shirt unterwegs, ein leichter Wind macht in manchen Augenblicken klar, dass die Luft noch nicht so warm ist. Es ist friedlich, der Weg ein Sandpfad, ich in Gedanken… vor mir liegt eine große Schlange quer über dem Weg – keine 3 Meter weg. Ich gehe also rückwärts, halte mit der Hand einen Wanderer zurück, der von hinten herankommt. Ich: „Vorsicht, Schlange! Könnte eine Klapperschlange sein!“. Er (stürmt auf die Schlange zu): „Ich hör’ nichts klappern!“ RRRRRRRRRRRRRRRRR….. Ja, es ist eine Klapperschlange, und sie ist nicht glücklich in ihrem Sonnenbad gestört zu werden. Vermutlich weil sie auch Angst hat, dass Idiotie ansteckend sein kann, wenn sie den Ami beißen würde (nahe genug wäre er) zieht sie sich mit drohendem Klappern zurück. Jetzt kann ich meiner Geschichte über den dummen Ami, der damals versucht hat „dem Bären den Weg abzuschneiden“ die hinzufügen, die ich gerade erlebt habe. Der Wanderweg offenbart tolle Blicke ins Landesinnere, dann komme ich in ein Wäldchen aus gebogenen, verkrüppelten und kaum noch lebenden Pinien (den rar gewordenen „Torrey Pines“, die dem Park ihren Namen gegeben haben). Eine Stimmung wie in einem Märchenwald – und dann offenbaren sich die Blicke von der hohen Klippe auf den Pazifik. Mit diesem phantastischen Blick zur rechten geht es jetzt an der Klippe entlang. Links die tollsten Pflanzen (Yukas, Kakteen, Pinien), rechts das Meer. An einem Aussichtspunkt sehe ich zwei Pelikane fast auf Augenhöhe vorbei fliegen. Ich bin voll am Fotografieren (wer hätte es gedacht), drehe mich gerade um, als von der anderen Seite ein ganzes Pelikangeschwader auf mich zuhält. G-E-N-I-A-L!
Der Weg führt irgendwann wieder zur Straße zurück und ich folge dieser weiter bis zum nächsten Wanderweg, der mich in einigen Kilometern zum Strand bringen soll, dort führen letztlich Treppen bis hinunter. Mein Plan ist es, an den Klippen zurückzugehen.

Hier klammern sich überall an die im Wasser liegenden Felsen Muscheln. Auf dem Rückweg sehe ich eine kleine Robbe, die auf den Strand gerobbt ist und sich (offenbar von einem bösen Jucken am Rücken geplagt) genüsslich im Sand wälzt. Klasse.

Die Klippen ragen in skurrilen Formationen bis weit über mir auf – da oben bin ich vorhin irgendwo gestanden. Achso: Wie der eine Wanderweg so lange vereinsamt sein konnte, dass sich eine Schlange rausgetraut hat, verstehe ich nicht wirklich. Ansonsten waren hier überall Leute – für meinen Geschmack sogar ein paar zu viel (es ist Spring-Break und viele Jugendliche trollen sich hier herum – manche können scheinbar nur bei dröhnender Hip-Hop-Musik aus dem Handy wandern).

Wieder am Auto ist es schon gut nach 15 Uhr, ich entscheide mich für ein Brinner, also Frühstück, Mittagessen und Abendessen in einem (Brunch-Dinner – oder wie nennt man sowas?). Ich mache einen Laden namens „Urban Patters“ auf Yelp ausfindig, der wegen seinen frischen und organischen Gerichten gelobt wird. Mehr oder minder im Cafeteria-Stil sucht man sich an einem Tresen sein Essen aus, dass dann frisch zubereitet wird. In meinem Fall ein Salat mit Blue Cheese, Hühnchen, Sprossen, Eiern, Speck und – ich glaube auch – ein bisschen Tomate und grünen Salat :-). Dazu ein Rosmarien-Brot und eine Tomaten-Basilikum-Suppe. Wow. Alles sehr lecker, aber das Hühnchen in seiner Saftigkeit und genau mit dem richtigen Grad an Grillbräunung ist das Beste!

Die 4 Stunden, die ich mir heute gegönnt habe fühlen sich an wie ein ganzer Tag an Erlebnissen – ich denke nur etwas wehmütig, dass ich wohl die Bilder und den Artikel löschen muss, weil ich das ja wohl schwer meiner lieben Frau beibringen kann. Naja, vielleicht merkt sie ja nicht, dass ich den Artikel online stelle :-). Have fun in cold old Germany, Darling.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kalifornien, Natur, Wandern veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu 23.03.2013: Steile Klippen, knorrige Pinien und Pelikankampfgeschwader

  1. Gabi schreibt:

    Zu spät – hab schon entdeckt wie „stressig“ dieser workshop war 😉 TOLLE Bilder!!! Hier in Deutschland kann man nur davon träumen ohne Jacke unterwegs zu sein – cold old Germany trifft es echt exakt! Doch alle hier fragen nach dir – wir sind gedanklich bei dir!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s