24.03.2013: Dessert in the Desert (Nachtisch in der Wüste – klingt auf Deutsch leider nur halb so gut)

Ich liege also am Abend (nachdem wir wieder von noch zu berichtenden Sonntagsausflug wieder zurück sind) auf dem Bett, wehre mich gegen das schlechte Gefühl, dass ich nicht arbeite, sondern Tagebuch schreibe und kühle meine sonnenverbrannten Waden am kühlen Bett. Heute ist es schwierig, sich für einen richtigen Titel für den Artikel zu entscheiden. Es bieten sich so viele an:
„Von 18 Grad auf 81 Grad (Fahrenheit) in einer Woche“. „Sonnenverbrannte Waden im März“. „Elephanten und Seeschlangen in der Wüste“. „Wie aus einer 2 km Wanderung 12 km werden (mit Wasser geplant für 2 km)“. „Eine Palmenoase in der Wüste“. „Kolibris, Bergziegen, Schlangen und Echsen“.

Doch alles der Reihe nach: Heute haben sich also meine drei Kollegen angeschlossen. Wir brechen um 7:30 Uhr auf. Unser Ziel ist die Anza-Borrego-Wüste, die ca. 90 Minuten von San Diego im Osten liegt. Von hohen Bergen auf allen Seiten umgeben erstreckt sich dort eine Wüstenlandschaft, die definitiv einen Tagesauflug wert ist (mehr Zeit habe ich ja leider auch nicht). Wir fahren ca. 1 Stunde zu einem kleinen Bergstädtchen namens Julian das von Tom N. uns als Stopp wegen seines Charms und seiner Kuchen empfohlen wurde. Wir packen einen Cherry-Apple-Crumble-Kuchen ein (Kirsch-Apfel-Streusel) und fahren weiter Richtung des Visitor Centers in Borrego Springs.

Dazu sind wir erst mal einige Höhenmeter bis Julian geklettert, um danach in einem Canyon die ganzen Höhenmeter wieder bis auf Wüstenhöhe abzubauen. Kurz vor Borrego Springs lasse ich das Auto am Straßenrand ausrollen, voller Unglauben, was wir sehen. Vor uns im Wüstensand stehen drei lebensgroße Elefanten. Aus Metall. Naturgetreu. Und jetzt sehen wir weiter vorne springende Pferde, in der Ferne einen Adler, auf dem Hügel links vor uns zwei Raptoren… Rob nutzt sein Handy und findet heraus, dass es von diesen Figuren hier 131 geben soll, die ausgestorbene Tiere aus früheren Zeiten darstellen sollen. Uns ist nicht ganz klar, ob es die Sonne in der Wüste ist, die einen dazu treibt bis zu 100 Meter lange Figuren in die Wüste zu stellen, vielleicht zahlt ja die Stadt Borrego Springs den Künstler (eine Broschüre offenbart später dass es ein schrulliger Millionär ist, der die Arbeiten bezahlt hat).

Wir wollen jedenfalls erst mal weiter zum Visitor-Center des State Parks. Wir schauen uns dort den sehr informativen Film im Kino an, der uns durch ein Jahr in der Wüste führt und fragen danach einen Ranger, was wir am geschicktesten mit unserer Zeit anfangen können (schließlich haben wir ja kein ganzes Jahr). Er empfiehlt keine Zeit mit weiterfahren zu verschwenden, sondern gleich von hier aus zu wandern. Es gäbe da einen Palmen-Canyon und eine gute Chance Borrego-Schafe zu sehen, die dem Park seinen Namen gegeben haben. Wäre auch nur 1.6 Meilen, also gerade mal 2 km. So schmiere ich mir Gesicht, Nacken und Arme mit Sonnencreme ein und ziehe (man beachte die Reihenfolge) auch noch eine kurze Hose an. Eine Flasche Wasser sollte für die 2 km ja wohl reichen. So laufen wir los. Erst mal geht es auf geteerten Wegen zu einem Camping Platz, dann weiter zum Parkplatz wo die Wanderung eigentlich los ginge. Uns ist jetzt klar: Der Halunke hat die bereits zurückgelegten 2 km nicht mit eingerechnet. Der Canyon ist trocken, wüstenartige Bepflanzung überall. Bald sehen wir zwei kleine Gruppen an Borrego-Schafen, bald später eine rot geringelte große Schlange, die unter einem Felsen liegt, kurz darauf nacheinander zwei Echsen, die eine mit dem Bauch flach auf einen Felsen gepresst (wohl um möglichst viel Wärme aufzunehmen) so groß wie eine Katze, die andere wie ein kleiner Hund versteckt sich in einer kleinen Felsnische.
Plötzlich hören wir Wasser gluckern und von diesem Teil der Wanderung an wird es immer grüner. Wir überqueren sogar einen Fluss, der ein grünes Band in der Landschaft hinterlässt. Danach passieren wir einen Wald aus grünen Sträuchern, in dem es nur so vor Bienen brummt. Die anderen sind schon etwas weiter gegangen, als mir klar wird, dass die Hälfte der Bienen in Wirklichkeit winzige Kolibris sind. Im Film hieß es sie wiegen weniger wie ein Cent-Stück und sind nicht viel größer wie eine Hummel. Toll!

Danach wird der Canyon enger und wir kommen zu einer Oase aus Palmen. Sogar ein Wasserfall plätschert in dieser Oase. Bis zu diesem Punkt haben wir von den 2 km ca. schon 5 zurückgelegt (dank der Spezialuhr von Gerald und dem Navi vom Ralph wissen wir das sogar ziemlich genau). Die Idylle, die ich vor allem in dem summenden Büschen gespürt habe, ist hier leider nicht vorhanden, dafür sind hier viel zu viele Leute und auch die ganze Oase wirkt (ich entschuldige mich für das was jetzt kommt) unordentlich. Überall liegen vertrocknete Palmblätter herum, die ein Chaos hinterlassen. Ich habe mir Oasen immer ordentlich vorgestellt – mit Kamelen und leicht bekleideten Damen, die einem ein kühlendes Getränk… *kopfschüttelumihnwiederklarzukriegen* Das ist wohl die Hitze, denn die Sonne brennt jetzt auf dem Rückweg gnadenlos und mir ist jetzt schon klar, dass ich mir einen Sonnenbrand holen werde. Am Nacken – und natürlich an den Waden die ich ja mal vergessen habe einzuschmieren.

Auf dem Rückweg nehmen wir die „Alternativroute“, die natürlich einen Umweg über die Hänge zweier angrenzender Hügel darstellt. So dass wir froh sind, dass man seine leere Wasserflasche am Parkplatz am Canyon-Anfang auffüllen kann. Die Worte von Rob, der direkt aus dem Wasserspender trinkt sagen wohl alles: „Leute, das kann jetzt eine Weile dauern bis ich fertig getrunken habe…“ Denn noch liegen die letzten beiden Kilometer vor uns bis zu unserem Auto.

Dort schnappen wir uns den eingekauften Kuchen und wollen Brotzeit machen auf einem der in USA überall in den Parks zu findenden Picknickplätzen. Wir stellen fest, dass ein Kuchen, der einen Vormittag im Kofferraum eines in der Wüste geparkten Autos verbracht hat nicht gerade eine Konsistenz aufweist, dass man ihn besonders leicht mit der Hand essen kann. So improvisieren wir aus der Pappschachtel einen Kuchenteller sowie eine Kuchenschaufel. Der Rest gleicht eher einem Mittelalteressen mit den Fingern. Doch der Kuchen ist super und das Gematsche lohnt sich.

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Dank des Nachbartisches, an dem mehrere ältere Damen essen, kommen auch alte Urlaubserinnerungen hoch, denn die eine Dame singt konstant irgendwelche Lieder – da reicht schon das kleinste Stichwort einer ihrer Begleitungen und es geht schon wieder los…

Jetzt mal schauen, wer von Euch sich gedacht hat, als ich von 100 Meter langen Metallskulpturen geredet habe, dass die Wüstensonne mein Gehirn angekokelt hat. Doch das ist wirklich war. Wir haben auf einem Plakat eine der Skulpturen gesehen, die eine Seeschlange darstellen soll, die sich in vier Teilen über 100 Meter im Wüstenboden erstreckt und sozusagen immer wieder aus dem Sand heraus schaut. Die Details aber auch die Größe ist unglaublich. Schaut Euch das Bild an!

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Danach geht es zurück nach San Diego, diesmal über eine andere Passstraße. Kaum ist man aus dem Tal draußen wandelt sich die Natur in grüne Weiden – der Kontrast könnte nicht größer sein. 2 Stunden später sind wir im Hotel – es ist früher Abend und wir alle etwas von der 2 km Wanderung und der Sonne erschöpft.

Schlussbemerkung für heute: In der Wüste sind sogar die Enden tot:

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