20.04.2013: Die Geburtstagsfeier

Nein, ihr habt keinen Geburtstag verpasst, sondern meine Frau hat Lust auf Kultur. So hat sie mir eine ganze Liste an Möglichkeiten zur Auswahl gegeben, danach haben wir ein paar Kollegen gefragt, wer mit will und so sind wir heute zum ersten Event mit Cat und John unterwegs ins Steppenwolf-Theater.

Die Aufführung ist von Harold Pinter und die Zusammenfassung liest sich wie eine nette, ruhige Komödie: „In einer verschlafenen Pension an der Küste Englands ist die eintönige Routine von Corn Flakes, Zeitung und Nickerchen unterbrochen durch das Auftauchen von zwei mysteriösen Fremden. Sie werden  Gäste der Überraschungsgeburtstagsfeier des Dauergastes Stanley, welche sich nach einigen Gläsern Whiskey, Partyspielen und einem mysteriösen Blackout in einen köstlich unbemerkten Alptraum verwandelt. Während Ausreden und Allianzen hastig sich verschieben, tut dies auch die Wahrheit in Harold Pinters fesselndem dunkel-komischen Meisterwerk.“

Wie sich später herausstellen sollte stimmt die Beschreibung, trifft aber ungefähr genau so den Kern des Stückes, wie ein blinder Holzfäller im Wald, der seine Axt verlegt hat. Der Versuch meiner Frau mit „Du hat es Dir ja ausgesucht“ die Schuld auf mich zu schieben, hilft da auch nicht… aber alles der Reihe nach.

Cat und John kommen bei uns daheim vorbei und wir fahren mit unserem Auto Richtung Lincoln Park. Wir hatten John gebeten sich für ein Restaurant in der Nähe des Theaters zu entscheiden – er hat natürlich neben einer Vorauswahl immer noch 2 Reservierungen gemacht, die wir erst im Auto auflösen, bzw. nach hinten verschieben. Denn die Autos reihen sich so dass wir auf Nummer sicher gehen und beim Italiener gleich um die Ecke des Theaters den Tisch eine halbe Stunde später als geplant reservieren. Wir stehen leider länger im Stau als gedacht, doch als wir endlich ankommen und im Parkhaus des Theaters parken, haben wir noch genug Zeit zum Essen. Wir bestellen einige Vorspeisen, die sich als ausgezeichnet herausstellen., doch wir warten so lange auf die Hauptgerichte, dass wir schon ungeduldig werden – und die stellen sich letztlich eher als mau heraus.

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Wir stürmen also zurück Richtung Theater und fahren mit dem Aufzug in den dritten Stock. Wir sind nämlich nicht im Hauptsaal (Achtung: Das ist der erste Hinweis), sondern im „Dachgeschoss“. Die Bühne ist eine kleine Empore in der Mitte mit Tribünen zu beiden Seiten. Das Bühnenbild ist spartanisch – Ein Tisch mit Stühlen – dazu eine kleine Anrichte und ein Hutständer. (zweiter Hinweis).

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Es ist klar, dass Stück ist nicht Mainstream. Hätten wir doch vorher mal lesen sollen, um was es geht? Eine Ansage: „Wir bitten alle Gäste, die nach dem Stück noch darüber diskutieren wollen am Ende des Stückes sitzen zu bleiben!“ (Dritter Hinweis). Oh weia. Was intellektuelles.

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Das Stück hat drei Akte. Irgendwann wird klar: Hier geht es nicht um die Handlung. Es gibt keinen Hintergrund, keine Logik, die Schauspieler widersprechen sich gleich im nächsten Satz, ihre Namen wechseln, ihre Motive sind unklar, sie schreien, heulen, jammern, zerstören Menschen mit Worten und winden sich unter diesen Wortfluten wie Verletzte…

Auf der Handlungsebene ist das Stück ein totaler Reinfall. Aber auf der Gefühlsebene – die Emotionen die die Schauspieler erzeugen, in Frage stellen und wieder zerstören –  ist das Stück sehr ansprechend. Ich zumindest bin total aufgewühlt… (Gabi:  Ich möchte am liebsten auf die Bühne rennen und die Leute anschreien: Das macht doch alles keinen Sinn! Also aufgewühlt bin ich auch, ansprechen tut mich da nix – für mich kommt der Hinweis, nicht nach einem Sinn zu suchen hier etwas spät 😉 )

Am Ende sind wir uns nicht sicher, ob es nun gut oder schlecht war. Doch da war ja noch die Nachbesprechung. Und die hilft zumindest zu verstehen, dass wir eigentlich gar keine Chance hatten das Stück zu verstehen.  Es wurde 1957 ur-  aufgeführt und nach einer Laufzeit von nur einer Woche wieder abgesetzt. Andere Zuschauer – offensichtlich deutlich belesener wie ich – vergleichen das Stück mit Kafka…

Dank der Nachbesprechung konnte ich mich entscheiden, dass es das Stück durchaus wert war, dass wir dafür in die Stadt gefahren sind…

Kennt sonst noch jemand das Stück? Wie ist Eure Meinung – schreibt mal einen Kommentar!

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