26.04. & 03.05.2013: Auch dieses Jahr wieder: Gruppenbasteln für einen guten Zweck

„Englewood – das ist ja die schlimmste Ecke von Chicago!!!“ so kommentiert Jane (unsere Freundin, nicht die Palme) die Ankündigung, dass wir auch dieses Jahr wieder beim Rebuilding Together Event teilnehmen. Wie schon im letzten Jahr, wo Tom auf dem Dach geendet ist und Gabi vor lauter Farbausdünstungen geschielt hat, geht es auch dieses Jahr wieder darum, dass wir uns eines Hauses einer bedürftigen Familie annehmen. Toms Firma sponsert mehrere Teams für mehrere Häuser, pro Haus gibt es dieses Jahr (die Gelder sind überall knapp) gerade einmal $3000. Hier ist Eigeninitiative und viel Improvisation gefragt. Allerdings ist das in USA nicht ungewöhnlich, so erhaschen die Organisatoren unseres Hauses durch persönliches Engagement z.B. alle Farben und Malbedarf (im Wert von mehr als Tausend Dollar) für gerade einmal $350, indem sie beim lokalen Vorstand von Home Depot vorstellig werden und ihren Fall schildern. So kommen wir z.B. auch an eine Badewanne mit Einstieg für gerade einmal $100.

Aber zurück zum Anfang der Geschichte: Rebuilding Together ist ein Event, der in diesem Jahr auf 75 Häuser im Raum Chicago mit über 3500 Freiwilligen angewachsen ist. Toms Firma, angeführt durch John L., der in diesem Job aufgeht, sucht sich immer die schwierigsten und aufwändigsten Häuser heraus. Schon Wochen oder Monate vorher beginnen Auswahlverfahren, Gespräche, Vorplanungen, Detailplanungen und sogar schon wändeversetzende Vorarbeiten. Wie in unseren Haus der Familie Ukpong. Ein im Rollstuhl sitzender Dialysepatient und Vietnamveteran mit Frau. Sie wohnen im oberen Stock ihres Hauses und er muss jedesmal wenn es zur Blutwäsche geht auf seinem Hintern die Treppe hinabrobben. So überreden sie die beiden in die Wohnung im Erdgeschoss zu ziehen. Um das Bad behindertengerecht zu gestalten wird mal flux eine Wand versetzt was auch in diesem Jahr wieder zu einer Komplettrenovierung des Badezimmers führt. Nicht alles darf von uns gemacht werden, so ist es gut, dass die Elektriker der Gewerkschaft auch für lau arbeiten.

Wir kommen diesmal als Streichbataillon zum Einsatz und müssen in nur einem Tag die Decken, Wände (die sich in den hohen Räumen etwas „hinziehen“), Zierleisten, Türrahmen, Türen – naja, eigentlich fast alles, bis auf den Holzboden (der es auch dringend nötig gehabt hätte) streichen.

Wir kämpfen uns durchs Haus, machen nicht nur das Gabi und Tom zugewiesene Zimmer, sondern grundieren auch noch die Eckkammer (die vorher vermutlich als Folterkammer verwendet wurde (mit schallschluckenden Platten an der Wand und Graffiti überall)). Dem nicht genug, geht es danach in der Küche weiter sowie im Gang. Wohl gemerkt: Wir kommen dort um 8 Uhr an und werden um 16 Uhr wieder abgeholt. Irgendwie haben wir die Vermutung, dass alle um uns herum auf einen niedrigeren Gang geschaltet haben und wir nur so um sie herumwirbeln. Für uns Deutsche ist halt alles eine Herausforderung die es bestmöglich zu meistern gilt.
Gabi: „Wenn ich schon meinen ganzen Samstag opfere, dann soll wenigstens ein gutes Ergebnis dabei herauskommen.“
Und so sieht die Wohnung am Ende wirklich wie verwandelt aus. Nur das Bad ist noch nicht fertig. Der 30 Minuten Schnelltrockenzement ist auch noch nach Stunden nicht trocken genug, um überstrichen zu werden.
Am Ende sitzen wir alle gut gelaunt wieder im Bus, mit schmerzenden Armen (was so ein ganzer Tag „Überkopfarbeiten“ einem Schreibtischtäter so alles an Auas bescheren kann verschweigen wir mal lieber), komplett farbüberklecksten Händen und Klamotten und geschlossenen Aug… *schnarch*

Wir hatten wirklich unseren Spaß, lediglich die von Tom regelmäßig geforderte Versorgung mit Eiscreme und/oder wahlweise Cocktails hat Ann – unsere Streichkoordinatorin irgendwie nicht hin bekommen.

Ende gut, alles gut?

Nicht wirklich. Die Renovierung im Haus gegenüber, auch von Toms Firma gesponsert, hat es nicht einmal richtig aus den Startblöcken geschafft. Einer der Gründe war ein Handwerker von der Gewerkschaft, der die Stromleitungen in einem Raum überarbeiten sollte – und dafür nicht nur eine Wand komplett aufgerissen hat, sondern noch die halbe Decke zerstört hat (und danach natürlich verschwunden ist). Alleine schon die Wand wieder zu korrigieren hat die halbe Truppe den Tag gekostet.

So sucht John (nachdem der Hauscaptain des anderen Haustrupps keine Zeit (oder Lust) hat nach tatkräftiger Unterstützung auch am Wochenende drauf. Auch das Bad im Ukpong-Haus harrt ja noch der Vollendung. So erklärt Tom sich halt bereit – nichts findet er schlimmer wie Dinge anzufangen und dann unbewohnbar zurückzulassen – was soll die arme Familie sonst machen. So bekommt er also die Tochter von John sowie deren Freund als Zulanger und die Aufgabe das Zimmer mit der zerstörten Decke in den Griff zu kriegen. Da hat doch tatsächlich schon jemand angefangen Dachlatten hochzumachen, um daran quadratische Deckenplatten zu befestigen. Nur leider so intelligent, dass man an den ca. 13 Inch auseinander gelegten Deckenplatten die 12 Inch großen Quadrate wohl nur mit Siemenslufthaken befestigen könnte. Die sind nicht im Budget, so dass wir nicht nur eine offene Decke wieder zumachen, sondern auch noch die unvollendete Unfähigkeit der Vorabeiter wieder geradebiegen müssen. Die Decke wäre auch vollständig fertig geworden, wären uns ca. 5 Platten vor dem Ende nicht die Deckenplatten ausgegangen („von denen haben wir Kisten über Kisten“). So streichen wir auch diesen Raum und am Ende des Tages ist er wieder ansehnlich und bewohnbar. Nur kleine Teile hier oder da sind noch zu erledigen (wenn es wieder Material gibt).

Zwei Wochenenden spendiert – doch anders als das Ukpong-Haus, das fast wieder bewohnbar ist, ist dieses Haus noch weit entfernt von einer Fertigstellung. Doch nächstes Wochenende müssen mal andere ran, wir haben andere Pläne…

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