05.07.2013: „Bei den Regenmengen der letzten Wochen sind Wasserfälle bestimmt reißend…“

Nachdem unsere Gäste aus einer Stadt kommen, die mit die schlimmste Luftverschmutzung der Welt zu kämpfen hat, haben wir sie erst einmal zum langsamen Entwöhnen gestern der Chicago-Luft ausgesetzt.

Wir reden hier von dem, was in Deutschland letztlich unter „Feinstaub“ subsumiert wird und wo man sich fragt, ob die Deutschen da etwas zu übersensibel sind, oder die Chinesen einfach die gegenteilige Mentalität an den Tag legen. Nur um mal ein Gefühl zu bekommen: Noch vor wenigen Wochen bewegte sich die durchschnittliche Luftverschmutzung in Peking in einem Bereich über 300. Das sagt natürlich erst mal nichts aus, doch wenn man dazu sagt, dass der Bereich 101-150 als „ungesund für gefährdete Gruppen“ (orange), 151-200 als „Ungesund“ (rot), 201-300 als „Sehr ungesund“ (Violett) und der besagte Bereich ab 300 als „gesundheitsschädlich“ (dunkelviolett) eingestuft wird, beginnt man zu verstehen, dass man diese Luft wirklich nicht mehr ungefährdet atmen kann.
Die Beschreibung dieser Kategorie liest sich dann erschreckend so: „Ernsthafte Gefährdung des Herzens und der Lunge und vorzeitiger Sterblichkeit bei Personen mit Herzbeschwerden und älteren Personen; ernsthaftes Risiko von Atemwegserkrankungen bei der Allgemeinbevölkerung“.

Nachdem unsere Gäste keinerlei Entzugserscheinungen gezeigt haben (zum Beispiel sich hektisch Straßendreck in die Nase gerieben haben), fahren wir heute in die Natur. Genauer nehmen wir sie mit in den Starved Rock State Park. Noch vor einigen Tagen hat es bei uns ja geschüttet wie verrückt und wir hatten überall Überschwemmungen. Die Wasserfälle im Park müssen also phantastisch sein. So unsere Idee. Doch das nördliche Illinois liegt an der Grenze des Wetterchaos, d.h. schon ein bisschen weg kann das Wetter ganz anders sein. Und der State Park leidet definitiv nicht mehr unter dem Lake-Effekt. So sind wir etwas verblüfft, als wir im ersten Canyon auf den Wasserfall treffen. Ein Wasserfällchen. Von den erhofften Wassermassen ist weit und breit nichts zu sehen. Dafür nimmt das Geschrei im ersten Canyon fast schon chinesische Verhältnisse an. Also schnell zurück zum Auto und zum Ilinois Canyon. Den kennt ihr vielleicht noch aus unserer Erzählung aus dem ersten Jahr hier. Man muss mehrmals einen Fluss überqueren – diesmal haben wir das richtige Schuhwerk dabei, so dass wir letztlich ganz alleine am Ende des Canyons stehen. Hier ist es wirklich schön.

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Uwe versucht seinen Sohnemann zu überreden (sogar mit teilweise unlauteren Mitteln), dass er ins Wasser geht. Petra hat schließlich Wechselklamotten für ihn mitgenommen. Letztlich muss natürlich das große Kind einspringen . Tom zieht sich bis auf die Unterhose aus und geht bis zum Hals ins Wasser (für manchen Sch… ist er halt sofort zu haben – im Meer schwimmen ist nichts für ihn, aber in einem Canyon in eine eiskalte Pfütze hüpfen schon) – so folgt Marc dann auch bereitwillig und wir sind beide stolz auf uns, die Untiefen des tückischen Gewässers (das da so still und friedlich da liegt) gemeistert zu haben.

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Danach geht es zum Parkplatz bei Parkmans Plain, der komplett überfüllt ist. Dort gibt es erst mal mitgebrachte Sandwiches aus den Restbeständen des gestrigen Grillens, dann geht es – endlich einen Parkplatz ergattert – die Stufen hinab zum Illinois River und in den LaSalle Canyon. Auch hier toben krakelend die Menschenmassen, vom Flair dieses Canyons in den Wintermonaten oder unter der Woche (Moment, heute ist Freitag!!!) ist wenig zu spüren. Immerhin haben wir eine Begegnung mit einer Mörderschlange.

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OK, die war vielleicht 20cm lang, doch aufgeführt hat sie sich wie eine große. Natürlich nehmen wir den Rundweg – zumindest bis wir feststellen, dass die Brücke ganz am Ende des Weges gesperrt ist. So machen wir einen Umweg durch den Tonti-Canyon, hüpfen behende über den Fluss und krackseln zurück auf den Weg… Frische Luft hatten wir pur. Nett war es auch, wenn nur etwas weniger Leute da gewesen wären – ich denke fast, wir fahren bald mal ins Michigan Upper Pennisula, wo angeblich der Hund gefreckt sein soll…

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