11.07.2013: Ein (fast) perfekter Urlaubstag

Wir trennen uns heute morgen mit dem Ziel uns im 20 Meilen westlich liegenden Kaff Cornucopia um kurz vor 3 Uhr wieder zu treffen. Gabi und Tom nutzen die Zeit für eine Wanderung im Apostle Island National Lakeshore. Hier gibt es keine große Auswahl an Wanderwegen, so nehmen wir „den“ Wanderweg, der uns im Visitor Center „empfohlen“ wird. Er geht an der Küste entlang (erst im Wald) und kommt dann über höhlendurchzogene Klippen heraus, so dass man DIE Sehenswürdigkeit der Apostle Islands von oben bewundern kann. Der Wanderweg dorthin ist nicht schwer, besteht aus federndem Waldboden – zumindest wenn er trocken ist. Die Regenfälle der letzten Zeit haben jedoch den Weg zu einer wüsten Schlammwanderung werden lassen. Wir kämpfen uns mehr vorwärts als dass wir wandern. Und das auch noch unter Zeitknappheit, denn wir haben für den Nachmittag ja einen festen Termin ausgemacht. Irgendwann kommen wir auch näher an die Klippen heran, doch richtig tolle Blicke offenbaren sich uns noch nicht. Das ändert sich schlagartig, als majestätisch ein Weißkopfseeadler an uns vorbei gleitet. Die Wanderung hat sich jetzt schon gelohnt. Wir erreichen gerade zu dem Zeitpunkt, wo wir wieder umdrehen müssen, den ersten wirklich schönen Aussichtspunkt. Wir haben nicht nur einen Blick auf Wasser durchströmte Höhlen unter uns, wo Kajakfahrer hindurch paddeln, sondern wir sehen auch eine große Schlucht in die das Wasser schwappt. Ein geeigneter Umdrehpunkt und wir hechten zurück zum Auto – an einer der übelsten Matschstellen wird Gabi gemein von einem Ast hintergangen, der nach oben schnellt und ihr böse das Bein aufschürft. Etwas vorsichtiger geht es das letzte Stück zurück zum Auto. Dort haben wir so viel Zeit gut gemacht, dass wir noch einmal zum Strand hinunter schauen können, doch außer einigen kälteunempfindlichen Badenden und vielen Kajakfahrern die hier an- und ablegen gibt es wenig zu sehen. So gehen wir gerade die Holztreppe wieder zum Parkplatz hinauf als eine (ca. 1 Meter lange) Garter Schlange sich zwei Stufen über Tom von links nach rechts mit Elan über die Treppenstufe windet – sie bewegt sich wie eine Klapperschlange in der Wüste… wow!

Wir legen uns trocken, was einen neuen Satz Schuhe beinhaltet – die alten sind nass, und so mit Matsch verkrustet, dass wir fürchten, schon vom Ranger angehalten zu werden, weil wir einen größeren Teil des Parks an unseren Schuhen kleben haben.

Dann geht es im Auto nach Cornucopia. Im dortigen General Store versorgen wir uns mit einem Sandwich und zwei Salaten zum verspäteten Mittagessen und treffen dann die Rückls wieder am Hafen. Dort wartet unser gechartetes Segelboot auf uns. Unser Captain Jim hat einen weißen Rauschebart, weiße Haare und diese weiße Pracht setzt sich auch auf seiner Brust fort. Es fehlt lediglich die Pfeife und auch die Worte „Harrharr“ gehören leider nicht zu seinem regelmäßigen Wortschatz. Unser Segelboot heißt Esprit und wird uns dank seiner Navigation zu denselben Höhlen bringen, auf die wir schon heute früh durch die Wanderung einen ersten Blick erhaschen durften.

Das klingt nicht nur traumhaft – es ist es auch. Gabi hat dieses Angebot entdeckt und wir haben gleich das ganze Boot für uns alleine angemietet – wer weiß, mit welchem Fußvolk man sonst so ein Schiff teilen müsste 🙂
Der Segeltripp ist gemütlich, wenn auch die Sitze auf so einem Segelboot dieser Größe nicht wirklich zum Chillen geeignet sind. Doch wir halten uns mal auf dem Vordeck, mal achtern auf. Gekühlte Getränke komplettieren die Entspannung. Die Sonne und der wolkenlose Himmel sorgen dafür, dass heute nicht viel Wind weht, so dass wir gerade mal mit 5 Meilen in der Stunde entspannt gegen den Wind kreuzen.

UP_02_30

Vor den Höhlen angekommen steigen wir in das mitgeschleppte Ruderboot um, mit einer TS (Tom Stärke) rudern wir so in die verschiedenen Höhlen, durch Fels-Tore und in denselben Spalt hinein, an dem wir noch wenige Stunden vorher oben gestanden waren. Die Stimmung ist wie in einer licht durchfluteten Kathedrale, die Wände schimmern in grün und weiß, im eiskalten klaren Wasser schwimmt ein Frosch – eine wirklich verzauberte Wasserwelt! Und bei so was zahlt sich dann auch die Ingenieursausbildung aus, denn wir haben ja korrekt vorberechnet, dass die Abendfahrt mit dem Segelschiff uns das beste Licht bescheren würde.

UP_02_35

Nachdem wir das Dockingmanöver mit dem Mutterschiff problemlos hinbekommen haben geht es nun mit dem Wind viel flotter zurück Richtung Ausgangshafen. Jim muss am Ende den Motor einschalten – wohl weil der Wind nachgelassen hat, wohl aber auch, weil der Feierabend nahe war.

UP_02_43

Wir fragen ihn ob er im Ort ein Restaurant empfehlen kann. Er meint es gebe nur eines, deshalb sei er gehalten es zu empfehlen (mangels Alternativen), aber er mag das Essen dort… und wir probieren es aus und sind auch nicht enttäuscht – die meisten essen Seefisch, der hier sehr lecker zubereitet ist.

UP_02_44

Danach geht es zurück zu unserer Unterkunft. Wir fahren direkt, die Anderen entscheiden sich den Sonnenuntergang noch am Strand zu bewundern, weshalb sie erst gut nach der Dunkelheit ankommen. Wir haben es uns da schon im Cottage bequem gemacht. Die Panoramafenster des Wohnzimmers schauen auf eine Lichtung, wo (nachdem wir alle Lichter des Hauses gelöscht haben) ein Feuerwerk von Glühwürmchen aufgeführt wird. Manche in der Ferne der Lichtung, manche keinen Meter hinter der Fensterscheibe. Wenn der Tag noch etwas gebraucht hätte um der Kategorie „verzaubert“ gerecht zu werden, dann war es dieser Tagesabschluss!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Besuch, Natur, Wisconsin veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s