14.07.2013: Tief im Berg und weit um den See

Am nächsten Morgen spielen Vater und Sohn ganz herrschaftlich eine Partie Schach, bevor wir uns ins Auto schwingen und nochmals nach Calumet rein fahren. Was uns dort nämlich gestern Abend fasziniert hat waren wunderbar erhaltene alte Gebäude. Zuerst halten wir auf dem ehemaligen Minenareal. Dieses ist auf der Liste der amerikanischen historischen Denkmäler: Wenn auch von der ehemaligen, Mitte des 19. Jahrhunderts gebauten Kupfermine nicht mehr viel zu sehen ist und nachdem es ja auch noch Sonntag ist hat alles geschlossen. Aber wir können doch Originalgeschäftsgebäude bewundern und die friedliche Stimmung auf dem Gelände genießen. Auf den Rasenflächen liegt tonnenweise altes, erodierendes Material und Gerätschaften herum, überwuchert mit Pflanzen und Gräsern, die Tom natürlich nur so zum Fotografieren einladen.

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Gleich nebenan ist die nächste Sehenswürdigkeit. In der Innenstadt von Calumet ist die Zeit ebenfalls fast stehengeblieben. All diese alten Häuser laden nur so zum Herumbummeln ein. Mit von Uwe gesponserten Cookies und einem leckeren Kaffee in der Hand wird gleich ein doppelt schönes Vergnügen daraus (das B&B-Frühstück hat keinen von uns begeistert).

Nur unser volles Tagesprogramm im Kopf bringt uns dazu, doch wieder ins Auto einzusteigen. Es ist auch nicht weit, bis wir zur Quincy Mine, einem Kupferminenmuseum auf dem Gelände einer der größten Minen dieser Gegend kommen. Bereits unser 3. historischer, auf der Denkmalliste stehender Distrikt an diesem Morgen! Nicht dass hier einer behauptet, wir bringen Toms Patenkind nichts über die Geschichte seines Urlaubslandes bei… 😉

Wir machen eine oberirdische Tour sowie eine unter Tage mit und bekommen so jede Menge interessanter Details über den Kupferabbau in Michigan, Bergbautechnik und -Fortschritte beigebracht. Wir lernen auch einiges über das Leben der Bergbauarbeiter, die überwiegend aus Europa eingewandert waren und sich sogar noch für den knochenharten Job gegenseitig unterbieten mussten, um die Stelle überhaupt zu kriegen. In der Mine wurde von 1846 bis 1931 Kupfer in unglaublichen 97 Stockwerken abgebaut, womit sie eine der langlebigsten und ertragreichsten in den USA war. Der längste Schacht ist 2,8 km lang. Wobei alles was tiefer ist als der 7. Stock, nun mit Grundwasser voll gelaufen ist (während des Betriebes musste dieses immer übers Wochenende abgepumpt werden). Wir nutzen einen Seiteneingang in den Berg und fahren in besagten 7. Stock ein – wer etwas nachgedacht hätte, hätte auch lange Hosen angezogen. In dem Stollen ist es 9 Grad Celsius kalt. Kaum vorzustellen, dass im 97. „Untergeschoss“ früher die Leute bei über 45 Grad Celsius geschuftet haben.

Wenn auch riesige Trommeln, durch Marc geläutete Warnglocken, ein ganzes Untertage-Bergbauklassenzimmer und endlose Gänge im Dunkeln spannend sind – etwas froh sind wir schon, dass wir den Helm nach der Führung wieder abnehmen und an unsere elektrische Zimmerbeleuchtung in Haus und Büro denken können. So stimmungsvoll dieses Industriedenkmal und die Führung auch waren, wir sind gern White-Collar-Worker 😉 (wortwörtlich: weißer Kragen-Arbeiter = Angestellte, die sich im warmen Büro nicht die Fingerchen schmutzig machen.)

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Noch ein letzter Blick, dann geht es wieder auf die Landstraße. Auch heute wartet ein langer Weg auf uns. Wir waren ja über Nacht auf einer Art Landnase im Lake Superior und müssen nun erst mal zurück zum Lake und dann immer weiter Richtung Osten. Am Lake sind wir ja schnell, daher machen wir auch nochmal eine Pause am Ufer, werfen ein bißchen den Magic Ring und knuspern den ein- oder andren Snack. Nur um etwas später doch noch eine Fastfood-Bude zu finden 😉 Danach geht es aber strikt weiter. Hey, kann ein See wirklich so groß sein? Über 130 Meilen und einen Großeinkauf später sind wir endlich in Au Train angekommen. Hier, am Westtor zum Pictured Rock National Lakeshore hat Gabi ein weiteres Ferienhäuschen gefunden. Die Lage ist einfach phantastisch, direkt am Au Train-River mit eigenem Anlegesteg. Nun fehlen nur noch Kayaks und Kanus meint ihr? Neee. Die warten schon auf uns in der zum Haus dazugehörigen Doppelgarage. Der Fluss hat glasklares Wasser und ist an der Stelle beim Haus kaum 30 cm tief. Er schlängelt sich in vielen idyllischen Kurven von einem recht großen See an unserem Haus vorbei um dann ein paar Meilen weiter (eine Meile Luftlinie, doch mehrere in Seemeilen) in den Lake Superior zu münden.

Ein Wasserparadies! Das Haus ist nicht ganz so liebevoll eingerichtet wie das erste und aufgrund der fehlenden Klimaanlage und der leichten Holzbauweise ist es super warm und stickig darin. Doch wenigestens gibt es überall Mückengitter so dass man nachts, wenn es denn etwas kühler werden sollte, die Fenster aufmachen kann. Ein weiteres Plus ist die Geräumigkeit, besonders das Erdgeschoss mit großer Küche und Wohnzimmer macht echt was her. Während Uwe und Marc gleich mal die Kayaks zu Wasser tragen und ausprobieren, fangen die treuen Küchenseelen gleich an, Salate, Gemüse etc. für das geplante Grillfest vorzubereiten. So brutzeln bald saftige Hähnchen, Burger, Champignons und Würstchen auf dem Holzkohlegrill – der ist natürlich auch schon dort vorhanden und darf genutzt werden. Wir verbringen einen super lauen, perfekten Abend, dass das Radler noch etwas lau ausfällt, ist auch schon der einzige Schönheitsfehler 😉

Die Krönung ist da noch die Beobachtung einer Horde von Truthahngeiern von unserem Privatsteg aus. Erst schweben mehr als 30 Exemplare mehrmals in großen Gruppen am Himmel vorbei, lassen sich vom Aufwind des Waldes tragen und sehen so aus, als genießen sie genauso wie wir friedliche Abendstimmung. Dann lassen sich die meisten auf der anderen Fluss-Seite in einer Baumkrone zur Abendbesprechung nieder. Als Petra Gabi auch noch eine Tasse Kaffee bringt ist der Abend endgültig perfekt 😉

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