15.07.2013: Von der Mosquito-Hölle ins karibische Paradies

Das warme Radler am Vorabend sowie die noch wärmere Nacht, die uns schlecht hat schlafen lassen (kühler wurde es erst so gegen 3 Uhr früh), verzögert das Frühstück heute Morgen. Tom wird ungeduldig. Es ist 9:30 Uhr und nach seiner Zeitrechnung ist der Tag eigentlich ja schon gelaufen, wir brauchen kaum mehr los.

Blick von unserem Schlafzimmerbalkon aus auf den See unter uns

Blick von unserem Schlafzimmerbalkon aus auf den See unter uns

Gut, dass wir ihn dann doch überzeugen, direkt nach dem Frühstück mit Gabi los zu ziehen. Wir haben beschlossen, heute familiengetrennt unser Glück zu suchen, was bei Familie R. immer etwas mit (Achtung, Ironie!) kleinem Einmal Eins, mehr Deutsch lesen, und (Ende Ironie) viel mehr Wasser zu tun hat. Bei Familie J. hängt das Glück dagegen stets von den richtigen Wanderschuhen und einem guten Plan ab. Nachdem wir also kurz im Besucherzentrum des Nationalparks den weiteren geschmiedet und auch in gedruckter Form erhalten haben, brettert Gabi schon entlang eines unbefestigten Feldweges. Wir haben uns todesmutig eine Wanderung mit Zielen herausgesucht, deren Namen allein eigentlich schon Warnung genug sein sollte: Mosquito Falls und Mosquito Beach. Bei schon brütender Hitze machen wir uns also auf den Weg, der uns zum Glück gleich in den etwas kühleren Wald führt. Und was für einer. Laubbäume und Lichteinfall, Moose und Farne verbreiten die verwunschene Stimmung, bei der Gabi am liebsten wandert. Dazu entengrützige Tümpel und ein munter vor sich hin plätschernder Bach, dessen Felsenbett moosbewachsene und fotogene Wasserstufen parat hält. Wenn nur nicht die dem Namen der Gegend alle Ehre machenden Schnaken wären Alles Autan dieser Welt vertreibt die nicht. Übrigens heißt das Autan der USA „Off“, doch diese Mosquitos können scheinbar nicht lesen und lassen NICHT von uns ab. Da hilft nur agressiv um sich schlagen und schnell weiter wandern. Solange man eine gewisse Grundgeschwindigkeit einhält, hält sich auch die Schnakenplage in Grenzen. Blöd nur, dass man dafür, wenn aufgrund einer Fotopause stehengeblieben wird, umso mehr schwitzt und äußerst anziehend auf die Blutsauger wirkt. Ein Teufelskreis, den Gabi zum Schluss mit einem Stechschritt zu entkommen versucht, der selbst Tom zu schnell wird.

Nachdem wir so kurzentschlossen die Wanderung ausgesucht hatten, sind wir ohne jegliche Erwartungen los getrabt. So ist allein der Weg für uns schon das Ziel. Die Vögel zwitschern, muntere Streifenhörnchen flitzen über den Waldboden und weit und breit außer uns keine Menschenseele. Kein Motorenlärm!

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Wir wandern entspannt vor uns hin als auch schon die Bäume weichen und der Mosquito River breiter wird – wir sind an der Mündung des Flusses in den Oberen See angekommen. Und was für eine Mündung! Das Wasser des Flusses fließt kristallklar über braunes Gestein in den nicht weniger kristallklaren Lake Superior. Links von uns ist der besagte Mosquito Beach, den wir eigentlich keines Blickes würdigen, denn rechts von uns beginnt eine atemberaubende Küstenlinie. Bestehend aus erodierten Schichten von Sandstein hat sich hier eine Abrisskante hin zum See gebildet, die alle paar Meter komplett anders aussieht. Wir haben unsere Schuhe ausgezogen und zurückgelassen und mal waten wir durch das badewannenwarme Wasser, mal laufen wir entlang auf heißem bröckeligem Sandstein, ein anderes Mal schwappt eine Welle des Lakes in die seichte Bucht, die uns daran erinnert, dass das Wasser des Sees eiskalt ist. Nur hier an der Küste hat es sich so weit aufgewärmt, dass – zusammen mit der türkisen Farbe – Karibikgefühle entstehen. Alleine die Schichtung des Sandsteins zu sehen ist schon toll, doch an einer Stelle entdecken wir eine versteinerte Schicht, die noch ganz deutlich die Riffelung des Sandes eines Seebodens aufweist. Wir reißen uns nur ungern von dieser Küste los – doch es wartet ja auch noch ein Rückweg auf uns.

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Im gewohnt forschen Gang sind wir in Nullkommanichts am Auto und entscheiden uns, auch noch ein paar Aussichtspunkte mitzunehmen, die bequem mit dem Auto erreichbar sind. Was für ein Zufall, am Miners Castle auch unsere Wasserratten zu treffen! Diese waren mit den Kayaks auf dem Fluss unterwegs, am Strand nahe unseres Hauses schwimmen und sind nun auf dem Weg zum Miners Beach. Die Wasserpause ist wohl nur eingelegt worden, um die Schwimmhautbildung zu vermeiden 😉

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Wir erklären uns bereit, für Grill-Nachschub zu sorgen und bereiten schon mal alles vor, damit die Wasserratten und wir den Energiebedarf mit leckerem Grillgut nachfüllen können. Diesmal gibt es auch frische Lake Superior-Forelle. Frischer geht es tatsächlich nicht mehr, beim Fischer gekauft der noch die Schlachtschürze trägt. Der Fisch, von Tom trotz der nur rudimentär vorhanden Gewürze perfekt gewürzt, schmeckt himmlisch! Wir genießen wieder außen, mit Blick auf den idyllischen Fluss unser leckeres Abendessen und das heute auch noch kühle Radler.

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Ein Kayakausflug im Licht der untergehenden Sonne für Tom, Uwe und Gabi zum See ist dann nur noch das i-Tüpfelchen an diesem wunderbaren Urlaubstag. Hach haben wir es gut!

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