16.07.2013: Wanderung zu Karibior

Heute ist ein ganz besonderer Tag. Uwe hat Geburtstag. Wir haben natürlich schon heimliche Vorbereitungen getroffen. Während Uwes morgendlichem Paddelausflug mit Tom schmücken Petra und Gabi ganz amerikanisch-kitschig das Erdgeschoss sowie die gestern erworbene und heimlich kühl gestellte Geburtstagstorte. Viele Kerzen und die 44 als Sternspeier werden gerade noch rechtzeitig in den Kuchen, Art „Bavarian Cream“, gesteckt als die Herren auch schon hungrig ins Haus stürmen. Die Überraschung ist gelungen! Uwe überlebt sogar unseren Gesang vor dem ersten Kaffee und wir hoffen, dass alle seine Wünsche beim Ausblasen der Kerzen bereits in Erfüllung gegangen sind ;-).

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Trotz des Extrastückchens Torte – halten wir uns heute nicht sehr lange beim Frühstück auf. Es soll heute wieder heiß werden und wir haben durch den gestrigen Tag so richtig Lust auf mehr Pictured Rocks bekommen, uns also für eine längere Wanderung entlang der Küste entschieden. Zu einem einsamen und fotogenen Wasserfall. So trennen wir uns auch heute von den R.s, denen wir gestern erfolgreich von Mosquitobeach vorgeschwärmt haben. Dort wollen sie auch hin. Verständlich! Also noch schnell ein Treffpunkt für den Nachmittag ausgemacht und ab geht die Post.

Wir wandern los von einem so gut wie leerem Parkplatz in der Nähe des Little Beaver Lake-Campingplatzes. Es ist wirklich traumhaft hier. Eine solch schöne Landschaft hatten wir uns im Traum nicht vorgestellt. Laub- und Nadelgehölz wechseln sich ab, bald ragen Felswände und –Höhlen wie in der Fränkischen vor uns auf, bald fühlen wir uns in eine trockene Steppengegend versetzt, laufen auf Sand, um uns herum nur niedrige Büsche. Dazu knallt stimmig die liebe Sonne auf uns herab. Dann wieder Szenenwechsel. Unglaublich wie schnell die Natur um uns herum wechselt! Links von uns dichter Nadelwald, recht von uns die felsige Abbruchkante zum See hin. Wir passieren mehrere einsame Strände. Das Wasser des Sees leuchtet türkisblau, die hellen Sandstrände sind makellos – als wäre man in der Karibik unterwegs. Man kann kaum seine Augen von der wilden, hinreißenden Küstenlinie lassen. Und das, obwohl der Boden durchaus anspruchsvoll ist mit Wurzeln, grob gehauenen Treppen, Sand und Bodenspalten. Dazu lenken noch Schnaken und Unmengen schwarzer, stechender Mücken ab, die erschlagen oder doch zumindest in regelmäßigen Abständen verscheucht werden müssen. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis Tom seinem Fluch erliegt und er mit dem Fußgelenk umknickt. Schmerzgeplagt hinkt er trotzdem weiter. Schließlich haben die einzigen Wanderer, die uns begegnen, gesagt es ist keine Meile mehr bis zu den Spray Falls. So nah vor dem Ziel aufgeben? Das kann Tom nicht zulassen. Als wir aber gefühlt bereits 2 km weiter gelaufen/gehumpelt sind und noch immer kein Wasserfall in Sicht ist, drehen wir schweren Herzens um. Wer weiß wie schnell der Fuß noch weiter anschwillt – und außer einem Boot gibt keine Alternative von dieser Wildnis heraus in die Zivilisation zurück zu kommen!

Trotzdem erfüllt Tom Gabi ihren Wunsch und wir halten am einzigen leicht erreichbaren der Traumstrände – bei den anderen hätten wir erst Klippen hinunter klettern müssen. Gabi will nämlich endlich der trügerischen Karibikfarbe des Wassers nachgeben und Baden gehen! Kaum nähern wir uns dem Strand, schon sind wir umzingelt von einem wahren Schwarm dieser widerlichen schwarzen Stechfliegen. Sie haben die Größe und Penetranz unser gewöhnlichen Stubenfliege, doch obendrein stechen sie einen noch fies. An einen gemütlichen Badegang ist hier also nicht zu denken. Also schnell die Hüllen fallenlassen und rein in das glasklare Nass. Auch Tom begleitet Gabi zumindest bis zu den Knien – erstens meiden die doofen Fliegen die Feuchtigkeit, zweitens kühlt das eisige Wasser seine strapazierten Sehnen. Yep. Eisig!!! Aufgeheizt wie wir vom wandern sind, ist der See mehr als nur eine Erfrischung. Insbesondere wenn man etwas weiter hinein läuft und sich den kalten Wellen in den Weg stellt. Doch was hilft das Jammern? Jetzt gibt es kein Zurück meeeeehhhhr! Auch wenn das Bad keine 3 Minuten gedauert hat und es keine 30 Schwimmzüge waren: Es hat sich eindeutig gelohnt, Gabi kann immerhin nun stolz sagen: „I did it“! Kurz nach dem Strand kommt uns ein Pärchen entgegen, eindeutige Strandgänger von ihrer Kleidung und Ausrüstung zu urteilen. Sie fragen uns nach dem Strand und den Mücken dort. Als wir wahrheitsgemäß antworten, stöhnen sie auf. Die Mückenplage gibt es anscheinend an vielen der einsamen Strände, sie haben einige bereits heute versucht und geben nach unserem Bericht entmutigt auf.

Als wir am Miners Strand ankommen, türmen sich schon gefährlich aussehende Wolken am Himmel. Uwe und Marc tummeln sich im Wasser, als auch schon die ersten Blitze am Horizont herab stechen. Bereits bevor sich Gabi noch dazu entschließen kann, ebenfalls wieder in den Schwimmdress zu wechseln, fallen schon die ersten schweren Regentropfen und wir entscheiden uns für eine Pause im Ferienhaus.

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Am Abend, es hat wieder aufgeklart und wir sind nach einem ausgiebigen Resteessen , komplettiert duch leckeren Räucher-Whitefisch aus der gleichen Fischerei wie gestern, pappsatt und wären bereit, uns bequem zurückzulehnen. Doch das kommt nicht in Frage, denn Tom hat für seinen besten Freund eine kleine Hürde zwischen ihm und den 2. Teil seines Geburtstagsgeschenkes geplant: Ein Spiel, bei dem wir alle anderen als Mitspieler auserkoren sind. So werfen Uwe und Marc also um die Wette so genau sie können, qualmen die Köpfe von Petra und Uwe über einem cineastischen Ratequiz und paddeln Gabi und Uwe rückwärts! um die Wette. Uwe ist auf der Gewinnerspur und darf bald darauf stolz seine erste eigene Disc Golf-Disc in Empfang nehmen. Danach zündet Uwe schnell das Marc versprochene Lagerfeuer an, mit dessen Hilfe wir die Marhmallows für unsere S’mores bräunen. S’mores sind DER amerikanische Nachtisch fürs Lagerfeuer oder den Grill, traditionell aus Marshmallows, Graham Crackers und Schokolade hergestellt. Man, ist so ein Feuer heiß! Nachdem Tom wohl alle Haare an seinen Beinen verloren hat, verziehen wir uns ins Haus zurück wo wir den letzten Abend unseres Urlaubs mit philosophieren über die digitale Zukunft ausklingen lassen.

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