18.08.2013: Luftikusse, Musikusse, Fleischgenüsse

Ich bin ja so gar nicht für meine Spontanität bekannt. Als wir am Sonntag morgen losfahren, habe ich also eine bestimmte Tagesplanung abgesteckt: Erst ins Museum of Science and Industry, dann ein Konzert im Jay-Pritzker Stadion. Doch als wir näher in die Stadt kommen, fallen uns die Verkehrsinformationen auf, die an den digitalen Anzeigen blinken: Hinweise auf die Parksituation anlässlich der Air & Watershow. Was, die ist heute??? Die letzten 2 Jahre haben wir die Stadt an dem Wochenende der von der Stadt Chicago veranstalteten, kostenlosen Flugshow vermieden, denn die Stadt ist dann voll und Parkplätze Fehlanzeige. Die Show ist immerhin die größte ihrer Art in der USA – das will was heißen! Während ich noch überlege, ob die Veranstaltung unsere Pläne irgendwie berührt, hat Tom sich bereits auf die neue Situation eingelassen. Flugshow? Moment mal, ich hab doch meine Kamera dabei? Juhu! Nichts wie hin.

So befinden wir uns Sekunden später auf der Ausfahrt zur Stadtmitte. Wir finden aufgrund der Morgenstunde auch locker einen Parkplatz und stürzen uns (mittlerweile habe ich mich von der Spontanität erholt) munter ins Getümmel. Mehr oder weniger durch Zufall (wir folgen einfach den Menschenmassen) finden wir zu dem Strand, an dem man die beste Aussicht auf die Luftakrobatik hat. So setzen wir uns auf eine niedrige Mauerabgrenzung und beobachten das Treiben in der Luft, am Strand und auch im Wasser. Es ist ja auch heute wieder sehr warm und der ein- oder andere Chicagoer kühlt sich da schon mal im Lake Michigan ab. Der Strand ist dicht bevölkert mit Schaulustigen, das Publikum genauso bunt gemischt und zum Teil so gut ausgerüstet wie in Nürnberg beim Klassik Open Air. Nur dass hier Kühlboxen auf Rollen wesentlich mehr gefragt sind 😉 Straßenverkäufer bieten Hot Dogs, Eis und natürlich aufblasbare Flugzeuge an, die tatsächlich gut nachgefragt werden. OK, ich erzähl auch was über die echten Flieger 😉 Obwohl die Teilnahme von militärischen Flugzeugen und Booten aufgrund von gekürzten Bundesgeldern diesmal unterbleiben muss, haben die Stadt und natürlich viele Sponsoren genügend private Teilnehmer aufgetrieben, um kinnladen-offenstehende Effekte bei den Zuschauern zu bewirken 😉 Waghalsige Stunts, Loopings und Abgasgemälde begeistern uns und Tom überbeansprucht mal wieder seine Zeigefinger-Muskulatur, um den perfekten Augenblick auch festzuhalten. Nach einiger Zeit checken wir auch die Lage am Navi-Pier. Von dort sieht man nicht so gut, aber Tom kann doch noch einige schöne Fotos schießen.

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Als es uns zu heiß wird, laufen wir durch die Innenstadt zum Millenium Park. Dort sind wir zwar etwas früh, können dafür einen Schatten-Sitzplatz in den vordersten Reihen ergattern. Chicago ist in kultureller Hinsicht wirklich spitze und bietet viele auch kostenfreie Sommerkonzerte an. Die Symphoniker und Gastmusiker aus verschiedensten Genres spielen im Jay-Pritzker Stadion, im Grant Park und auf kleineren Bühnen an allen Wochenenden von Juli bis in den September hinein. Ich habe natürlich im Vorfeld recherchiert um Musikliebhaberin Anne ein Konzert bieten zu können. Heute gibt es ein Gemeinschaftskonzert eines Jugend-Symphonieorchesters (Midwest Young Artists) mit der Lang Lang Stiftung.

Schon wieder bleibt einem nur der Mund offen stehen, diesmal aufgrund der tollen Musik und der Ausdrucksstärke der zum Teil nur 10-jährigen Pianosolisten! Wir lauschen gebannt und sind schwer beeindruckt. Da spielt doch ein Mädchen, das sich letzte Woche an der linken Hand verletzt hatte nur mit der rechten Hand ihr Solostück, während ein junger Musikerkollege „spontan“ vor nicht mal einer Woche entschieden hat, für sie die linke Hand zu spielen. Und das mit einer Professionalität und Perfektion dass uns die Ohren (im Takt) schlackern. Respekt!

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Wir haben mal auf Youtube gesucht, und leider kein Video von diesem Auftritt gefunden *Ohhh*, aber von dem der jungen Pianisten ca. 10 Monate vorher in derselben Location *Ahhh*

Um einen so schönen Tag perfekt abzurunden, fehlt nur noch – genau, wieder leckeres Essen. Tom möchte bei einem Barbecue-Joint vorbeifahren. Darunter versteht man eine meist etwas heruntergekommene Imbissbude, die BBQ Fleisch anbietet. Doch nicht schnell gegrillte Burger oder Würstchen, sondern diese haben langsam gegartes Fleisch im Angebot, das stunden- bzw. tagelang in sogenannten Smokern im aromatischen Rauch getrockneter Hölzer vor sich hin geschmort hat. Das ergibt ein sehr saftiges, zartes Fleisch, das dann in Scheiben geschnitten oder in Fasern zerrissen wird und als Sandwich serviert wird, wahlweise mit Beilagen wie Bohnen oder Pommes. Beliebt sind Schwein (pulled pork) oder auch Rind  (z. B. brisket). Soviel zur Theorie – doch die macht ja leider nicht satt! Blöd nur dass Tom durch die Schlange, die vor dem Restaurant steht, entmutigt wird. Müssen wir hungrig heimfahren? Nein! Diesmal bin ich diejenige, die den entscheidenden Impuls gibt und entscheidet, jetzt einfach mal aus zusteigen und sich ins Getümmel zu stürzen. Wir drei sind einhellig der Meinung: Das Warten hat sich wahrlich ge..schmatz!!!

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