19.-20.08.13: Erst Fiction und dann Science

Nach soviel Kultur gehen Anne und ich den Montag etwas langsamer an, während Tom (vermutlich um sich von uns zu erholen) ins Büro abhaut. Zu einem leckeren Lunch sind wir mit Ivy verabredet. Der erste Härtetest für Annes englisch, denn es ist schon ein Unterschied zwischen schulbritisch und mit chinesischem Akzent gesprochenem amerikanisch. Selbst ich habe am Telefon immer noch Schwierigkeiten, alles zu verstehen – doch Anne meistert auch diese Herausforderung spielend. Charmant erobert sie Ivy und deren kleine Tochter und findet beide entzückend und das reichliche chinesische Mahl sehr lecker. Ivy: „Nur ein bescheidenes Essen für Freunde – nehmt euch bitte mehr“. Das lässt sich Anne nicht 2x sagen… Schon toll ein so liebenswürdiges Patenkind auf der einen Seite und eine ebenso liebe Freundin auf der anderen Seite vorzeigen zu können 🙂 GIG! (Gabi ist glücklich!)

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Wir schaffen es nach dem Treffen gerade rechtzeitig ins Kino. Mittlerweile bin ich total unbesorgt – Anne kommt auch bei einem Film mit, keine Frage. So ist es, wir gucken „We are the Millers“. Der ziemlich vorhersehbare Plot ist kein cineastischer Höhenflug, doch die Komödie ist gerade richtig für eine Halbwüchsige mit ihrer jung gebliebenen Patin ;-D Wir kichern, zucken mitfühlend als die Spinne im Hosenbein des Opfers verschwindet und amüsieren uns überraschend gut während eine Fake-Familie versucht, einen Wohnwagen voller Marihuana in die USA zu schmuggeln. Total erledigt von den ganzen Lachern holen wir nach dem Kino meinen Gatten von der Arbeit ab. Zuhause angekommen, lernt Tom Anne wie man Guacamole zubereitet. Außerdem zaubern die beiden leckere Nacho-Quesadillas. Also liebe Wilhermsdorfer – Anne in die Küche und eine Margharita kalt stellen und schon steht künftig einem mexikanischem Abend nichts mehr im Wege! 😉

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Am Dienstag müssen wir aufholen. Hatten ein paar Flugzeuge doch meinen Plan für Sonntag durcheinander gebracht – also machen wir uns am Dienstag auf ins Museum of Science and Industry (Museum für Wissenschaft und Industrie). Schon seitdem wir in die USA gezogen sind, will ich dorthin. Da das Museum aber etwas abseits liegt, hatten wir es bisher nicht geschafft. Da muss halt Anne kommen um mich mitzuziehen. So fahren wir erst mit der Bahn in die Innenstadt, dann mit dem Bus bis zum Museumsgelände. Dieses liegt deutlich südlich, nicht unweit von den etwas bis sehr dubiosen südlichen Stadtteilen Chicagos. Randbemerkung: Es ist traurig, dass man die Richtung, in die der Bus fährt schon daran erkennt, dass wir so ziemlich die einzigen Weißen im Bus sind… Wie auch immer – wir stehen bald vor dem riesigen Museumsgebäude, die Internetseite des Museums wirbt immerhin damit, dass das Museum das größte Wissenschaftsmuseum der westlichen Hemisphäre ist. Obwohl groß ja nicht immer unbedingt gut heißen muss, heißt es in diesem Fall gigantisch gut! In den großen Eingangs- und Mittelhallen hängen ganze Flugzeuge, es stehen Eisenbahnen herum und es fahren Modelleisenbahnen durch Miniatur-Chicago und -Seattle. Eine Mitarbeiterin führt live Physik/Chemieexperimente durch, an der nächsten Ecke kann man sich in einen Wirbelsturm stellen oder in eine Art Telefonzelle, wo man einen 80 Meilen pro Stunde- Sturm „anwählen“ kann um von diesem dann live durchgeschüttelt zu werden. Überall wimmelt es nur so von interaktiven Ausstellungsstücken, hier darfst man mitmachen, anfassen und kann Geschehnisse beobachten anstatt nur Glaskästen zu betrachten. Wir sind begeistert!

Anne´s Höhepunkt ist die analog „Körperwelten“ angelegte Sonder-Ausstellung mit Tierskeletten und Tieren, bei denen Muskeln und/oder die Blutgefäße präpariert wurden. Klingt eklig, ist aber äußerst faszinierend und weckt in uns neben Bewunderung der so vielfältigen und beeindruckenden Tierwelt auch Wissensdurst. Besonders Anne liest jede erläuternde Tafel und studiert jedes noch so kleine Exponat. Wir können uns nur schwer losreißen – doch schon bald wartet ja schließlich unsere Führung durch ein deutsches U-Boot. Die U 505 wurde 1944 von den Amerikanern geentert und ist seit 2005 im Museum zu besichtigen. Wir erleben eine zugegebenermaßen mit Geräuschkulisse und Vibrationen sehr amerikanisierte, doch wirklich spannende Führung. Selbst die knappe halbe Stunde in dem U-Boot mit nur 10 anderen Leuten führt bei uns zu Beengtheitsgefühlen. Kaum vorzustellen es dort 60 Tage auszuhalten und mit 59 weiteren, die ganze Zeit über ungewaschenen Kameraden die verbrauchte Luft und die wenigen Kojen zu teilen. Eine Ausstellung um das U-Boot herum komplettiert die Darstellung des Themas, inklusive der Schicksale der Crew sowie Museumsmitarbeitern, die einem das Periskop erklären und von der Überlegenheit deutscher Technik bis zum heutigen Tage erzählen. Wir versuchen so wenig wie möglichen zu sagen (obwohl er uns direkt anspricht) um in diesem Augenblick ja nicht als Deutsche geoutet zu werden. 😉 Dieses Museum ist wirklich spitze!

Obwohl wir schon ziemlich müde sind, versuchen wir noch, einen Einkaufs-Auftrag von Tom auszuführen. Fehlanzeige, seine gewünschten Artikel sind nicht zu kriegen. Wir trösten uns mit einigen im Stadtkern zu bewundernden Skulpturen und Hochhäusern berühmter Künstler und Architekten und dann geht es – inmitten aller Pendler – mit der Bahn wieder zurück ins (im Vergleich zu Chicago) beschauliche Buffalo Grove. Wer kann schon sagen wer hier müder ist, die fleißigen Arbeitsbienen oder wir? Ich meine, wir haben soviel Eindrücke und Wissen aufgesaugt an diesem Tag, dass auch wir zufrieden in unser wohliges Nest zurück schwirren dürfen… 😉

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