24.08.2013: Schluss mit Urlaub, auf geht’s in den Urlaub

Von Tom, der eine super super stressige Arbeitswoche durchlitten hat (da hilft es auch nicht am Abend zu erfahren, dass Gabi und Anne tagsüber mal wieder am Strand oder shoppen waren), die ganze Woche herbei gefiebert, ist es am Samstag endlich soweit: Wir fliegen in den Urlaub. Mal wieder 😉 Für Anne ist es eher vom Urlaub in den Urlaub. Wie auch immer, der Start ist zumindest für die Damen viieel zu früh, der Wecker klingelt um 5 Uhr. So ist es kein Wunder, dass Anne zum Taxifahrer gleich „Dankeschön“ statt „Thank you“ sagt – was zu einer gnadenlosen „Ich bin Deutschkenner“ Taxifahrt führt, inklusive Bratwürsten, Oktoberfest und Fußball als Gesprächsthema und Klassik im Radio als Ratespiel (Bach) für Anne wird. Dagegen ist der Flug total ereignislos und dank einem schon bezugsfertigen Hotelzimmer sind wir super flott mitten drin im regen Treiben der „Emerald City“. Da treibt sich ziemlich viel herum – wie uns der Taxifahrer mitteilt, sind an diesem Samstag 3 Mega-Kreuzfahrtschiffe im Hafen. Da mischen wir uns also auch noch mit drunter ,-)
Dank Gabi’s guter Vorbereitung haben wir natürlich einen Plan. Heute ist der Pioneers Square darauf. Wir sichern uns gleich Tickets für die 3 Uhr Nachmittags-Underground Tour, von der Tom schon viel erzählt hatte und der in jedem Reiseführer als „must“ (muss) empfohlen wird. Doch das ist nicht alles was es am und um den Pioneers Square herum zu sehen gibt. Backsteingebäude, efeu-überwucherte Fassaden und Galerien zeichnen diese Gegend aus. In manchen Ecken leider auch Penner, Halbdebile und Besoffene. Hier sieht man schon mal jemanden mit heruntergezogener Hose auf einen Parkplatz kacken oder mit einer Mülltonne diskutieren. Wir schlängeln uns also durch zu einem unscheinbaren Gebäude, einem ehemaligen Hotel, dass wir eigentlich nur dank unseres Navis und der unschlagbaren „hier müsste es eigentlich sein“-Methode finden. Hier ist ein gut verstecktes Museum über den Goldrausch in Seattle. Wir stolpern in die Anfänge einer kostenlosen Führung zur Geschichte von Seattle, aufgezeigt an verschiedenen prägenden Ecken des Stadtviertels. Wir erfahren, dass die ersten Siedler erst 1851 hier an der Westküste gelandet sind, dass, wie in Chicago ein großer Brand eine 2. Chance für die Stadtentwicklung ergab und dass Goldfunde in Alaska schließlich zumindest den Stadtbewohnern Reichtum brachten – wenn schon nicht der Mehrheit der Goldschürfer. Kommentar Tom „Jetzt driftet die schon wieder in die Geschichte ab“. Gabi: „Unsere Leser wollen doch auch was lernen im Zusammenhang“. Anne: „Denen ist eh nicht mehr zu helfen“ 😉 Gabi bleibt dabei: Etwas Bildungsblog muss sein 😉

Glückskinder wie wir sind, scheint bei allem sogar noch die liebe Sonne. Das ist nicht selbstverständlich für Seattle, wie wir bald erfahren sollen. Unser Führer strahlt mit der Sonne um die Wette. Er ist hier ehrenamtlich tätig und mit einem Elan und Wissen ausgestattet, das uns förmlich mitreißt. Weil wir gerade über Elan reden: Wir müssen uns irgendwann ausklinken, um rechtzeitig zu unserer 2. Tour des Tages zu erscheinen. Dort werden wir und eine unendliche Menge weiterer Besucher von einer jungen Angestellten begrüßt, an der man klar den Schaden von viel zu viel zu viel zu viel Koffeingenusses erkennen kann. Mein Gott ist die aufgedreht. Hier lernt Anne die Grenzen ihrer Englischkenntnisse kennen. Bei der in Schnellfeuergewehrgeschwindigkeit hervorgebrachten Aneinanderreihung von Liedern, Geschichten, Witzen, bildlichen Vergleichen und anzüglichen Andeutungen bleibt sie mit ihrem Schulenglisch schnell auf der Strecke. Nichts gegen Annes Schulenglisch, aber ist es nicht traurig dass „Seamstresses“ (eigentlich „Näherin“) noch nicht im Stundenplan stand, ob jetzt mit oder ohne korrekter Übersetzung: „Freudendame“ … 😉

Die Underground Tour führt uns in die Keller der um den Pioneer Square gelegenen Gebäude, genauer eigentlich in die damaligen Erdgeschosse. Nachdem das Gefälle der Fäkalienableitungen nicht steil genug war, ist den Bürgern offensichtlich vorher immer wieder die Sch… zurück in die Schüssel – und wenn man den Geschichten glauben darf – auch darüber hinaus geschwappt. So hat man die Straßen einfach eine Etage angehoben, was das Problem des Gefälles gelöst hat, nur waren jetzt die Gehsteige einen bis zwei Stockwerke zu tief. Eine Straßenüberquerung sah also in etwa so aus: Mit Mieder und Kleid bekleidet, in beiden Armen die Einkäufe, geht es also eine schmale Leiter vom Gehsteig auf das Straßenniveau, dann über die dreckige Straße und auf der anderen Seite wieder hinunter – immer der von oben regnenden Pferdepisse ausweichend. Deshalb hat man irgendwann mal auf Straßenniveau die Gehsteige neu gebaut und die Geschäfte sind auf das neuen Straßenniveau umgezogen. So ist hier eine „Unterwelt“ aus verstaubten Kellergeschossen entstanden, durch die uns die Führung mit interessanten und witzigen Geschichten führt. Unsere Schnellfeuerwaffe von der Einleitung haben wir durch einen jungen Burschen ersetzt gekriegt, der die Führung allerdings auch nicht zum ersten Mal macht.

Kaum ist die Führung vorbei, wandern wir auch schon zurück zu einer tollen backsteinernen Ladenpassage, die wir vorher bei der Stadtteilführung im Schnelldurchlauf durchstochen sind, leider nur um festzustellen, dass sie Sonntags tatsächlich schon um 16 Uhr schließen. Der Untergang der Zivilisation (oder zumindest des Konsums) steht unmittelbar bevor! Mit letzter Kraft flüchten wir uns in den Laden der Rocky Mountain Chocolate Factory, wo wir allerdings mit nur einem blauen Auge (in Form eines schokoüberzogenen Marzipanballes) davon kommen. Zu dritt geteilt ist das wirklich nur das bisschen Energie das wir brauchen, um uns einen Wasserfallpark in der Mitte der Stadt anzuschauen und dann uns zu unserem Wassertaxi zu trollen.

Unser Ziel ist West-Seattle, genauer Salty’s at Alki Beach, ein Fischrestaurant mit dem wohl besten Blick auf die Innenstadt von Seattle. Die Überfahrt führt uns an Trockendocks und einem großen Hafen vorbei und ist allein schon ein Erlebnis für sich. Wir steigern dieses aber durch einen – natürlich vorher extra reservierten – Sitzplatz mit Aussicht und unglaublich leckerem Fisch. Selbst Anne´s Fish & Chips sind Extravaganz pur. Anne wird immer mutiger und futtert sich auch durch das Vorspeisentrio. Um es abzukürzen: Wir rollen zur Fähre und diese mit Schlagseite zurück zur Innenstadt. Das war ein toller Urlaub… Oh wart’ mal, das war ja gerade mal der erste halbe Tag 😉

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