26.08.2013: Brückentrolle und viel grün

Unser letzter Morgen in Seattle. Wir holen uns Cheese Sandwiches von Beecher’s und den unausweichlichen Starbucks-Kaffee beides natürlich am Pike Place Markt. Nachdem es seit einem Jahr ein fest installiertes Riesenrad auf einem Pier gibt, steigen wir die vielen Stufen vom Markt bis auf Pier-Level hinab. Wieder sehen wir unterwegs moderne Skulpturen und Wasserfall-Installationen. Weniger gefällt uns die Häufung an Obdachlosen und der ständige Geruch nach Pisse. (Gabi: „Das musst Du netter umschreiben, der Begriff gefällt mir gar nicht“). Also Outdoor-Toiletten mit starkem residualem Geruchsspektrum.

Keuchend zurück im Markt hat doch tatsächlich schon Uli seine Bude geöffnet, und Tom kommt nach Jahren von Schaufenster-Nase-platt-drück-und-Wasser-im-Mund-zusammengelaufe endlich zu seinen 3 im Weckla. Die Wurst ist sehr lecker, doch selbst für Tom (der Senf über alles liebt) ist das deutlich zu viel Löwensenf, der da das Brötchen schwemmt. Dann nähern wir uns auch schon der 11 Uhr Marke, so dass wir aus dem Hotelzimmer auschecken, Anne mit dem Gepäck in der Lobby zurück lassen und uns per Pedes auf die Suche nach unserer Autovermietung machen. Dort „ziehen“ wir einen VW Passat – hat man uns den Deutschen etwa angemerkt? Im Halteverbot vor dem Hotel beladen wir diesen in aller Eile und vermeiden nur knapp ein Strafticket von der heran nahenden Falschparkerverkehrskontrolle (ja, so ein Wort geht auch nur im Deutschen).

Endlich mobil! So geht es erst mal in den nördlich der Innenstadt gelegenen hippen Stadtteil Freemont, wo wir Teile einer im Reiseführer beschriebenen Walking-Tour abstiefeln. Noch mehr Kunst, z.B. ein 5.5 Meter hoher Troll, der unter einer Autobahnbrücke „lebt“ – aus Lehm oder so, mit einem alten VW Käfer unter seiner linken Pranke und einer Radkappe als Auge – die Anwohner werden den Künstler wohl verfluchen, denn seitdem ist ihre Wohngegend in der sich der Troll aufhält, zum Verkehrschaos geworden. Eine Lenin-Statue, eine Rakete, geschmückte Personenstatuen (die für immer auf den nicht mehr kommenden Bus warten) und schon finden wir uns im Kellergeschoss bei Dusty Strings wieder. Eine Mega-Ansammlung von Gitarren und überhaupt allem was Saiten hat, haben könnte oder dringend bräuchte. Wir kommen mit drei Plektrons als Mitbringsel billig davon.

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Zurück zum Auto und ins Navi den nächsten Stopp eingegeben, den Gasworks Park. Naja, hätten wir mal vorher nachgeschaut, hätten wir auch dort hin laufen können. Doch so fahren wir halt die paar hundert Meter, man passt sich ja an. Der Park ist an einer Bucht gelegen und bietet nicht nur einen phantastischen Blick auf die Innenstadt, sondern auch ein überwuchertes Gaskraftwerk. Wo anders reißt man so was ab, hier wird es zum Ausstellungsstück. Wer Tom kennt: Er liebt die Kombination aus verfallenden Industrieanlagen (Gabi: „Gerümpel“) und der Natur, die sich wieder ihren Raum zurück erobert.

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Letzter Stopp in Seattle ist der Volunteer Park, der uns erst einmal einen herben Rückschlag mit der Tatsache versetzt, dass das Conservatory (Glaskuppeln mit Pflanzen wie in Lincoln Park) Montags geschlossen ist. Doch auch die Beete von hunderten von Dahlienarten sind ebenfalls toll anzuschauen und wir besteigen auch noch den Water-Tower. Wir werden einmal mehr mit tollen Blicken auf Seattle belohnt. Es folgt eine letzte kurze Rast auf den Wurzeln eines überdimensionierten Tuja, wo wir mit einem Eichhörnchen schäkern und einige Weintrauben essen. Gabi artikuliert, was wir alle denken: „Dies ist der friedlichste Ort in ganz Seattle“.

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Danach geht es im stockenden Verkehr nach Norden bis Mt. Vernon, wo wir heute Nacht in einem Motel (Days Inn) Unterschlupf beziehen. Das ausgesuchte Abendessen bei einer mexikanischen Taqueria ist nicht nur phantastisch, sondern auch noch fast lächerlich billig. So lassen wir nach einem Einkauf im Safeways den Tag bald ausklingen – morgen geht es sehr früh los, wann verraten wir das nächste Mal. Lest auch morgen weiter wenn ihr Zombi-Gabi sagen hören wollt: „Ich will meinen Kaaaafffffeeeeeeeee!!!!“

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