29.08.2013: „Blue sky would be like cheating“ (Blauer Himmel wäre wie betrügen…)

Der heutige Tag beginnt grau und eher düster. Die reichlichen Pancakes, Eier und Speck hellen da schon die Mienen unserer Damen auf. Wir haben auch heute wieder Abenteuer pur geplant, daher wollen wir gestärkt sein dafür! Nach dem Schwimmen mit den Walen von gestern wollen wir heute mal feststellen, wie Robinson Crusoe sich gefühlt haben mag. Vor unserer Insel ist eine kleine Insel ohne Straßen und Bevölkerung vorgelagert. Sucia Island ist nur mit dem Boot oder Wassertaxi erreichbar. Letzteres haben wir gecharterd und hoffen, dass es uns auch wieder am späten Nachmittag abholen wird. Ganz so einsam wie wir gedacht haben, ist die Insel dann aber nicht, gibt es doch hier einige Campplätze, Plumpsklos und sogar zwei Holzhütten mit Picknicktischen – das alles allerdings auf etliche Kilometer Länge verteilt. So sehen wir hier zwar heute Leute, aber nur dann, wenn wir uns in der Nähe der Buchten (wo wenige Segelboote ankern) oder Campplätze (die auch eher spärlich besucht sind) befinden. An Wochenenden im Sommer soll es hier „rund gehen“. Heute jedoch ist Donnerstag und es nieselt. Mal regnet es auch. Oder der Nebel nässt einfach – alles in allem ein ideales Wanderwetter für Hartgesottetene und Banana Slugs. Und wohl auch für uns?! Gabi: „So sagt man eben wenn es schifft und windet und man 6 Stunden hat bis das Wassertaxi wieder kommt. Ich bin ja aus Zucker und Sonne bei einer milden Brise wäre MIR lieber gewesen“. Aber wie der Kapitän eines anderen Bootes am Pier des Wassertaxis meinte: „This this my favorite weather. This is honest. Everything else would feel like cheating“…

Die Banana Slug, das Wappentier der Gegend...

Die Banana Slug, das Wappentier der Gegend…

Zugegebener Maßen sind die einsamen Strände mit ausgehöhlten Felsformationen und der Küstentrampelpfad toll. Von dort aus geht es entlang der Küstenlinie der lang gestreckten Insel für weitere drei Meilen zu einer einsam-romantischen Bucht. Der Weg ist so, wie ihn der gemäßigte Individualist liebt: Immer bergauf-, bergab, mit Natursteinplatten, viel Wurzelwerk und noch viel mehr Aussicht. Diese rot-gelben Madronasbäume gibt es hier auch zu hauf. Die sind schon allerliebst anzuschaun, vor allem wie sie da so leuchten in der Nässe.

DSC_4541

Wir brechen den Versuch ab, in der romantischen Bucht den mitgebrachten Lachs und die Landjäger zu verzehren (ja, da stand wirklich auf der Packung „Bavarian Landjaeger“ drauf). Die Bucht ist ziemlich ungeschützt und es windet hier stärker und peitscht uns den leichten Regen ins Gesicht. So geht es erst mal ein gutes Stück zurück und wir suchen Unterschlupf in einer der beiden besagten Hütten. Weniger romantisch, dafür trocken und ziemlich windgeschützt. Auf dem weiteren Rückweg zum Bootsanleger kommt sogar die Sonne heraus, was allerdings nur kurz anhält und gleich danach durch heftigen Wind und Regen abgelöst wird.

Die traumhafte, doch leider zugige und feuchte Bucht am Endpunkt unserer Wanderung

Die traumhafte, doch leider zugige und feuchte Bucht am Endpunkt unserer Wanderung

Zuvor erreichen wir aber noch die Fossilbucht. An deren Strand suchen wir noch nach, wie der Name schon vermuten lässt, Brombeeren. Neeeein. Fossilien natürlich! Die Küstenlinie ist hier aus Mudstone, was kein Stein, sondern eher festgebackene Matschepampe ist. Anne klärt uns dann auch auf: „Bei diesem Stein können gar keine Fossilien entstehen“. Gut, dass wir einen Schlaubischlumpf mit von der Partie haben 🙂 So finden wir hier nur jede Menge in den Schlamm eingeschlossene Muscheln (vielleicht schon seit 6 Millionen Jahren), aber eben außer einem versteinerten Blattabdruck (den Gabi findet) keine wirklich coolen Fossilien. Und selbst das Blatt können wir nicht mitnehmen, weil daran die Insel befestigt ist.

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Um 3:30 Uhr soll das Wassertaxi da sein, doch pünktlich zu dieser Zeit beginnt es zu stürmen und stärker zu regnen. Es wird 4, … hat man uns vergessen? Ist vielleicht die Welt untergegangen und wir sind die letzten Überlebenden auf dieser abgelegenen Insel? Doch um 4:15 Uhr kommt es dann – wenn auch in einem etwas größeren Boot. Unser Chauffeur erklärt uns dass der Sturm wohl außerhalb dieser Bucht noch heftiger gewesen sein muss und dass die kleine Nussschale, die uns hergebracht hat wohl den Wellen nicht widerstanden hätte. Wir werden zwar etwas durchgeschüttelt, kommen aber gut im sicheren Hafen im Norden von Orcas an.

Wir haben alle Hunger und unsere Lektion gelernt. Deshalb geht es gleich zum Abendessen. Wir nutzen die ach so leckere Pizzeria (Empfehlung unserer Wirtin), die sich als passabel herausstellt. Zumindest sind die fluffigen Käserundelle heiß, gut belegt und mehr als reichlich. Zurück im B&B lassen wir unseren letzten Abend hier gemütlich ausklingen. Wir sitzen im Wohnzimmer, genießen die Aussicht, trinken Wein und Hard Lemonade und schreiben Tagebuch…

Irgendwie fühlen wir uns heute wie Bilbo: „Out and back again…“

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