11.10.2013: Vom Shutdown und versteckten Schätzen

Eigentlich steht ja der Urlaub unter einem schlechten Stern, denn aufgrund der kompromissbereiten amerikanischen Regierung sind schon seit Tagen neben Regierungsbehörden auch alle Nationalparks in den USA geschlossen. Durch den Haushaltsstreit wurden die schönsten Landschaften der USA als Geisel der Regierung (oder der Opposition – wer weiß das schon so genau) genommen. Doch nach anfänglichem Gegrummel und etwas Internetrecherche haben wir statt Panik einen Plan – wir haben ja von den Nationalparks in Utah schon viel gesehen und können uns dank der Regierung jetzt mal auf die Geheimtipps konzentrieren!

So stehen wir am Beginn des ersten vollen Urlaubstages also wider Erwarten vor einem übervollen Tagesplan, den angedacht sind: Eine tolle Felsformation namens Nautilus Rock, nochmal in den Antelope Canyon (das ist der mit den tollen Farben zur Mittagszeit – der gehört den Indianern und die haben eh kein Geld, also freuen sie sich über Eintrittsgelder), Horse Shoe Bend ohne Gegenlicht, die Cottonwood Road mit verschiedenen Stopps und Wanderungen. Alles zusammen nebst der Fahrstrecke ein Programm für einen normalen 40 Stunden Tag. 😉 Also mal gucken…

Tom genießt zum Frühstück einen halben kalten Beef Burrito – Bohnen zum Frühstück, dazu kann Gabi sich nicht überreden lassen. Doch in St. George gibt es einen letzten guten Cappuccino, da ist alles andere fast nebensächlich. Gut gelaunt geht es also für uns ins Unbekannte, doch immer Richtung Wüste. Am Straßenrand sehen wir eine riesige Herde von Rehen. Zuerst glauben wir an eine Zucht, denn wir sehen Zäune. Später sehen wir ein Schild, das erklärt, dass die Zäune die Viecher davor bewahren sollen, unkontrolliert über die Straße zu rennen. Was es nicht alles gibt…

Bald biegen wir auf die erste Sandpiste des Urlaubs ein. Der „Parkplatz“ für den Nautilus Rock ist das Ende einer durch einen Wash (ausgetrocknetes „Sturzflut“-Flussbett) unpassierbaren Straße. Wir folgen den Flussbett in die Einsamkeit der Wüste. Nach kurzem Spaziergang schon kommen wir an Navajo-Sandstein (so benannt nach den in der ganzen Region früher ansässigen Indianer). Der Nautilus Rock strahlt uns weiß entgegen in seiner etwas eigenwilligen Form. Phantastische orange Schlieren und Riffelungen des Gesteins erwarten Toms Fotolinse. Beim Umrunden des Felsmassivs sehen wir, dass das kleine Felsmassiv in der Mitte einen gewundenen Slot Canyon aufweist. Das ist einfach zu einladend. Wir verlassen den Wash und klettern den Slot Canyon hinauf und nehmen diesen sphärischen Ort näher unter die Lupe. Wie blank geschliffen der Fels ist! Was für eine Ruhe hier über der Landschaft liegt! Nautilus Rock ist eher ein Geheimtipp, wir sind hier ganz allein. Doch warum ist unklar, denn er ist wirklich T-O-L-L. Er liegt zwar abseits der publikumsmagnetischen Nationalparks. Doch wenn es nach uns ginge, hätte der Fels seinen eigenen Nationalpark verdient 😉

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Am Auto zurück, sehen wir der Wahrheit ins Auge und streichen schweren Herzens die paar Highlights in Arizona. Statt dessen bleiben wir in Utah und nehmen Kurs auf die Cottonwood Road. Diese ist 48 Meilen Schotterpiste und führt durch eine sich ständig wandelnde Landschaft. Im südlichen Teil der Strecke sieht man graue Hügel und wenig Farben, bald kontrastiert durch das Grün der Bäume und einen Fluss, dann formen die Felswände farbenfrohe Hügel und skurrile Skulpturen…

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Wir entscheiden uns hier die gewonnene Zeit in eine Wanderung namens Cottonwood Hoodoos zu investieren. Eine Wanderbeschreibung und einige Wegpunkte aus dem Internet stellen sich schon nach wenigen hundert Metern als mangelhaft heraus. Die Route geht erst mal die Wand hoch, fast wörtlich, denn die Wanderbeschreibung sagt, da geht es entlang. So kraxeln wir auf allen vieren die schroffen Felsen hinauf (so ca 70-80% Steigung, was nur dank des ultragriffigen Gesteins und Rissen im Fels möglich ist). Bald fangen wir aber wirklich an daran zu zweifeln, dass dies der Weg sein kann, aufgrund der nun exponierten Lage sehen wir nämlich den wirklichen Weg an der gegenüberliegen Felswand – immer noch steil, aber machbar.

Über den besseren Weg können wir uns allerdings erst freuen, nachdem wir den Weg zurück auf sicheren Boden gefunden haben. Denn wo man noch mit allen Vieren aufwärts kam, ist der Fels jetzt zu steil um dort wieder herunterzukommen. Mit etwas Mühe, Herzklopfen, Vorsicht und abgehauener Nase (Gabi: Den Körper immer dicht am Fels 😉 schaffen wir es und gehen den eigentlichen Anstieg an. Dieser geht steil bergan auf das Hochplateau und von dort wollen wir weiter zu diesen Hoodoos – die sind aber noch 2 Wanderstunden weg. Der Ausblick von hier ist auch schon phantastisch aber nachdem dunkle Wolken aufziehen entscheiden wir uns für das Umdrehen – das Letzte was einem in so einer Landschaft passieren sollte ist eingeregnet zu werden. Dann werden die griffigsten Steine zu Rutschpartien und die Cottonwood Road zu einer einzigen Schlammpiste. Doch wir kommen wieder gut (und ohne Regen) am Auto an und fahren weiter nördlich. Die Augen auf der Straße zu lassen -und das muss sein, denn vor Schlaglöchern bremst man besser ab – ist schwer, auf allen Seiten gibt es etwas tolles zu bestaunen.

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Daher wechseln wir uns beim Fahren ab und so kommt jeder Mal in den Genuss zu gucken. Ein kurzer Stopp am Grosvenor Arch bringt nicht nur alte Erinnerungen an den 2008er Urlaub zurück, sondern auch die gute Nachricht von einer anderen Touristin, dass offenbar die Nationalparks in Utah wieder öffnen sollen – der Staat Utah habe also doch erkannt wie wichtig die Parks für den Tourismus und die damit verbundenen Einnahmen sind und öffnet nun auf eigene Kosten.

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Wir fahren aus der Cottonwood Road heraus und weiter nach Escalante, wo wir in den nächsten Stau geraten, noch bevor wir im Ort angekommen sind. Stau? Hier, in der absoluten Pampa? Ja, denn es ist ein Rinderstau. Cowboys auf Pferden treiben eine Herde die Straße entlang, fangen entfliehende Jungtiere wieder ein – und halten damit den Autoverkehr auf. Uns soll es recht sein, so sehen wir echten Cowboyschweiß auch mal aus nächster Nähe.

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Wir checken schnell in unserem Motel ein (diesmal das Country Cowboy Inn, denn das Circle D war schon voll – wie wir erfahren ist morgen ein Marathon in der Stadt. Als Tagesabschluss fahren wir wieder einen kurzen Teil der Strecke zurück, denn wir wollen das Top-Restaurant der Stadt (laut Trip Advisor) ausprobieren. Es ist in einem Inn, das nicht gefunden werden will. Zumindest ist die Beschilderung mehr wie mangelhaft und wir finden es eher durch Zufall, als dass wir genau wissen wo wir abbiegen müssen. Wir sind die einzigen Gäste, was sich etwas sonderbar anfühlt. Denn wir werden auch noch im Frühstückraum des Inns bewirtet – immerhin mit tollem Blick auf die umliegenden Berge im Sonnenuntergang. Das Essen wird im Holzkohleofen im Garten zubereitet. Wie ein Angestellter meint: Im Sommer eine tolle Idee, doch wenn es kalt wird (und wir haben vielleicht noch 5 Grad Plus) ist das nicht mehr so super. Uns soll es recht sein, denn die mit Schafskäse gefüllten Mini-Paprika (im Holzofen gegart), der Hackbraten mit Cranberry-Soße (im Holzofen gegart) und der Burger (ihr könnt es Euch denken…) sind alle sehr lecker. Super Auftakt!

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