13.10.2013 – Teil 1: Der absoluteste Höhepunkt des Urlaubs: Die Box (Die Schachtel)

Vor zwei Jahren sind wir den „Scenic Drive“ im Norden von Escalante gefahren. Die „Hells Backbone-Road“ ist eine Schotterpiste, die in das Hochland des Aquarius-Plateaus, genauer in die Box/Death Wilderness führt. Damals hatten wir bei frostigen Temperaturen nahe des Gipfels den Anfang einer Wanderung gemacht, hinein in den Box Canyon. Doch schon nach wenigen hundert Meter mussten wir damals umdrehen, hätten wir doch einen Fluss durchwaten müssen. Dafür waren wir damals nicht vorbereitet. Doch dieses kurze Stück des Weges hat uns immer wieder an den Canyon zurückdenken lassen. Diesmal sind wir vorbereitet und wollen ihn auf ganzer Länge (das sind dann so ca. 14 km) gehen.

Die erste Hürde nehmen wir bereits am Ankunftstag in Escalante. Gabi fragt gleich beim Einchecken in unserem Motel, ob man uns jemanden empfehlen könnte, der Chauffeur für uns spielt. Das „Problem“ mit der Wanderung ist nämlich folgendes: Sie führt wunderbar im Namen gebenden Box Canyon am Canyonboden entlang. Auf beiden Seiten nichts als die hohen Canyonwände. Nach den genannten 14 km gibt es einen Ausstieg. Wenn man also alles sehen möchte, sollte man ihn von oben nach unten oder umgekehrt bewandern. Die doppelte Strecke zurück zu wandern ist bei uns aber nicht drin. Also organisiert die Hausherrin uns einen Fahrer, der uns vom Ausstieg (unten) zum Einstieg in den Canyon fährt. Das auch noch Sonntag morgen um 7:30 Uhr. Top! Wir sehen mehrere Rudel wilder Truthähne und auch ein Hase hoppelt verschlafen über die Straße. Ja, es ist noch seehhhr früh und auch seehhhr kalt! Nun ist Tom froh, dass Gabi ihn gedrängt hat, Handschuhe mit einzupacken. Die passen hervorragend zu seinen kurzen Hosen, die er heute trägt. Ihr fragt euch, warum er bei etwa 1 Grad Celsius kurze Hosen trägt? Es ist ganz einfach. Es handelt sich nicht etwa um „eine“ Flussüberquerung, sondern um ca. 50 Flussdurchwatungen. Einige kann man noch auf Baumstämmen oder von Stein zu Stein hüpfend überbrücken, doch man wird definitiv nass. Daher sind unsere armen Waden unbedeckt und wir haben unsere Wasserschuhe und Neoprensocken angezogen. Zu Beginn wären jedoch warme Winterstiefel passender. Wir sehen unseren Atem und Gabi muss sich sehr zusammenreißen, um Danny, unserem Fahrer nicht hinterher zu rennen und ihn zu bitten, sie wieder mitzunehmen. Der Jeep war so schön warm….

Doch tapfer steigt sie Tom hinterher, entlang einer rauhreifbedeckten Waldlichtung hinab zum Pine Creek, der uns die ganze Wanderung über erhalten bleiben wird. Beim Eintragen ins Trailregister stellen wir fest, dass wir die ersten sind (wer sonst friert sich gern den A… ab) und auch die letzten Tage kaum jemand hier war. Ein Geheimtipp!

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Und so geht es los. Wir lassen die Waldwiese hinter uns und bald kesseln uns die hohen Sandsteinfelsen auf beiden Seiten ein. Die Box ist hier vielleicht nur 30 Meter hoch, doch außer dem Fluss passt sonst kaum der Wanderweg hinein. Die erste Flussüberquerung ist besonders nett, weil man auf einem mächtigen Baumstamm hinüber läuft. Es geht also Zick-Zack immer leicht den Berg hinab. Genauer gesagt werden wir auf dieser Wanderung von 7740 auf 6449 Fuss absteigen. Langsam kommt die Sonne über die Felswände und taucht die Spitzen des Canyons über uns in ein warmes Licht. Je tiefer wir kommen, umso breiter wird der Canyon. Die Wände werden höher und später zu ganzen Felsmassiven. Mal lagern sich um den Fluss herum Sandbänke, dann wieder kommt einem die Gegend alpin vor mit vielen einzeln stehenden Nadelbäumen. Die Laubbäume direkt am Fluss dagegen leuchten in allen Farben des Herbstes. Mittlerweile hat die Sonne auch den Canyonboden erreicht. Im Fluss schwimmen Regenbogenforellen und über allem liegt eine unglaubliche Stille und friedliche Stimmung.

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Sofern wir nicht durchs Wasser waten, laufen wir entweder auf federndem Waldboden oder auf Sandboden, wir klettern Sandhügel hinauf und wieder hinunter. Dieser Sand! Ok, die Felsen sind SANDstein, doch bei diesem feinen, weißen Sand wird jeder Beachvolleyballer neidisch. Es ist phantastisch die Veränderungen entlang des Weges – sowohl die des Canyons als auch die des Bodens unter unseren Füßen – Schritt für Schritt zu erleben. Wobei den Schritten immer wieder Einhalt geboten wird, denn kaum ist man um die nächste Kurve, ergibt sich für Tom wieder ein noch schöneres Fotomotiv. Dazu kommen leider auch noch Stopps der ganz anderen Art, für die arme Gabi. Sie ereilt im total toilettenfreien Canyon der Dünnpfiff. So wird sie innerhalb der 6-stündigen Wanderung zum „Outdoorprofi“. Ihr wisst schon was wir meinen: Nun kann sie nicht nur mit, sondern auch ganz und gar ohne Donnerbalken ;-).

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Doch was muss das muss – wir lassen uns doch von solchen Nichtigkeiten nicht von unserem Ziel abbringen! So erreichen wir den Ausgang des Canyons um 2:30 Uhr – ohne auch nur einen einzigen anderen Menschen gesehen zu haben. Ein Traum! Der Tag ist da für uns noch lange nicht zu Ende, unser Blogeintrag für heute schon…

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Eine Antwort zu 13.10.2013 – Teil 1: Der absoluteste Höhepunkt des Urlaubs: Die Box (Die Schachtel)

  1. Anne schreibt:

    WOW! Also, die Bilder sind einfach cool! Vor allem die Farben… ICH WILL AUCH! 😉 Da hat sich das frühe Aufbrechen und die Kälte ertragen vollkommen gelohnt!

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