13.10.2013 – Teil 2: Jede ungeteerte Straße führt zu neuen „Ohhhs“

Nach einem kurzen Stopp im Motel stimmen wir überein, diesem Tag noch einen Trumpf drauf zu setzen. Wir schleppen unsere erschöpften Glieder nochmal ins Auto und fahren wieder los, diesmal Richtung Wüste. Das ist das Faszinierende an der Escalante Staircase – Region. Stein- und Sandwüste sowie alpine, waldbedeckte Hochplateaus liegen kaum 30 Minuten Fahrtzeit voneinander entfernt. Wir fahren mal wieder ein Stück off-road, das es in sich hat, um ein Mysterium zu ergründen: Tom hat im Internet von sog. Moki-Marbels gelesen. Marbels sind Murmeln. Es soll sich hierbei um hohle Steinmurmeln handeln, die auf einer Ebene mitten in der Wüste zu hauf zu finden sein sollen. Die Fotos sahen so interessant aus, dass wir nun selber nachgucken müssen. Tom hat den Laptop zu hause mit GPS-Daten gefüttert und so parken wir unser Auto also irgendwann mitten in der Wüste. Schon auf dem „Parkplatz“ (nur Reifenspuren belegen dass hier bereits andere Autos gewendet haben) sehen wir die dunklen Steinkugeln. Sie sind mehr oder weniger rund, und wie aufgebrochene Exemplare belegen sind sie hohl und mit Sand gefüllt. Davon soll es noch mehr geben? Wollen wir sehen. Also marschieren wir noch eine Meile tiefer über Sanddünen hinein in diese Einöde, hier ist sie Sand mit gelegentlichen Felsbrocken sowie niedrigen Sträuchern und geduckten Bäumen. Dann über eine weitere Kuppe – und da liegt die Schrägebene vor uns. Tausende der Moki-Marbeln liegen auf den Felsen.

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Aus diesem „wachsen“ tatsächlich diese Kugeln, mit Durchmesser von ca. 1 cm bis zu 12 cm (laut dem Geologen der Uni Utah soll es auch größere geben). In Wirklichkeit werden die Murmeln natürlich durch die Erosion des Gesteins nach und nach freigelegt. Wir lesen die Entstehungsgeschichte nach: Eisenoxid-haltiges Gestein hat sich um Sand geschlossen.

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Warum es Kugeln sind? Wir haben jetzt im Nachhinein etwas im Netz gesurft um das herauszufinden, doch auch die Wissenschaftler wissen es nicht genau, sie haben nur Vermutungen. Das ist schon faszinierend, oder? Moki heißen sie deshalb, weil die Schamanen der Moki-Indianer diese Kugeln genutzt haben. Es gibt solche Kugeln (in dieser Konzentration) sonst nirgends auf der Erde, interessanter Weise wurden jedoch auf dem Mars ähnliche Kugeln geortet.

Mittlerweile windet es ganz schön in der weiten Wüste. Dunkle Wolken brauen sich am Horizont zusammen und wir spüren erste Regentropfen. Schnell zurück zum Auto – natürlich nicht ohne weitere pictures, pictures, pictures 😉

Mal so als Randbemerkung von Tom: „Ich spring immer aus dem Auto und mache die Fotos, während meine Frau eher die amerikanische Beobachtungsmethode hinter Autoglas angenommen hat“.

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Und noch eine Randbemerkung: Auf dem Weg und auf der Wanderung zu den Marbles haben wir wieder 0 Menschen getroffen (abgesehen von einem Camper, der ganz nahe der Route 12 an einem Canyonrand abgestellt war). Dabei ist es hier aufregender als in jedem Nationalpark. Birgt jede Straße ins Hinterland hier solche Geheimnisse? Wir sind an einigen Ausbuchtungen vorbeigekommen, die Startpunkte für Wanderungen verheißen. Was für eine Gegend! Da kommt es einem ja vor wie ein schaler Nachgeschmack, von einem Burger für Tom und einem sehr lecker gegrilltem Hähnchendinner für Gabi zu berichten. Dass „Essen“ verblasst neben dem Erlebten, will schon was heißen bei uns 😉

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