14.10.2013: Wir bleiben beim Thema Kathedralen

Der Highway 12 zwischen Escalante und Torrey ist gespickt mit Ausblicken der Superlative. Mal fährt man durch eine enge Schlucht, mal auf einem Höhenzug mit tollen Ausblicken. Von hier aus sieht man (Gabi, die Fahrerin, ohne Kaffee mit halb geschlossenen Augen) die Vielfalt dieser Landschaft. Mal sind es Schluchten und steile Hügel, mal abgerundete Formen, mal Flüsse die sich durchs Tal winden mit gelb leuchtenden Espen. Mal ist es einfach die Weite der Wüste.

Wir halten schnurstracks auf das Kiva Koffeehouse zu, das als Rundbau mit vielen großen Fenstern aus dicken Baumstämmen gebaut ist. Hier muss jeder halten, der vorbeikommt. Wer es nicht tut, ist selbst schuld. Das Essen ist lecker, frisch zubereitet und ein idealer Start in den Tag, vor allem weil man dabei den tollen Ausblick durch die Panoramafenster weiterhin genießen kann.

DSC_6074_stitch

Weiter geht es nach Norden und wir erklimmen die Flanke des über 3000 Meter hohen Boulder Mountains im Herzen des Aquarius Plateaus, hier liegt an einigen Stellen schon ein wenig Schnee, doch was uns ständig zum Anhalten und aus dem Autofenster schauen (Gabi) bzw. Ausssteigen (Tom) bewegt, sind die Millionen an Espen, von denen viele schon als leere, weiße Gerippe in den Himmel ragen, aber noch genug davon Laub tragen, dass sich uns ein Farbenfeuerwerk bietet. Eigentlich bräuchte man einen ganzen Tag Zeit, um alleine schon die Eindrücke dieses frühen Morgens zu verarbeiten.

DSC_6148

DSC_6117_stitch

Nachdem eher länglichen Abstieg erreichen wir dann den Capitol Reef Nationalpark, der ebenfalls wieder geöffnet hat. Hier sieht die Landschaft schon wieder ganz anders aus, wie noch vor weniger als 2 Stunden.

DSC_6165

Wir entscheiden uns nicht für eine Wanderung im Park, sondern Tom hat etwas auf seiner Liste an bis jetzt nicht geschafften Sehenswürdigkeiten, zu dem sich Gabi erstaunlicherweise überreden lässt. Vielleicht hat er ja auch einfach nur ein paar unliebsame Details weggelassen, aber dazu später mehr. Wir wollen in das Cathedral Valley. Das ist eine, nur für 4-Rad getriebene Fahrzeuge mit reichlich Bodenfreiheit erreichbare Fahrstrecke, die uns in den Norden des Nationalparks führt. Herrscht im Nationalpark selbst Trubel, so sehen wir die ganzen 50 Meilen genau 3 Fahrzeuge. Einsamkeit und atemberaubende Landschaft sind das Stichwort. Gabi fährt auf der Schotterpiste wie ein alter Hase (gelegentlich von Tom mit Babykarotten gefüttert 🙂 Tom: „Es macht mich nervös, wenn Du eine Hand an der Möhre hast“). Immer wieder halten wir an und saugen die Ausblicke in uns auf.

DSC_6170

DSC_6209_stitch

Die Hauptsehenswürdigkeit ist das eigentliche Cathedral Valley, das über eine Stichstraße zu erreichen ist. Hier ist schon mehr fahrerisches Können gefragt, geht es doch mehrmals steil in trockene Flussbetten hinab und aus diesen wieder heraus.

Plötzlich versperrt ein anderes Auto die Straße. Die Fahrer haben sich eine Plattform auf ihren Dachgepäckträger gebaut und wollen dort gerade eine Kamera aufbauen. Tom übernimmt den Fahrersitz und bittet den Fahrer des anderes Autos ihm Platz zu machen. Dieser reagiert eher gereizt, wir sollen halt einfach drum herum fahren (was nur geht, in dem wir von der Straße in den losen Sand fahren). Nach mehreren immer pampiger werdenden Wortwechseln und nachdem Gabi ihrem Ehemann keine Einwilligung erteilt dem anderen eine in die F… zu hauen, gibt Tom richtig Gas, fährt durch den losen Sand und hüllt die Anderen in eine Sandwolke…

Es dauert etwas, bis Tom wieder runter kommt und die Aussicht auf den Temple of the Sun und den Temple of the Moon genießen kann. Das sind zwei Felsformationen, die hier aus der Ebene ragen. In der Nähe gibt es auch noch den Glass Mountain zu bestaunen, der komplett aus halbdurchsichtigen Kristallen zu bestehen scheint (ein Schild behauptet, das sei crystalized Gypsum, also kristallisierter Gips). Diese Landschaft ist alle Strapazen unebener Straßen wert. Im weiteren Verlauf unserer Fahrt sind wir vor allem begeistert von einer Steinwand, die so dünn zu sein scheint, dass sie unmöglich die Zeit und das Wetter überlebt haben kann., doch da steht sie, vielleicht einen Kilometer lang, für uns zu bestaunen.

DSC_6225

IMG_6715

DSC_6274_stitch

Die Straße wird immer schlechter und jetzt wirklich zur Offroad-Strecke (Toms Definition, die dringend in die allgemeine Definition mit aufgenommen werden sollte ist, dass eine Offroad-Strecke dann anfängt, wenn einfach langsam fahren nicht mehr zum Ziel führt, sondern wenn Entscheidungen des Fahrers notwendig sind, um eine fahrbare Route zu finden.) Das trifft hier völlig zu. Wir kämpfen uns also weiter und dann in etlichen Serpentinen einen steilen Aufstieg hinauf. Das kostet Gabi, der Fahrerin, einiges an Nerven, denn der Abhang lauert DIREKT neben dem Auto. Endlich oben angekommen treffen wir auf eine Abzweigung. Links geht es 30 Meilen zurück zur Route 24, die Strecke rechts verspricht kürzer zu sein. Tom fährt jetzt, denn hier ist vor allem am Anfang Konzentration gefragt, und Gabi ist Post-Abhang geschädigt und braucht ne Pause…

Immer höher geht es hinauf in die Höhen des Hens Hole Peaks. Hätten wir gewusst, was für Strecke da noch vor uns liegt, hätten wir vielleicht uns anders entschieden, doch die Route ist nicht weniger genial.

DSC_6293

DSC_6294

Sie geht auf schlechtesten Straßen immer höher, mit tollen Ausblicken und da schaut auch schon mal ein Rehbock bei uns zum Autofenster hinein. Irgendwann haben wir es geschafft, die Straßen werden besser und wir kommen wirklich wieder an einer geteerten Straße heraus, der Route 72. Vor uns liegt das Forsyth Reservoir, über uns dunkelste Wolken, von irgendwo stehlen sich genau genug Sonnenstrahlen durch die Wolken, um eine Gruppe von Bäumen im Herbstlaub in diesem verirrten Licht aufleuchten zu lassen.

DSC_6296_1

Damit lassen wir es für heute bewenden und fahren auf langweiligen Teerstraßen zurück nach Torrey, wo wir im Capitol Reef Inn absteigen, einem von vielleicht hunderten Unterkünften im Umkreis von 50 Meilen. Und wer hat genau das Zimmer neben uns: Die zwei Deppen mit ihrer Kameraplattform auf dem Auto. Und wieder kriegt Tom keine Freigabe von seiner Frau mit den beiden ein Wörtchen zu „reden“. So gehen wir eben Essen, in dem tollen El Diablo-Restaurant, dass wir schon vor Jahren gefunden haben (genauer 2008), und das noch heute phantastisches Essen zubereitet. Viel zu voll fallen wir früh ins Bett.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Natur, Utah veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s