16.10.2013: Die erste U-Bahn müssen wir kriegen…

Erst mal zur Auflösung der gestrigen Andeutung: Der „Schatz“ ist ein Permit (eine Genehmigung). Manche Wanderrouten sind hier im Südwesten nur mit einem Wanderpermit erlaubt zu begehen. So will man die Natur schützen – und vielleicht auch den glücklichen Wanderern den Genuss der Stille ermöglichen 😉 Wie wir ja schon an anderer Stelle erklärt haben, wollen wir z. B. zur Wave, dort dürfen pro Tag nur 20 Menschen hin. Für eine andere Wanderung, die sogenannte Subway (U-Bahn) hat Tom durch Zufall noch Tickets gekriegt. Dort dürfen immerhin 40 Leute täglich hin. Und ja, hier waren wir schon mal. 2008 auf dem ersten gemeinsamen Urlaub, der Gabi und Tom zusammengebracht hat. Damals wäre Tom fast im Canyon gestorben. Keine Panik, wir haben ja immerhin „fast“ geschrieben, oder?. Damals sind wir viel zu spät los gekommen (weil wir noch auf Nevada-Zeit waren und verschlafen haben), er ist schon auf dem Weg nach unten umgeknickt, hatte eine schwere Bronchitis (was wir erst am nächsten Tag im Krankenhaus erfahren haben) und wir hatten viel zu wenig Wasser dabei. Alles in allem war der erste Besuch der Subway also kein vergnüglicher. Dies ist der Grund, warum wir es noch mal machen wollten. Schließlich wollen wir es genießen in schöner Landschaft zu wandern.

Wir sind diesmal über-vorbereitet. Mehr wie genug Wasser, sogar Wassertabletten haben wir dabei (um im Notfall Flusswasser trinkbar zu machen); ein Navi um auch wirklich den Ausstieg wiederzufinden; sogar eine Taschenlampe für den Notfall. Diesmal soll wirklich nichts den Genuss schmälern. Am Körper tragen wir natürlich Wasserschuhe, Neoprensocken und die Wanderstöcke sind einsatzbereit dabei. Handschuhe für Gabi müssen ebenfalls sein, denn DIESMAL geht es früh los. Sehr früh. Unsere Hausherrin hat uns Sandwiches, Bananen und Schokoriegel hingestellt und die Kaffeemaschine programmiert – für ein gemütliches Frühstück nehmen wir uns keine Zeit, gegessen wird im Auto.

So sind am Parkplatz auch erst 3 Autos und alle machen sich grad fertig. Wenn der Kaffee nur seine Wirkung zeigen würde, könnte auch Gabi die erwartungsschwangere Luft spüren… Um 8 Uhr, es ist noch sehr kühl, sind wir dann auf der Piste, erst mal entlang einer steppenartigen Ebene. Nach einem Kilometer kommen wir an den Rand der Klippe des Canyons des North Creek, genauer dessen Left Fork. Es geht so steil den Abhang hinab, dass es auch einfach ein Erdrutsch hätte sein können, den wir hinab wandern. Doch immerhin gibt es hier noch einen deutlichen Weg. Denn unten am Canyonboden angekommen, geht es 6 km dem Fluss folgend immer stetig bergan. Doch anders als die Box ist die Subway kein Zuckerschlecken. Vielleicht 1/3 der Strecke schenkt einem die Subway in Form von sandigen Pfaden, die anderen 2/3 muss man sich hart erkämpfen. Mit vielen Flussdurchquerung, über Steine klettern, mit Hilfe von Umwegen in die Canyonflanken Wasserfälle und Geröllblockaden umgehen.

Trampelpfade sind nicht immer da, manchmal führen sie auch auf Strecken die wohl fittere Zeitgenossen genommen haben… Die Anstrengungen sind jedoch nebensächlich, wenn man zum Ausgleich dann wieder Wasserkaskaden hochwandert kann oder im Mini-Wasserfall steht. Wenn die Bäume und Sträucher in den Herbstfarben leuchten und einem die unberührte Natur so berührt, dass das Herz vor Freude einen Sprung macht. Klingt schwülstig und Gabi leugnet ALLES, wenn ihr sie direkt drauf ansprecht. Sie empfindet es aber so – oder sind es doch die Kletteraktionen über die im Weg liegenden Felsquadern die sie ihr Herz spüren lassen… 😉

IMG_6833

DSC_6519

Wir hatten uns auf einen laaaangen Hinweg eingestellt und sind daher wohl zügig vorangeschritten – wobei uns schon die einen oder anderen Wanderer überholt haben. Doch irgendwie haben wir so gut Strecke gemacht, dass wir eher überrascht vor der Hauptattraktion, der eigentlichen „Subway“ stehen. Das letzte Mal waren wir so spät dran, dass wir nach wenigen Bildern gleich wieder zurück gehechtet sind. Diesmal gehen wir in die Subway hinein und um die nächste Kurve. Dort gibt es gleich mehrere Dinge zu bewundern. Den Beginn eines fotogenen Slotcanyons (seht selbst, Beschreibung können es nicht umreißen), einen rutschigen kurzen Aufstieg und ca. 8 Stative mit Kameras, sowie die zugehörigen Fotografen die etwas entnervt blicken, sind wir ihnen doch gerade ins Bild gelaufen. Hier verstecken sich also alle heimatlosen Fotofanatiker. Tom gesellt sich zu ihnen um auch von dieser Position aus einige Fotos zu machen. Alle warten hier anscheinend „auf das richtige Licht“ oder „den richtigen Moment“, und alle stehen wie wir mit den Füßen im eisigen Wasser („Gebirgsbach“). Wenn man läuft ist das gar nicht so kühl, doch nach einer halben Stunde stehen und staunen haben wir echt kalte Füße.

DSC_6528

DSC_6545

DSC_6571
Daher überlassen wir das beste Licht den anderen und kehren um, bis wir den ersten sonnigen Platz finden. Dort, auf einem großen Stein machen wir erst mal Mittag verzehren unsere mitgebrachten Sandwiches. Danach geht es zurück. Der Canyon war auf dem Hinweg im Schatten gelegen, doch jetzt ist er von der Sonne durchflutetet, was das rote Gestein zum Leuchten bringt und die Herbstfarben der Bäume aus dem Bild poppen lässt. Auch wenn man von diesem Anblick ja eigentlich kaum genug kriegen kann – der Rückweg zieht sich dann doch länger wie gedacht. Irgendwie witzig, denn 2008 hatte Gabi das Gefühl, der Rückweg war viel kürzer als der Hinweg – diesmal ist es genau anders rum. Hat vielleicht doch was mit ihrer Kondition oder Konzentration zu tun, denn kurz vor dem Ende rutscht ihr Fuß dann von einem wackelnden Stein und knickt um. Diesmal war es also nicht Tom, der sich verletzt (OK, zugegebener Maßen wurde er von einem dicken Ast schon auf dem Hinweg vorderücks attackiert, was ihm eine rot-blaue Stelle auf der Stirn beschert hat).

DSC_6585

DSC_6607

Doch zum Glück kann Gabi weitergehen und sie kämpft sich bis zum Ausstieg vor und dann die steile Canyonwand hinauf. Doch wir wussten ja was uns erwartet und als wir beim Auto sind, ist es kein Vergleich mit dem letzten Mal. Wir hätten beide noch locker weiter wandern können – wenn wir auch froh sind, es nicht tun zu müssen. Unseren Triumph, die U-Bahn erwischt zu haben, feiern wir bei einem Abendessen im Spotted Dog, wo wir uns Lamm und Lendchen gönnen und uns der Privilegien, das alles genießen zu dürfen, durchaus bewusst sind. Dann gilt es aber auch schon wieder den nächsten Tag vorzubereiten, der mal zur Abwechslung deutlich entspannter verlaufen soll. HarrHarrHarr (dunkles Gelächter).

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Natur, Utah, Wandern veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s