18.10.2013: Es geht noch romantischer, höher, anstrengender – einfach schöner

Heute kommen wir schwer aus dem Bett. Toms linker Fußballen war gestern geschwollen – von was auch immer – doch heute früh ist er wieder gut. Trotzdem kommt der alte Herr nur schwer in die Pötte und ist sogar schon fast so weit, den heutigen Tagesplan gegen einen seniorengerechten auszutauschen. Doch dann setzten die Endorphine ein beim Anblick des Sonnenaufgangs. So kehren wir also zum ursprünglichen Plan zurück.

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Nämlich einer Wanderung in den Water Canyon und darüber hinaus. Dieser liegt hinter den Hügeln des Smithonian Butte, die mal wieder auf einer Offroad-Strecke überwunden werden dürfen. Wie schön es dort ist, kriegt Gabi erst auf der Rückfahrt mit – auf der Hinfahrt liegt ihre volle Konzentration darauf, sich nicht die Zähne auszuschlagen beim Kaffeetrinken aus der Isoliertasse 😉 Hey, bitte kein Lästern jetzt – sie ist schon ziemlich stolz dass sie überhaupt vor dem Einsetzen der Kaffeewirkung im Auto sitzt und sich durchschütteln lässt.

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Der Startpunkt der Wanderung ist im Nirgendwo, hinter einem Städtchen namens Hildale, wo sich eine Sekte niedergelassen hat aber sonst nichts, aber auch gar nichts los ist. Wir sind kaum 45 Minuten im Auto gesessen, doch von den Zionbergen ist zwischendrin kaum mehr etwas zu sehen gewesen. Jetzt sind wir quasi von der anderen Seite wieder näher an sie heran gefahren.

Dort, wo die GPS-Koordinaten den Parkplatz anzeigen, steht schon mal 1 Auto. Doch kein Schild oder Hinweis.

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Egal, wir finden den Trampelpfad der bachaufwärts in den Canyon hinaufführt. Es geht gleich so richtig los mit Hügel rauf und runter, das alles im Sand, damit die Pumpe gleich weiß was sie heute erwartet. Auf beiden Seiten des Wegs ragen die rötlichen Canyonwände ein paar hundert Meter in die Höhe. Wie schon die letzten Tage scheint die Sonne am tiefblauen Himmel und heizt uns ganz schön ein. Es ist heute aber auch schon 9:30 Uhr als wir los laufen. Nach kurzer Zeit kommt das erste Highlight: Hoch über uns an der Ostwand kann man einen Arch, also einen Steinbogen bewundern. Im richtigen Winkel hat man einen tollen Kontrast mit Felsen und blauem Himmel. Hochtrabend hat dieses Steinwunder den Namen „Auge des Himmels“ erhalten. Nachdem Gabi ihre Augen jetzt auch aufhalten kann, reicht uns das an Natur natürlich nicht. Also weiter, entlang der sich um uns schließenden Felsenwände, immer tiefer in den Canyon und seinen Schatten hinein. Dort ist es gleich kühler und der immer schmalere Canyon mit seinem Fluss in der Mitte wirkt fast mystisch. Fast überraschend stehen wir plötzlich in einem großen steinernen Amphitheater. Die Wände sind rund ausgewaschen, sehr ähnlich zu dem was wir 2 Tage zuvor in der Subway gesehen haben. Nur dass wir die ganze Pracht für uns allein haben. Uns entfleucht ein WOW!

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Der Flachlandindianer würde jetzt vermutlich umdrehen, doch wir haben gelesen, dass es noch weiter in den Canyon hineingeht und dann einfach mal steil die Canyonwand hoch. Wenn man erst einmal verstanden hat, dass man einfach über den kleinen Wasserfall hinaufklettern muss. Das ist leichter als gedacht, doch kaum hat man diese kleine Hürde überwunden, findet man die ganze Wahrheit heraus. Der weitere „Weg“ geht nur noch in die Höhe. Immer die linke Canyonwand hinauf, immer nahe am Abgrund. Mal läuft man direkt auf der Felsabrisskante, mal siebt man sich durch steilen, sandigen Abhang mit auf beiden Seiten wachsenden Büschen oder Kakteen, die einem ein bisschen das Gefühl der Sicherheit geben. Dazwischen immer wieder Stellen, an denen man sich (im Rücken der Abgrund) auf die nächste Ebene hoch hieven muss. Das ist alles wirklich anstrengend. Jemand der es noch nicht gesehen hat, möchte jetzt vielleicht fragen, warum man so etwas macht. Ganz einfach: Hier ist es wunderschön! So wild-romantisch, Gabi hält es kaum aus. Man erkennt bereits Hoodoos und Felshügel auf dem Bergplateau das unser Ziel ist und mit jedem Schritt wird die Aussicht besser. Zudem macht das Klettern und Hangeln ja auch Spaß und irgendwie tut es gut, über seine eigenen Ängste zu triumphieren und den nächsten Schritt zu wagen.

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Um kurz nach 12 Uhr ist es dann soweit. Wir haben den Berg bezwungen! Wir setzen uns auf einen perfekten Brotzeitfelsen in die Sonne und genießen futternd eine einfach geniale Aussicht. Diesmal haben wir uns noch Salate geholt, die die Quesadillareste ergänzen. Die Hoodoos und Felshügel, die am Anfang kaum sichtbar über uns zu erahnen waren, liegen jetzt weit unter uns. Erstaunlich, was 500 Höhenmeter an Perspektivveränderung bewirken können. Eigentlich hätte die Wanderbeschreibung noch eine weitere Strecke durch das Hochland zu einem weißen Felsen vorgesehen. Doch wir entscheiden uns heute dagegen. Wir finden es extrem schwierig, nun auf dem reinen Fels den richtigen Weg zu finden und fürchten, uns auf dieser gewaltigen Ebene zu verlaufen und dann den richtigen Abstiegweg nicht mehr zu finden, denn wir sehen hier keine weiterführenden Steinchen-Hoodoos mehr.

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Also wieder mit voller Konzentration den Berg runter, Schritt für Schritt. Denn gerade bergab ist ja ein sicherer Tritt wichtig. Gabi ist so konzentriert auf den mit Steinen versetzten tiefen Sand unter ihren Füßen, dass sie den Kaktus, der seitlich in den Weg hineinragt, übersieht. Autsch! Erst einen Tag später am Flughafen zieht sie sich die letzten Stacheln aus dem Bein… Fast unten angelangt, begegnen wir zwei Gruppen von Canyoneerern. Erst jetzt wird uns bewusst, wie schön still es auf dieser Wanderung gewesen ist, bevor diese Leute sich angeschrien haben. Wir haben ja viel erlebt in diesem Urlaub, doch für Gabi ist diese Wanderung das Beste vom Besten gewesen! Auch Tom empfindet sie als einen krönenden Abschluss.

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Dabei haben wir ja zumindest noch etwas Natur am morgigen Abflugtag geplant. Zudem wird dieser Tag besonders für Gabi traurig… Warum? Das erfahrt ihr bald hier 😉

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