29.12.2013: Cross Country am Lapham Peak oder „Wenn das Blut in den Adern gefriert“

Die Tage vorher schneit es gewaltig und es ist schön kalt. Ideales Wetter zum Ski-Langlaufen. Das wollen wir schon seit 3 Jahren angreifen, sind aber nie dazu gekommen. Als alte Schneehasen (Gabi noch nie auf Skiern gestanden, Tom zum letzten Mal vor 25 Jahren) verlassen wir uns voll auf die Tipps von Barry. Westlich von Milwaukee empfiehlt er uns den Naturpark Lapham Peak im südlichen Kettle Moraine Forest. Natürlich weiß er auch zum Thema Ski-Ausstatter Bescheid. Zur Erklärung: Barry LIEBT Langlauf. Derzeit verletzt, hat ihm sein Arzt nur 10 Minuten Ski pro Tag erlaubt. Das hält ihn nicht davon ab, extra für 10 Minuten den 1-stündigen Weg nach Wisconsin anzutreten. Das ist Leidenschaft!
Doch zurück zu uns. Nach Wochen klarem und nicht zu kühlem Ski-Wetter steigt die Temperatur einen Tag vor unserem geplanten Ski-Trip in Richtung Tauwetter. Na klasse. Immerhin sagt die Wettervorhersage wieder kühlere Tage an. Also gut. Fahren wir mal los, mit gemischten Gefühlen und auch das Personal beim Skier anmieten ist zurückhaltend mit einer Schneebeschaffenheits-Prognose. „Gestern hatten sie phantastische Schneebedingungen“. Etwas verunsichert entscheiden wir uns eigentlich nur deshalb, es auszuprobieren, weil wir mittlerweile eine mehr als 1stündige Anfahrt hinter uns haben. Die Sonne scheint als wir aus dem Auto steigen, um uns die geliehenen Skier anzuschnallen. Landschaftlich könnte es kaum romantischer sein. Schnee soweit das Auge reicht, auf den Tannen und den gespurten Loipen. Alles glitzert vor sich hin und es sind auch nicht zu viele Leute unterwegs. Wo sind die alle? Vielleicht in der Nähe eines Kachelofens? Kaum 3 Minuten außen, registrieren wir nämlich erstmals, wie kühl es wieder geworden ist. Insbesondere der schneidende Wind lässt schnell Alaska-Feeling aufkommen. Doch das wird schon, wenn wir erst mal in Bewegung sind und über die Loipe gleiten. Gell!?!

Naja, die Realität sieht dann anders aus. Gabi erweist sich als totales Naturtalent – im Fallen. Man könnte ja sagen, das richtige, gefahrlose sich fallen lassen ist überhaupt das wichtigste Element beim Skifahren. Das übt Gabi daher ganz gewaltig. 🙂 Doch so im Schnee ist es nicht grad warm, und das Aufstehen mit den Skiern an den Füßen ist auch kein Spaß. Die Bindung lässt sich so schwer lösen (zumindest mit Handschuhen an), das zehrt an den Kräften und Nerven. Tom dagegen fühlt sich erstaunlich sicher auf den Skiern und hat einen Bewegungsdrang, um endlich warme Glieder zu kriegen. Doch er wird immer wieder ausgebremst durch einen auf dem Rücken liegenden, dick eingepackten und zappelnden Käfer, der verzweifelt versucht wieder auf die Beine zu kommen. Halt, der Käfer ist ja Gabi und an den Beinchen hängen Skiern 🙂 Sollten nicht ihr Gleichgewichtssinn sowie ihr jahrelanges Pilates für etwas Balance sorgen? Warum landet sie immer wieder unsanft auf ihrem Hintern, sobald sich auch nur ein kleines bisschen Schwung einstellt? Sofort verliert Gabi dann Kontrolle – man hätte einen Sketch drehen können… Ihre letzte Würde verliert sie dann als sie es nicht ums Verr… schafft, einen wirklich nur winzigen Hügel hinauf zu kommen. Immer wieder rutscht sie diese vermaledeite Loipe rückwärts. Wäre ihr Gesicht nicht schon vor Kälte total gerötet, würde man die Schamesröte erkennen, als sie vor sich hin schimpfend die Skier auszieht und zu Fuß die Hügel nimmt. Zu Gabis Verteidigung sollte man mal erwähnen, dass bereits die Experten im Skiladen darauf hingewiesen hatten, dass es extrem eisig sein könnte.
Auch finden wir erst zum Schluss die absolut ebene Idioten-Loipe. Zum Schluss, das heißt nach etwa 90 Minuten, denn es wird immer kühler. Tom, der wieder so richtig Feuer gefangen hat und happy ist, dass er anscheinend wenig verlernt hat, dreht noch eine Runde, während Gabi eine Einfuß-Gleitübung macht sowie erst mal ohne Stöcke ihr Heil sucht. Dann mahnen uns unsere blauen Hände zum Aufgeben.

Gabi, die leichtsinnigerweise auch nur Stoffhandschuhe an hatte, kauft sich im kleinen Ort zum Skigebiet erst mal professionelle Sporthandschuhe. Vielleicht wird es mit der richtigen Ausrüstung klappen? Bevor wir das ausprobieren, checken wir in unserem neu erbauten, auf alt gemachten Hotel im Herrenhausstil ein und wärmen uns nochmal auf, bevor wir uns wieder auf die Loipe wagen. Beim 2. Versuch geht es ein kleines bisschen besser für Gabi, auf 1 Runde fällt sie nur 4 mal hin. 🙂 Tom überlässt sie ihrem Schicksal und übt etwas auf der hügeligeren Loipe. Es ist bitterkalt. Nur noch wenige andere Skifahrer sind mit uns auf den Loipen unterwegs. So geben wir irgendwann endgültig auf. Eine heiße, sehr luxuriöse Rain-Showerdusche später gehen wir lecker kreolisch essen und Tom darf sich nebenbei beim Football mal so richtig ärgern. Da bleibt dann noch genügend Zeit, um mal, nach all den schon laufenden Vorbereitungen für die Heimkehr nach Deutschland, gemütlich zu entspannen.

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Die klare Nacht bringt noch eisigere Temperaturen. Bei minus 30 Grad Celsius am Morgen frieren die Härchen in der Nase, als wir – keine 100 Meter – zum Frühstück in ein Café huschen. Schweren Herzens entscheiden wir uns, die Skier gleich abzugeben, bei diesen Temperaturen frieren ja die Füße an den Skiern fest…

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Auch die restlichen Pläne für diesen Tag scheitern an unserer Unfähigkeit, auf Internetseiten die Öffnungszeiten des Kunstmuseums in Milwaukee nachzulesen. Selbst das nette Cedarburg liegt im Winterschlaf und ein Schlendern von Geschäft zu Geschäft wird da zum Hechten und ist nicht wirklich entspannend.

Sehenswert sind aber die toll gemachten Eiskugeln, die wir im Hinterhof eines der Läden als Deko finden:
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Am Ende sind wir froh wieder in Buffalo Grove anzukommen, ohne erfrorene Zehen oder Ohren als Trophäen. Doch mit dem Fazit, dass das noch nicht das letzte Kapitel zum Thema Langlauf für uns ist. Jetzt muss es nur in Franken mal richtig schneien, dann starten wir noch einmal einen Versuch… 🙂

Anekdote zum Schluss: Als Gabi Tom diesen Artikel vorliest, erklärt er ihr, dass es im Park tatsächlich eine Wärmestube gab, die auch überfüllt war. Er hätte diese natürlich gesehen als wir dort waren: „Doch wenn ich Dir das gesagt hätte, hätte ich Dich da ja nicht mehr rausgekriegt“. Wie jetzt, so wenig Vertrauen in ihren sportlichen Ehrgeiz?!? 🙂

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