02.05.2015: So richtig Wohnungssuche

Alle die mich kennen, wissen, es gibt viele Dinge, die ich nicht mag: Menschenaufläufe, Kochrezepte mit weniger als 2 Gewürzen, Unpünktlichkeit… Dann gibt es Dinge, die ich gar nicht mag, wie ein Zahnarztbesuch oder Hosen kaufen. Und dann gibt es die Steigerung davon: Wohnung suchen.

Wie ich ja schon geschrieben haben: Auf den einschlägigen Internetportalen gibt es im akzeptablen Preislimit (das meine Sekretärin wohl hinter meinem Rücken als „knausrig“ bezeichnen würde und das einem in Nürnberg ein 200+qm Haus/Villa mieten würde) nur begrenztes Angebot. Und wenn man sich für ein Objekt bemüht, wird man zu Massenbesichtigungen eingeladen, da kann man dann ein Formular ausfüllen und ist dann einer von vielen Bewerbern. D.h. also das Wohnung suchen ist noch dadurch erschwert, dass wenn man mal eine gefunden hat man sie vermutlich nicht mal kriegen wird.

Dieses und mehr erzähle ich meiner Sekretärin am Donnerstag. Heute früh liegt das Zuger Amtsblatt auf meiner Tastatur, das sie extra für mich gekauft hat. Dank meiner lieben Frau, die sich dann gleich drüber gestürzt hat finden sich dort einige Inserate die interessant klingen. Eigentlich total antiquiert. Keine genaue Adresse. Keine Bilder. Sie nötigt mich dann gleich mal bei einem halben Dutzend durchzuklingeln. Davon gehen aber nur 2 ans Telefon. Mit beiden vereinbaren wir noch am Nachmittag Termine. Beide interessanterweise in Hünenberg See. Ist Zug am Nordostende des Zuger Sees ist Hünenberg See an der Nordwestecke. Ein Kollege hatte uns die Gegend empfohlen und die beiden Objekte sind nur ca. 200 Meter voneinander entfernt.

Wir fahren also schon mal vor dem ersten Besichtigungstermin los, um uns die Gegend anzuschauen. Gleich über den Häuserreihen beginnen die Wiesen und Weiden. Wir stapfen den Hügel hinauf an einem Bauernhof vorbei und sehen vor uns schon den Wald. Unter uns einige Häuserreihen, dann die Verbindungsstraße, die Bahnlinie und dann der See. Ganz entkommt man dem Verkehr und der Bahn in dieser Gegend nie. Das Häuschen, das wir uns anschauen ist allerliebst.

Im Gespräch zeigt sich wieder einmal wie klein die Welt ist (das mit den 9 Milliarden Bewohnern glaube ich schon lange nicht mehr, das ist bestimmt aus der Feder der Macher der Klimaerwärmung… :-)): Wir gehen durch den Keller, vorbei an einer Siemens Waschmaschine und Trockner. Ich meine: „Gute Marke“. Die Vermieterin: „Sagen Sie bloß, sie sind auch bei Siemens. Dann kennen Sie meinen Mann.“ Keine Frage von ihr, eine Aussage… Ich bin kein Freund dieses „Kennen sie Frau X, die ist auch bei Siemens in …“, frage aber höflich nach dem Namen. Sie: „Milde“. Ich: „Ich kenne nur einen Milde, Johannes Milde“ (der ehemalige Gesamtchef der Gebäudetechnik). Sie: „Das ist mein Mann“. Wie klein kann die Welt sein.

Wenn ich jetzt noch die Geschichte erzähle, dass mein ChefChef hier (Rolf) sich die Wohnung meines Vorgängers (Rene) angeschaut hat, als er damals in die Schweiz gezogen ist, zeugt das schon fast von Inzest im Wohnungsmarkt.

Das Haus ist wirklich stylisch, schnuckelig, aber etwas auf der kleinen Seite (eigentlich fehlt dadurch, dass viele Flächen ineinander übergehen zumindest noch ein abgegrenzter Raum).

Das andere Objekt ist ein Apartment. 3.5 Zimmer Erdgeschosswohnung mit Terrasse und Gartenanteil. ein großer Wohnzimmer – Essbereich – Küchen-Raum, 2 Bäder, 2 große Schlafzimmer oder Arbeitszimmer, Kelleranteil, Tiefgarage direkt vom Haus erreichbar. Noch ein Balkon zur verkehrsberuhigten Straße raus (für was auch immer man den nutzen kann). Nur 5 Minuten bis zur S-Bahn Haltestelle. Vermieter sind ein älteres Ehepaar, die scheinbar zum rechten Zeitpunkt in Wohnungen investiert haben und jetzt ein gutes Einkommen genießen.

Am späteren Nachmittag wälzen wir Pros und Cons und ich entscheide mich für das Apartment (beide wären zum 1.7. frei, was genau in meine Planung passt). Dort angerufen und wir sitzen 30 Minuten später bei den Vermietern und gehen die offenen Punkte durch. Danach wollen sie den Vertrag erarbeiten lassen und sich wieder bei mir rühren…

Was war jetzt der Unterschied? Keine oder wenige Mitbewerber, vermutlich weil die Welt sich heute auf das Internet stürzt (ich ja auch), Bilder sehen will, Google Satelliten-Forschung betreibt, bevor sie den ersten Schritt in den Ort oder die Wohnung tun…

Ich hätte natürlich noch weiter suchen können, doch was kommt dabei raus? Ich habe ein Apartment, was einen sehr guten Eindruck macht, mit Gartenanteil, 5 Minuten zur S-Bahn, 8 S-Bahn-Minuten nach Zug, von dort 5 Minuten in mein Büro. Und ich bin im meinem „da kriegst Du nie was“-Preisrahmen geblieben.

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