02.06.2015: Verspäteter Start ins scheinbar verfluchte Schottland

Mit Schottland ist das so eine Sache: Wir beide mögen das raue Land und wollen viel davon sehen. Doch Schottland scheint uns nicht sonderlich gewogen. In 2009, bei unserem ersten Versuch dieses Land zu erkunden, verletzte sich Tom am Fuß, als er eine geteerte Straße entlang trabte. Wohlgemerkt, nachdem wir anstrengende Wanderungen mit Geröllfeldern ohne Probleme überstanden hatten. So kam Gabi erstmals in den zweifelhaften Genuss, über Serpentinen auf einspurigen Straßen links zu fahren und dem Abgrund tief in die Schlucht zu starren. Wir brachen den Urlaub ab, ohne damals weiter in den Norden, u. a. zu den Orkneys vordringen zu können. Doch grad diese hatten uns so gereizt. Daher schworen wir uns damals, den Rest der Reise irgendwann nachzuholen.

Ein kurzer Aufenthalt in der USA später steht der Schottland reloaded wieder auf dem Programm. Tom plant bis ins kleinste Detail, vor allem die ersten Tage, wo das Wandern im Felsmassiv der höchsten Berge Nord-Großbritanniens auf unserer Wunschliste steht. Dank Detlev waren wir ausreichend mit Fernsehsendungen über die Cairngorns versorgt um zu wissen, dass wir dort hin müssen. Doch es kam anders. Aus gesundheitlichen Gründen muss Gabi kurzfristig eine Untersuchung machen lassen, nach der sie mindestens 3 Tage ruhen muss. Eigentlich steht mal wieder der ganze Urlaub auf dem Spiel. Doch wir schaffen es dann doch, mit 3tägiger Verspätung und einem umgebuchten Flug, mitten in unseren 2-wöchigen Urlaub einzusteigen. Dass wir dabei ausgerechnet, nein, nicht die Orkneys, aber doch die Cairngorns streichen müssen, kommt uns schon ein bisschen wie der Jachmannsche Scotland-Fluch vor.

Doch lassen wir uns von so was abschrecken? No way: Selbst ein unfähiger Einstiegstreppen-Fahrer, der die Triebwerke des Flugzeugs beschädigt, kann uns nicht mehr lange von Schottland abhalten. Während des Fluges lernen wir noch einen alternden Weltenbummler aus Kanada kennen, der seinen ganz eigenen Traum lebt. Jetzt lebt er mit seiner japanischen Frau in Australien und reist um die Welt, um als Kampfkunst-Trainer seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Ganz gegen die Vorhersage seiner Mutter, die in der Jugend immer gemeint habe: Junge, lern was Gscheites… J

Wir backen kleinere Träume mit unserem Schottland-Urlaub. Am Reisetag wollen wir unsere Planung quasi wieder einholen und fahren „immer nach Norden“. Ja, so beschreiben es auch die Richtungsschilder an der Autobahn: „The NORTH“. Die Langweiler wären jetzt einfach die Autobahn immer weiter nach Norden bis Inverness gebrettert. Doch „Abenteurer“ wie wir haben sich zumindest noch ein Ziel gesetzt: Entlang des ganzen Loch Nesses zu fahren. Vielleicht guckt Nessie ja heute mal aus dem Wasser. Die Strecke ist dadurch zwar weniger entspannend, führt uns aber dafür sehr romantisch quer durchs Hinterland, vorbei und über Hügel und Löcher, in der Ferne noch Schneereste auf den Bergen. Allerliebst. Tom brettert also mit 60 Meilen pro Stunde auf Landstraßen durchs Nichts und hat seinen perfekten Urlaubsbeginn, Gabis Vertrauen in seine Fahrkünste ist scheinbar recht groß, denn sie dämmert sogar weg und verpasst sogar einen Teil des Loch Ness. Das Biest lässt sich ja auch nicht blicken… Am Urquart-Castle rollen wir auf einen fast leeren Parkplatz. Wir sind eindeutig zu spät dran, nach wenigen Minuten sind wir die einzigen auf dem Parkplatz. Wir hatten ja schon an diesem ersten Tag die ganze Palette schottischen Wetters, doch nun reißen die Wolken auf, das Castle glänzt im Abendlicht und die Atmosphäre ist so schön friedlich, dass dies die paar Bilder, die wir durch den Zaun schießen können, nur einen Bruchteil davon wiedergeben können.

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Unsere Unterkunft in Inverness ist romantisch am Fluss Ness gelegen und nur wenige Minuten von der Innenstadt entfernt. Damit haben wir auch schon alles Gute über die heutige Übernachtungsmöglichkeit gesagt. Tom wird an den 1. New York-Urlaub mit Uwe erinnert, wo kaum genug Zimmer um das Bett herum vorhanden ist, um die Koffer abzustellen. Egal, für eine Nacht taugt’s.

Wir entscheiden uns, in einem laut Werbung preisgekrönten Pub Essen zu gehen. Tom: „Wenn Gordon Ramsay hier schon gegessen hat, kann es nicht so schlecht sein“. Mein Gott haben wir uns getäuscht. Klang die Beschreibung auf der Karte verführerisch, hält die Wahrheit damit hinterm Berg. Welcome to Englands culinary delights J

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