03.06.2015: Into the North

Nach entspannten Tagen in den Cairngorms steht heute der stressigste Tag des Urlaubs an. Upps, den Entspannungsteil haben wir ja weggelassen.

Heute stehen die verschiedensten Stopps und Unternehmungen auf dem Plan, allerdings alle verbunden durch das eine Ziel: Die Fähre um 19 Uhr in Scrabster zu erwischen, die uns auf die Orkneys bringen soll. Der Tag ist deshalb straff durchgeplant. Hilfreich ist hier allerdings, dass wir noch nach deutscher Zeit wach sind und eigentlich schon um kurz nach 7 zum Abmarsch bereit. So spazieren wir noch kurz durch die noch schlafende Innenstadt von Inverness, überreden durch netten Zulächeln einen Ladenbesitzer uns schon vor 8 Uhr die Tür aufzuschließen. Dieser versorgt und dann auch mit ofenfrischen Pastries, also Blätterteigpasteten mit deftigen Füllungen. Diese sind deshalb allerdings noch so heiß, dass wir sie erst im Laufe der nächsten Stunden essen werden.

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Währenddessen geht es schon mal los nach Beauly, wo eine halb verfallene Priorei (also eine Kirche) zu besichtigen ist. Wen wundert es, wir sind die ersten, so genießen wir die Morgenstimmung am sonnenbeschienenen Friedhof und dem alten Gemäuer. In einem uralten Baum sitzen Raben und krächzen stimmungsvoll. Als es zu tröpfeln anfängt wissen wir, es soll weiter gehen.

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Weiter Richtung „the North“.

Der nächste Halt ist auch ein von Tom aus den Tiefen des Internets ausgegrabener Geheimtipp, die Clootie Well. Dabei handelt es sich um eine Quelle, der man magische Wirkung nachsagt. Wenn man hier ein Kleidungsstück zurück lässt, soll es einem Glück bringen. Und dieses wollen viele, wirklich viele Leute ausnutzen. Überall sind an die Bäume und Büsche Kleidungsstücke gebunden. Socken, Hosen, Hemden, Schuhe… wir sind die einzigen hier und können uns der Stimmung nicht entziehen. Es liegt eine greifbare Schwere über diesem Ort,. Sie ist friedlich, doch schwingt auch etwas anderes mit. Gabi beschreibt es als Morbidität, Tom eher als das Klammern an erfüllte oder unerfüllte Hoffnungen. Nachdenklich gehen wir zurück zum Auto.

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Weiter Richtung „the North“.

Wir steuern als Nächstes eine Wanderung an. Tom hatte das Bild eines großen Steintores auf einer Hochebene in den schottischen Hügeln auf irgendeiner Homepage gesehen und relativ lange recherchieren müssen, um herauszufinden, worum es sich dabei handelt. Er identifiziert es als das „Fiery Monument“ und findet auch noch eine 6 km Wanderung mit 300 Höhenmetern dorthin. Also nichts wie los. Die Wanderung geht immer den Berg hinauf. Am Anfang durch einen alten Wald, doch bald am Rande einer Klippe entlang immer höher auf die baumlose Hochebene. Wir erkunden einen kleinen See (Tom mit seinem linken Fuß etwas zu intensiv) und kommen irgendwann an das sonnenbeschienene Steintor im Nirgendwo. Dahinter eröffnet sich ein völlig unerwarteter Blick auf die Weiten der Highlands, doch auch das Tor selbst ist sehr fotogen. In einiger Entfernung ist eine Regenwolke, die sich hartnäckig hält und von der der immer vorhandene Wind immer wieder einen Regenschauer zu uns herüber treibt.

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Von hier oben hat man einen fantastischen Blick über den Cromarty Firth und die ginstergelben Hänge der umgrenzenden Hügel. Im Firth sehen wir die ersten Bohrinseln.

Nachdem eine 3er Gruppe schottischer Jugendlicher sich am Monument ausgetobt hat, haben wir es für uns alleine. Sehr ruhig, nur das Pfeifen des Windes ist hören. Erst während des Abstiegs kommen uns einige Leute entgegen.

Weiter Richtung „the North“.

Zum nächsten Halt geht es ein gutes Stück nach Norden, jetzt meist direkt an der Küste entlang. Um uns herum sehen wir ganze Hänge voll unglaublich gelb blühendem Ginster.

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Irgendwann erreichen wir Dunrobin Castle. Wir grübeln heute noch, warum uns dieser Name so vertraut vorkommt. Wurde hier mal ein Film gedreht oder woher kennen wir es nur? Jedenfalls schaffen wir es nicht mal ins Schloss selbst, denn gleich an der Kasse werden wir auf eine Vorführung des Falkners in nur wenigen Minuten hingewiesen. So stromern wir schnurstracks die herrschaftliche Treppe in den großen, englischen Garten des Schlosses, der zwischen dem Schloss und dem Meer liegt, hinunter. Hier findet man kultivierte Hecken wie auch wilde Teile des Gartens. Der friedliche Anblick wird etwas beeinträchtigt durch eben die Kultivierung. Dröhnende Motorsägen gehen der Wildheit an den Kragen.

Beim Abstieg strömt uns ein intensiver Duft von riesigen Blättern mit monströsen Blütenstauden entgegen. Dank einer Tafel wissen wir jetzt, dass es sich um „Giant Rhubarb“, also um gigantisch großen Rhabarber handelt. Während der Wind von einer vorbeiziehenden Wolke einige Tropfen Regen herüber weht sehen wir die Vorführungen des Falkners und einem seiner Bussarde, einer Eule sowie eines Turmfalken. Alle kämpfen sehr mit dem böigen Wind, kriegen aber natürlich genug zugeworfene Küken ab.

Durch die Vorführung und unseren Spaziergang danach durch die Gärten müssen wir dann irgendwann wirklich los.

Weiter Richtung „the North“.

Die Strecke ist jetzt nicht mehr zwei-, sondern nur noch einspurig und Tom kommt sich vor wie der Rennfahrer Colin McRae. Dann geht es über ein Gatter und wir sind endgültig im Schafsterritorium angekommen. Hier können die Schafe frei grasen und natürlich ist das Gras am Straßenrand viel grüner und der Asphalt für ein Schläfchen viiieeel bequemer als die Wiese J Wir kämpfen uns Meter um Meter weiter (nun bewiesen: Wir sind dickköpfiger als Schafe) und parken uns für unseren letzter Stopp bei den Gray Cairns of Camster. Eine runde und eine lang gezogene Grabkammer sind mitten im Nichts wieder aufgebaut worden. Wenn man einmal die Bolzen aus den Stahltüren, die die Grabkammern vor den Schafen schützen, herausgezogen hat, erkennt man schnell wie eng und lang die Steinschächte sind, durch die man klettern muss. Wie gut zu verteidigen sind die schlammigen Gänge gegen Eindringlinge, die zu etepetete sind, sich die Hosen dreckig zu machen. Der hintere Eingang ist dann etwas besser, und Gabi schießt begeistert Fotos vom fast eingeklemmten Hintern ihres Gatten. Zitat: „Lass mich als erstes wieder raus. Wenn Du stecken bleibst, bin zumindest ich davon gekommen“ 🙂

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Unsere beiden Hinterteile wieder sicher auf dem Autositz, geht es auch schon zur Fähre. Denn die nächsten Tage sind ja für die Orkneys reserviert. Die Überfahrt ist nicht spektakulär, doch auf Dauer wird auch Tom etwas flau im Magen. Gabi ist schon ab Ablegen außergewöhnlich still. Dank Toms Vorbereitung finden wir dann auf Mainland perfekt unser B&B und checken entspannt ein. Später erfahren wir, dass ein australisches Pärchen, das mit uns auf der gleichen Fähre war, über eine Stunde länger gebraucht hat, da sie sich auf Internetzugang am Handy verlassen hatten…. Da saßen wir schon bequem am Feuer.

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