04.06.2015: Zurück in die Vergangenheit

Heute wird die 30 Grad-Marke geknackt. In Deutschland. Hier auf den Orkneys freuen wir uns schon über zweistellige Temperaturen und die Sonne, die uns beim Aufstehen an der Nase kitzelt.

Nach einem herzhaften Frühstück im B&B (Tom riskiert mal wieder Fisch, Schellfisch eingelegt in Milch) und angeregten Unterhaltungen mit 2 weiteren Pärchen, entscheiden wir uns heute vorerst für die Touri-Tour. Das Warm-Up besteht aus einem nicht mehr vollständig vorhandenen Steinkreis, den Standing Stones of Stennes, die 3400 – 3200 vor Christus aufgestellt wurden. Es ist der älteste der etwa 700 Steinkreise auf den Britischen Inseln.

Danach lassen wir uns sehr viel Zeit, den sehr vollständig wirkenden Steinkreis (den 3.größten überhaupt, größer als Stonehenge, es stehen noch 27 von 60 Steinen), „Ring of Brodgar“ auf uns wirken zu lassen. Um uns herum grüne Hügel, tiefblauen Lochs und grasende Kühe und Schafe auf ihren Weiden. Mittendrin der sonnenbeschienene Steinkreis, der auch wirklich etwas Mystisches ausstrahlt.

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Erst als eine ganze Busladung voller Touristen den Parkplatz rockt, verziehen wir uns. Auf geht es gleich zur nächsten Attraktion, einem im 19. Jahrhundert nach einem Sturm wieder entdeckten, 5000 Jahre alten Dorf. „Skara Brae“ . Dank einer sehr gut gemachten Computeranimation im Besucherzentrum, erkennt man aus wie vielen Schichten sich die Geschichte hier überlagert hat. Eines der Gebäude wurde komplett rekonstruiert und kann besichtigt werden. So kann man sich sehr gut vorstellen, wie die Leute früher „unter den Steinhaufen“ in sehr großzügig ausgelegten Häusern gelebt haben. Inkl. Bettboxen und Wasserbecken für lebenden Fisch und Meerestiere. So richtig beeindruckend ist dann der Rundgang um die Originale herum, die man nicht betreten darf, von denen man aber auch von oben einen guten Eindruck über die Fortschrittlichkeit und Durchdachtheit der Architektur bekommt. Z. B. waren Teile des Bodens bereits gepflastert, und es gab Regale in den Häusern sowie ein Abwassersystem.

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Auch hier lassen wir uns wieder von einer Busladung vertreiben und verziehen uns an den direkt anliegenden Sandstrand, der sehr malerisch und einladend nach einem Fußbad schreit. Gabi hält es in der eiskalten Nordsee jedoch nur einige Sekunden aus, strahlt dafür umso mehr, auch wenn die Füße gefühlt abgestorben sind.

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Nach einem improvisierten Mittagessen auf den Klippen auf der anderen Seite der Bucht

_DSC4695kommt ein Zwischenstopp an der Barony-Mill, einer noch funktionierenden Mühle. Diesen allerdings verschläft Gabi, die plötzlich auf ihr Nachmittagspäuschen besteht und danach etwas braucht, um wieder aktiv zu werden.

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Dabei hilft die frische Seeluft, denn wir bewegen uns auf nicht so ausgetretenen Pfaden wieder weiter zu Skippi Geo, einer verlassenen Fischerhütte, die an einem natürlichen Landeplatz für Fischerboote liegt, Wir erkunden Hütte und die Bucht und klettern etwas über glitschige Steine. Die dort an den Felsen brütenden Möwen sind empört über uns Eindringlinge. Hier gibt es verschiedene Muscheln in Hülle und Fülle, doch da sie alle noch bewohnt sind, wird es nichts mit Mitbringseln oder Andenken.

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Tom hat sich etwas von der Sehstärke des Turmfalken von gestern angeeignet und sieht etwas in der Ferne auf einer Klippe, das er schon auf einer Postkarte entdeckt hatte.

Und tatsächlich, nachdem wir gegen den jetzt auffrischenden Wind 5 Minuten an den Klippen entlang gewandert sind, kommen wir an einen riesigen, verwitterten Walknochen, der auf einem Holzpflocken ganz am Ende der Landzunge steckt. Später liest Tom in Internet, dass der Wal 1878 gestrandet ist. Jetzt zeugt er zusammen mit den aufziehenden, dunklen Wolken und den schreienden, nistenden Vögeln für eine Endzeitstimmung die wir versuchen in uns aber auch in Bildern festzuhalten, bevor wir uns vom Wind zum Auto zurückwehen lassen.

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Was für ein Abschluss eines gleichzeitig ruhigen, ungehetzten und doch ereignisreichen Tages. Naja, ganz zu Ende ist er noch nicht, denn nachdem wir uns frisch gemacht haben geht es noch zu einem ausgezeichneten Dinner nach Kirkwall ins Kirkwall Hotel. Dort essen wir alles, was die Insel hergibt: Lachs, Seebarsch, Lamm und Rind. Kein noch so süßes Tier ist sicher vor uns :-).

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