05.06.2015: Vom Winde verweht

Heute gibt es Lachs zum Frühstück und es regnet. Weiterhin ist es sehr windig. „Ein Tag, um etwas drinnen zu unternehmen“ meint unsere Vermieterin. Wir stimmen dem nicht zu. Wir wollen raus. Deshalb fahren wir dorthin, wo es sehr windgeschützt ist: Auf eine Klippe westlich von Ysnaby. Die Straße dorthin ist schmal und wir kommen an wenigen Häusern vorbei – die meisten davon sehen verlassen oder gar verfallen aus. Hier will scheinbar keiner wohnen. Wir erahnen warum: Hier prügelt der Wind auf uns ein, wie wir es selten zuvor erlebt haben. Die Türen des Autos kriegt man kaum auf und es reißt an unseren 3 bis 4 Lagen Kleidung. Beim Gehen setzt man den Fuß meist dahin, wo ihn der Wind hin haben will, weniger wo wir es wollen.

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Doch es macht Spaß, sich über Gras langsam zur sehr malerisch vor uns liegenden Steilküste vorzuschieben. Unser Ziel ist eine Felsennadel, die vor den Klippen alleine im Meer steht. Immerhin hat es zu regnen aufgehört. Als Tom so dasteht mit seiner aufgeplusterten Regenjacke sieht er aus wie einer dieser Reporter mit Fellmikro, die immer aus Hurricangebieten berichten.

Hier wird ja mal kein Reisebus voll Touristen anzutreffen sein! Denken wir. Auf dem Rückweg, kurz bevor wir das Auto wieder erreicht haben, fährt dann wirklich und wahrhaftig der obligatorische Reisebus vor, aus dem sich Touristen in dünnen Jäckchen auf die Klippen ergießen. Eigentlich würden wir gern noch sehen, ob die sich wirklich vor trauen ohne jeglichen Windschutz. Doch wir haben schon unseren nächsten Termin und so packen wir unsere Mützen, Handschuhe, Regenjacken, Windbreaker, Halstücher etc. wieder ins Auto und fahren weiter.

Wir wollen uns nun Maeshowe anschauen, das ist eine über 5000 Jahre alte Grabkammer. Diese kann man nur im Rahmen einer Tour besuchen, die wir schon tags zuvor gebucht haben. Der Clou ist, dass hier sogar zwei vergangene Kulturen bleibende Eindrücke hinterlassen haben: Die Grabkammer wurde im 13. Jahrhundert von Wikingern aufgebrochen, die dort für einige Tage Zuflucht vor einem schweren Wintersturm gesucht hatten. Nachdem diese sich offensichtlich extrem gelangweilt haben, findet man nun in den Steinen der Grabkammer die größte Anzahl an Runen aus dieser Zeit außerhalb Skandinaviens.

Unser Tour Guide ist eine taube Schottin, die sich allerdings dadurch nicht abhalten lässt, uns die Geschichte lebhaft und sehr engagiert näher zu bringen. So zeigt sie uns dann auch die Runen, von denen viele unglaublich tief gehende Einsichten in die Hochkultur der Wikinger aufweisen: „Ofram Sigurdsson hat diese Runen geritzt“ oder „Ingigeret ist die Schönste“. Man findet hier aber auch eine kleine aber gekonnte eingeritzte Figur, die als „Maeshow Drache“ bekannt ist. Alles in Allem eine sehr interessant gemachte Tour, auch wenn Tom sich beim In-Der-Hocke-Laufen in dem niedrigen Eingangstunnel natürlich prompt ganz böse den Eumel (Beule was here) anrennt.

Danach machen wir eine kleine Mittagspause (endlich kommt Gabi zu ihrem Schläfchen!), bevor wir dann zum Erkunden, Abendessen und Shoppen Richtung Kirkwall aufbrechen. Vorher noch ein kleiner Abstecher zu einer weiteren kleinen Grabkammer auf einem Hügel . Doch wir schrecken ob des Matsches im Eingangstunnel vor dessen Besichtigung von Innen zurück. So sind wir dann kurz vor 17 Uhr in Kirkwall, wo wir feststellen, dass hier schon die Gehsteige hochgeklappt sind. Wir sehen einige Touristen, die verzweifelt versuchen ihr Geld in Souvenirs anzulegen, jedoch an den früh schon nach Hause gegangenen Ladenbesitzern scheitern. So schauen wir uns die Kathedrale, den Bishops Palace sowie den Earls Palace an. Letzteres scheinbar von einem solchen Schinder der Leute erbaut, dass dieser dafür später vom König einen Kopf kürzer gemacht wurde. Wir haben uns dann einen Italiener zum Abendessen ausgesucht, der heute allerdings geschlossene Gesellschaft hat. Hmm. Zweiter Versuch: Helge’s Pub, dass auf Toms Empfehlungsliste stand. Und das Essen (Gemüsesuppe, Rippchen als Vorspeisen sowie ein vegetarischer Burger und Fish und Chips für Tom) war wirklich sehr lecker.

Auch diesen Abend lassen wir im B&B am Kaminfeuer bei Gesprächen und Tagebuchschreiben ausklingen.

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