06.06.2015: Wir wollen auch Puffins sehen :-(

Eine Vogelart, die es in die Orkneys gibt, sind die Puffins, auf Deutsch Papageientaucher. Diese sehen wir Mini-Pinguine mit rotem Schnabel aus. Die Australier, die auch im B&B wohnen sind ganz verrückt auf diese und es scheint uns, als wäre dies der einzige Grund, warum sie überhaupt hier her gekommen sind. Jedenfalls hatten diese gestern (nachdem es diese Vögel zu dieser Jahreszeit auf Mainland nicht gibt, eine Fährfahrt auf die noch nördlicher liegende Insel Westray gebucht sowie dort einen Mietwagen. Das hätten wir auch tun können und Tom ärgert sich etwas nicht auf diese Idee gekommen zu sein. Naja, immerhin bleibt auch hier der versprochene Regen noch etwas aus.

Nachdem andere Gäste von der „Tomb of the Eagles“ erzählt haben, haben wir uns diese heute stattdessen vorgenommen. Dazu muss man über mehrere Dämme bis ans Südende der von Mainland mit dem Auto aus erreichbaren Inseln fahren. Hier liegt im Nirgendwo auf einer Klippe diese neolithische Grabkammer. Von einem Farmer entdeckt und brav an die Behörden gemeldet. Dann passiert halt mal über 10 Jahre NICHTS. Irgendwann wird es dem „local guy“ zu bunt, schließlich liegt das Ding ja auf seinem Land. Also heuert er einen Archäologen samt Team an die die fangen mal illegaler Weise an zu graben. Sie finden neben hunderten menschlichen Skeletten und Knochen auch jede Menge Alltagsgegenstände und vermutlich zeremonielle Artefakte. Mit diesen geht man hier mal so richtig auf Tuchfühlung. Wir dürfen im Visitor Center die Fundstücke alle mal in die Hand nehmen (eigentlich werden sie uns eher schon aufgedrängt). 5.000 Jahre alte Perlen in der Hand zu halten ist schon etwas ganz Besonderes. Wir bekommen auch eine eingehende Präsentation zu der Fundstätte, den Funden sowie einer ebenfalls hier liegenden bronzezeitlichen Fundstätte, die scheinbar eine Art Werkstatt war, in der Wasser erhitzt wurde. Für welchen Zweck kann nicht mehr rekonstruiert werden. Grübelnd dürfen wir über die Felder losziehen, denn die Grabkammer ist ca. 1 km entfernt. Unterwegs besichtigen wir noch die Reste des bronzezeitlichen Hauses: In der Mitte gibt es ein großes Steinbecken in dem man verbrannte Steine gefunden hat. Diese wurden offensichtlich in der gleich daneben befindlichen Feuerstelle erhitzt um dann das Wasser im Becken zu erhitzen. Gleich neben diesem Becken gibt es ein weiteres Wasserbecker, dass mit einem kleinen Fluss außerhalb der Steinmauern verbunden ist sowie einen Ausguss. Badehaus? Waschhaus? Färberbecker? Bierbrauerei? Alles scheint möglich, für Tom aber nicht vieles davon sinnvoll erklärlich. Das hier sieht nach Massennutzung aus, weniger nach einem „wir baden einmal im Monat-Badehaus der Steinzeitmenschen”, denn neben dem Haus ist ein riesiger Abraumhügel aus vom Feuer zerplatzten Steinen, d.h. das Gebäude hier wurde lange und intensiv genutzt.

Nachdem die Zeitmaschine noch nicht erfunden wurde und auch wir keine weiteren sachdienlichen Hinweise finden, gehen wir irgendwann weiter zur Grabkammer. Die Grabkammer der Adler heißt so, weil man hier auch viele Skelette von Adlern gefunden hat, weshalb man annimmt, dass es sich dabei um das Wappentier des Stammes gehandelt haben könnte. Nachdem viele der Menschenknochen auch sehr verwittert wirken, vermutet man, dass einige Skelette im Freien liegen gelassen wurden und den aasfressenden Adlern bewusst dargeboten wurden. Ja so hat jeder seine Bräuche….

Der Eingang ist superflach und schmal. Cleverer Weise hat man ein Brett auf Rollen vorgesehen, auf das man sich mit dem Rücken legt und an einem Seil, dass an der Decke des Eingangsschachtes befestigt ist, entlangzieht. Das ist doch mal was! Auch ansonsten ist von einer „nicht berühren“ und „keine Fotos“ Mentalität wie in Maeshowe nichts zu spüren. Ist ja auch kein Aufsichtspersonal da. Wir erkunden die Kammer, bleiben auch diesmal nicht stecken, machen aber auch diesmal keine weiteren bahnbrechenden Funde. Also wandern wir auf einem Klippenweg wieder zurück

DSC00972

Richtung Auto, nicht ohne einige der Bänke zu nutzen um die noch vorhandene Sonne zu genießen und den Vögeln und Wellen zuzuschauen. Nur zwei Äcker weiter steuern wir dann Skerries Bistro an. Ganz neu und mit einer kompletten Glasfront trennt es uns von dem plötzlich hereingezogenen Wolkenbruch und erlaubt uns trotzdem das Panorama der Klippen weiter zu bestaunen. Auch das Mittagessen ist lecker. Tom hat eine Fischsuppe, Gabi eine Gemüsesuppe. Danach teilen wir uns noch eine leckere Fruchttorte.

So gestärkt fahren wir mit einem kurzen Stop an der Italian Chapel

nach Kirkwall zurück, wo zwar jetzt die Läden offen sind, wir aber trotzdem wenig zum Mitbringen finden. Kitsch lass nach, Du bist umzingelt… So zieht es uns dann erst mal wieder zurück ins B&B um dort ein Päuschen einzulegen. Mittagsschläfchen!!!

Am Abend brechen wir nochmal auf, um nicht so leckeren Fish and Chips zu mampfen und die laut Hauswirtin absolut beliebte Parade der örtlichen Dudelsackgruppe zu bestaunen. Wir haben zwar in den USA schon wesentlich größere Bands gesehen, aber diese hier sind zumindest ECHTE Schotten, und Mühe geben sie sich auch. Sehr stimmig zu dem immer noch pfeifenden Wind und den kühlen Temperaturen. Wir lassen den Abend wie schon gewohnt am Feuer, Gabi mit zwei Tassen liebevoll von der Hauswirtin zubereiteten Tees und den von ihr selbst gebackenen Keksen, ausklingen. Das werden wir morgen ganz sicher vermissen!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Schottland veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s