09.06.2015 Bitte, liebe Fee, mach die anderen Touris weg

Eine der beeindruckendsten Gebirgsformationen auf der Isle of Skye sind die Cullins. Diese werden als Wandergebiet weithin gelobt und sind eigentlich der Hauptgrund, warum Tom das Gefühl hatte, dass wir das letzte Mal die Isle of Skye nicht wirklich erkundet haben. So suchen wir eine Wanderroute in diesem Gebiet. Wir stellen schnell fest, dass wir hier völlig naiv waren. Wenn man in Schottland von Gebirgsmassiv und Wandern redet, scheint das immer mehrtägig, mit Kletterausrüstung und anspruchsvoll zu sein. Da kriegen wir diesmal unsere schwangere Bergziege Gabi sicherlich nicht hinauf. So entscheiden wir uns (eher durch Ausschlussverfahren) für eine Annäherung an die Cullins, d.h. eine Wanderung, die sich eher in ihrem Schatten bewegt, als wirklich in das Gebirgsmassiv hinein zu führen. So kommen wir auf eine Wanderung, die den bezaubernden, fast schon entrückten und nach Einsamkeit klingenden Namen „Faerie Pools“ trägt.

Von Feen ist hier nichts zu spüren. Diese haben sich mit absoluter Sicherheit vor den Rudeln an Touristen versteckt, die sich zu den smaragdfarbenen Pools und Wasserfällen entlang des River Brittle wälzen. Hatte die Anfahrt über Hinterlandstraßen eher für Einsamkeit geworben, scheinen sich hier alle Touris der Insel für die Wanderung zu treffen. Naja, zumindest sehen wir dort die auch in unserem Hotel abgestiegene Familie aus der Schweiz und es verschlägt das junge amerikanische Pärchen am nächsten Tag dort hin. Zum Glück halten es die meisten mit Bilbo Baggins, und wandern nur „out and back again“, d.h. das kleine Stück zu den Pools und wieder zum Auto. Wir sind leidlich früh dran, so dass wir sogar noch auf dem offiziellen Parkplatz unter kommen – und selbst wir wünschen schon die laut labernden, schreienden, nöhlenden Touristen tief in die Pampa. Wir können uns nur vorstellen, wie das danach noch wird, als bei unserer Rückkehr der Parkplatz sowie alle möglichen Lücken entlang der Straße mit Autos zu geparkt sind. Von den Reisebussen mal gar nicht geredet, die hier nur ihre Höllenbrut ausspucken, bevor sie weiterfahren.

Doch ich greife voraus. Die Cullins sind phantastisch. Hohe abgerundete Formen (von Gabi fachmännisch als „sind halt schwarze Berch“ benannt). Entlang des Flusses gibt es kleine Schluchten, immer wieder Wasserfälle, und eben die beiden besagten Pools mit türkisgrünem Wasser. Sehr nett. Es geht immer leicht bergauf und wir lassen die Meuten irgendwann hinter uns.

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Wir wollen nämlich eine Rundwanderung machen. So kommen wir schnurstracks (auf leidlich matschigen Wegen) an den Fuß der Berge. Dort suchen wir uns einen schönen Stein und verzehren die mitgebrachten Körnerbrötchen mit Käse, Putenbrust, Ruccola und Tomate. Dazu kommt jetzt auch die Sonne durch den Dunst und wir genießen den Augenblick.

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Danach wird es feucht. Wir wandern einen wenig begangenen Weg entlang am Fuße des Berges, der sich als nachhaltige Schlammschlacht herausstellt. Man kennt das ja, wenn der Trampelpfad matschig ist, weichen die Leute halt nach links und rechts aus. So entstehen mehrere mögliche Trampelpfade nebeneinander. Wenn allerdings die Wahl aus den teilweise vorhandenen 8 parallelen Wegen keinen Unterschied mehr macht, weil sie alle verschlammt sind – und der Hang kein weiteres Ausweichen ermöglicht, muss man halt von Grassode nach Grassode nach PLATSCH springen. So kommen wir dann reichlich verdreckt auf einen besseren Weg, der uns wieder Richtung Auto bringt.

Die Wanderung hatte trotzdem viel Charme.

So belohnt sich Tom mit einem BBQ Pulled Pork Wrap vom obligatorischen Fastfood Stand am Parkplatz während Gabi selbst gemachte Cookie-Eiscreme leckt. Jedem das Seine.

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Da fehlt nur noch das Pulled Pork 🙂

Doch der Tag ist noch jung. Wir wollen auch noch die Gegend Richtung Elgol erkunden. Diese wurde in einigen Reiseführern hoch angepriesen. Dazu geht es auf schmalen Straßen ins südwestliche Hinterland, dort wo die Landschaft noch rauer wird, runde Hügel die Gegend prägen und eine Bucht ihres dazu tut, die Umgebung aufzupeppen. Wirklich toll anzuschauen.

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Dann fällt der Blick von Tom auf die Tankanzeige. Weil schnell klar wird, dass uns der Sprit auszugehen droht, drehen wir leider einige Meilen vor dem Ende der geplanten Strecke lieber um. Doch wir haben hier eine tolle, entlegene Landschaft gesehen.

Auf dem Rückweg halten wir noch an einem Friedhof mit verfallener Kirche. Hier soll eine Eisentür dafür sorgen, dass die Schafe wohl draußen bleiben. Diese hat ihren Zweck völlig verfehlt, denn zwischen den Grabsteinen grasen mehr Schafe, als in den Hügeln drum herum.

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Wir nutzen die verfallene Kirche noch für einige Fotos, bis wir uns schließlich auf den Weg nach Portree machen. Dieser Ort gilt als „Zentrum der Isle of Skye“. Was wir als sehenswertes erkunden ist allerdings lediglich eine nette farbige Häuserzeile am Hafen, damit haben wir dann auch schon alles gesehen.

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Fast logisch für eine Gegend, die offensichtlich den Tourismus lieber bremst wie unterstützt sind die Läden schon wieder mal alle um 17 Uhr geschlossen. Besser so, denn dann würden ja die Touris von ihren Tagesausflügen nach Portree zum Essen strömen und versuchen wollen, ihr Geld hier auszugeben. Dies wurde nachhaltig nach schottischem Sparprinzip unterbunden.

Wir haben ja mögliche Essens-Locations vorher schon mal gesichtet. Die Adresse des von uns anvisierten bevorzugten Restaurants kennt nicht mal unser Navi. Die zweite Alternative ist schon ausgebucht, die dritte hat schon zu. Nicht, dass wir damit schon durch alle Restaurants des Ortes wären, sondern nur durch die guten. So gehen wir in eine Pizzeria. Hier sollte man ja meinen, ein Restaurant, dass sich auf nichts anderes als Pizzen spezialisiert hat, kann diese auch noch gut. Weit gefehlt. Die Pizzen sind mit geschmackloser Tomatensoße dünnst bestrichen, Toms Pizza spärlichst belegt und der Rand ist verbrannt. Gabi nimmt eine Quattro Stagione, hier dominiert vor allem das Viertel mit Dosenoliven, die in einem großen Berg daherkommen (sollen diese die Cullins darstellen?). Wir jedenfalls sind nicht sonderlich angetan

Den Abend lassen wir mal wieder mit Schuhe waschen und entspannen ausklingen. Was für ein toller Blick auf die Bucht unter uns im Sonnen… ja was. Untergang gibt es hier um diese Jahreszeit nicht… Sonnensenkung? Sonnenhinterdenwolkenverschwindung? Irgendwie sowas, jedenfalls schön.

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