10.06.2015: Opps we did it Quiraing

Wir wälzen die Wanderbücher des B&B, vergleichen Wanderungen, sortieren aus, wägen ab… nur um letztlich zum Schluss zu kommen, dass die Wanderung 2009 im Quiraing Massiv zum Castle, Prison und der Needle eh nichts toppen kann und wir da noch mal richtig Lust drauf haben. Den Parkplatz auf dem Hochplateau finden wir diesmal auf Anhieb und rüsten uns zur Wanderung. Hier bläst der Wind sehr stark und von Sonne ist nichts zu sehen. Dafür ist die Wanderung, wie wir sie kennen, einfach phantastisch. Es geht in die grünen Klippen in ein verzaubertes Reich, alles ist hier so fast unnatürlich grün. Noch ist es bewölkt, wodurch die Gegend einen Touch Düsterkeit nicht verhehlen kann. _DSC5436

Der Wind, der uns am Anfang fast weg geweht hätte, verebbt fast schlagartig, als wir um die erste Ecke biegen und uns im Windschatten der hoch über uns drohenden Klippe befinden. Der Blick schweift auf das Massiv auf der anderen Seite, wo ein zwar leiser, aber penetrant hoher Ton zu hören ist. Da steht tatsächlich eine Filmcrew auf einem Plateau und eine Kameradrohne fliegt um die Schauspieler herum. Ob die da einen Film oder eine Werbung drehen, uns ist es egal, Hauptsache der Ton der Drohne ist bald nicht mehr zu hören. _DSC5462 Wir machen den Umweg durch das Castle. Eine Felsformation, die wie eine Festung steil aufragt und durch die man hindurchgehen kann. Wir sehen erst einen Hasen, dann zwei, dann drei, dann viele, dann sind alle in ihren Löchern verschwunden. Es wird klar: Diese Burg wird vom Geschlecht der Hasen bewohnt. Von hier aus kann man zurück gehen, doch Tom erinnert sich düster vor vielen Jahren hier auch einen anderen Weg wieder zurück zum Hauptweg gesehen zu haben. So gehen wir weiter und landen an einem Weidezaun. Der Haupttrampelpfad ist vielleicht 50 Höhenmeter fast genau über uns und der einzige Übergang über den Zaun befindet sich dort. Wir keuchenkraxeln also den steilen Hang hinauf und überqueren den Zaun. Vor uns liegt das schon vor Jahren kennengelernte Tal. In dessen Mitte liegt ein kleiner Tümpel, in dem Tom schon damals die Schilfpflanzen fotografiert hat. Dieses Mal sollen die Fotos besser werden und so kauert er am Ufer und knipst was das Zeug hält. Über dem Tümpel schwirren nur so die Mücken. _DSC5476

Danach wird das Tal steinig und wir steigen zu einem Grat auf. _DSC5496Hier will Gabi weiter auf die vor uns liegende Klippe, was wir dann auch tun und von dort nicht nur einen tollen Blick auf den Nordteil von Isle of Skye haben, auf das Meer sondern vor allem zurück auf das Quirang-Massiv. Was für ein toller Ausblick. Leider pfeift hier jetzt wieder ungeschützt ziemlich der Wind. So kauern wir uns in eine Kuhle und verzehren die wieder mitgebrachten belegten Brötchen. _DSC5498

Danach geht es an den harten Aufstieg auf den Quirang selbst, der gemeinerweise immer stückweise enthüllt, dass es noch weiter hoch geht. _DSC5544Irgendwann sind wir dann gaaanz oben an einem kleinen Obelisken, der das Gipfelkreuz darstellen soll. Hier ist leider kein Weg zu sehen, was uns nur leicht stutzig macht, immerhin zeigen klar sichtbare Holzpflöcke an, wo es hinunter geht. Wir stapfen also los. Die Wiese über die wir gehen ist nass, dann nasser, dann sinken wir bei jedem Schritt ein, es wird immer tiefer und unsere Schuhe sind schon längst wieder durchnässt. Wir kommen auf ein Gatter zu, das Tom nur mit dem Willen des „ich habe eh schon nasse Schuhe“ durch wadentiefen Matsch überwindet. Gabi schwingt sich am Gatter selbst über das Matschloch. _DSC5547Hinter uns kommt ein anderes etwas älteres Ehepaar den Berg herunter. Doch wo wollen die hin. Denn nach dem Gatter wird uns sehr schnell klar, dass der Weg, der eigentlich nach Süden gehen sollte immer weiter nach Westen abbiegt. Das ist NICHT unser Weg. Wir stapfen also erst mal die Höhenmeter bis zum Gatter zurück und überlegen, ob wir hier wieder eine Kneippbehandlung unserer Kleidung durchstehen müssen, als das andere Ehepaar sich auch als Deutsche herausstellt. Wir beraten kurz und ich bin letztlich der Meinung, dass, wenn wir dem Zaun folgen wir unweigerlich auf den anderen Weg kommen müssen. So gehen wir vorsichtig durch die Wiesen, die anderen Deutschen stürmen voraus. Hier ist der Boden alles andere als eben und rutschig und nass noch dazu. Vorsicht ist also wirklich angebracht. In der Ferne vor uns sehen wir, wie der Mann eine sonderbare Verrenkung macht und zusammenbricht. Ich denke mir noch super: umgeknickt. Und das hier oben, einige hundert Höhenmeter und keinen Weg sondern nur Steige und steile Abstiege. Es stellt sich heraus, dass er sich wohl eher einen Muskel im Oberschenkel gezerrt oder gerissen hat und wir vereinbaren, dass ich an der obligatorischen Bude am Parkplatz Bescheid sage und die am Abend die Bergwacht rufen sollen, wenn er sich dort nicht abgemeldet hat. Wir jedenfalls stoßen auf den eigentlichen Weg, der nicht mehr nass, sondern dazu auch noch schlammig ist und kämpfen uns bergab. Uns entgegen kommen immer wieder Wanderer, die erst den wirklich steilen Aufstieg als Beginn genommen haben um dann die Wanderung andersherum zu machen. Unter ihnen ein junger Bursche in Wildlederschuhen. Beige. Mit keinen noch so erdenklichen Dreck auf den Schuhen. Selbst die Sohlen sehen sauber aus. Wie er das gemacht hat ist uns unklar. Und warum er mit solchen Schuhen wandern geht erst recht. _DSC5554

Letztlich kommen wir unten an und Tom genehmigt sich einen (schlechten) Burger an der Bude bevor wir mit dem Auto über die Nordspitze der Isle of Skye wieder auf die Uig-Seite fahren. Zwei Versuche, noch ein bisschen aus dem Auto zu kommen scheitern schon nach einigen hundert Metern. Der erste, weil der Weg auf eine Koppel geführt hat, die abgesperrt war, der andere weil Tom die Lust ausgegangen ist. So fahren wir wieder zu unserer Unterkunft zurück, machen uns frisch und fahren zum Essen in Portree ins Harbor View Restaurant, wo wir gestern einen Tisch reserviert hatten. Laut Trip Advisor sollte es gut sein und es gibt auch nicht viele Tische und nur eine Tageskarte. Klingt vielversprechend. Hat sich wohl auch das junge Pärchen aus Texas aus unserem B&B gedacht, die wir hier wiedertreffen. Das Essen stellt sich dann nach Toms Meinung als teurer Flop heraus. Als Begrüßung gibt es selbst gebackenes, angebranntes Brot und Pop Corn mit 5 Spices (kann man machen – sollte es aber nicht). Auch die Hauptgerichte reißen nicht vom Hocker. Hauptproblem ist aber die Geschwindigkeit, so dass wir hier erst mal die nächsten 2.5h für 3 Gänge festsitzen. Gabi dagegen findet vor allem den Nachtisch, Kuchen mit flüssiger dunkler Schokoladenfüllung und dazu Basilikumeis zum Hineinlegen lecker. Das atemberaubende Farbenspiel am Himmel schließt diesen ereignisreichen Urlaubstag dann angemessen ab. _DSC5566 _DSC5572

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