20.06.2015: Meine Eltern hatten doch recht: Kartoffelchips bringen nichts Gutes

Ich sitze im Übergangsapartment und bin ausnahmsweise mal das Wochenende über in der Schweiz geblieben. Es ist Samstag Abend, das Essen, dass ich mir gemacht hatte war nicht so wirklich reichlich und ich kriege um ca. 21 Uhr einen Jeaper und erinnere mich an eine Tüte Chips, die noch im Auto liegt. Das Auto habe ich auf dem Parkplatz des nahegelegenen Hotels (dass auch mein Übergangs-Apartment vermietet) geparkt, nachdem das im Monat nur 80 CHF kostet anstelle von 150 CHF, wenn ich unter dem Haus in der Tiefgarage geparkt hätte. Ich tapper also rüber – in leicht dreckigem Schlabbershirt und Freizeithose. Wer sieht mich da auch schon auf dem kurzen Stück Weg? Am Auto denke ich mir: Warum ist der lackierte Stoßdämpfer links hinten so weiß? Ist das irgendwie getrockneter Schaum? Doch beim Wegwischen sehe ich schon, dass darunter kein Lack mehr vorhanden ist. Ich denke sofort: Super, Fahrerflucht. Doch bevor ich wutentbrannt ins Foyer des Hotels stiefele und nach einer Videoaufnahme des Parkplatzes frage, sehe ich einen Briefumschlag unter den Scheibenwischern. Der Unfallverursacher sei bekannt und ich solle mich doch bitte im Hotel melden.

Stiefel ich also gleich in meinem Look in die Lobby, und die Chefin verweist mich an einen seeehr älteren Mann, der neben vielen offensichtlich bei einem Dinner sitzt.

Ich – immer noch sehr gereizt – verlange von ihm, dass er für ein Unfallprotokoll mit auf den Parkplatz kommt, was er anfangs nur widerwillig tut. Er würde ja gerade Essen. Nach einem klaren „das interessiert mich wenig, ich kann auch die Polizei rufen“ kommt er dann mit. Und ich schreibe auf einen vom Hotel mitgebrachten Zettel ein Unfallprotokoll, in das ich gleich noch das volle Schadeingeständnis des Herrn einflechte. Er sei beim Rückwärtseinparken leicht hingekommen. Aja. Sein Auto: Ein Audio SUV hat wohl aus allen Abstandshaltern piepen müssen, was er vermutlich mangels Schwerhörigkeit (die er wirklich hatte) nicht mal mitbekommen hat. Er erklärt mir zum 4. Mal, dass sein Schaden ja wohl viel größer sei als meiner und ich mich ja wohl nicht aufregen müsse. Nachdem ich 2 Seiten Protokoll mit Adressen, Telefonnummern, Unfallhergang, Skizze usw. geschrieben habe, kommt er mit einem Euronorm-Unfallformular daher. Ob das was helfe? Jetzt nicht mehr.

Nachdem er das Protokoll und Schuldeingeständnis unterschrieben hat und verspricht am nächsten Montag gleich bei seiner Versicherung anzurufen, komme ich langsam von meiner Palme wieder runter, wir gehen zurück ins Hotel und lassen Kopien von dem Protokoll machen.

Ich meine mich hat eigentlich gar nicht der Unfall so aufgeregt. Sondern zum Einen die Tatsache, dass ich jetzt gerade keinen weiteren Stress und noch ein Thema brauchen konnte und auch, dass das Hotel (bei dem ich extra meine Autonummer hinterlegen musste und sie mit dieser auch umgehen konnten als es ums Bezahlen des Parkplatzes ging) nicht in der Lage war am Rechner herauszufinden, wer ich bin und mich einfach telefonisch zu verständigen.

Am nächsten Montag rufe ich dann bei seiner Versicherung durch, die auch schon im Bilde war. Und die Versicherung will auch noch einen Gutachter schicken. Bei dem soll ich vorbeifahren, irgendwann zwischen 9 und 13 Uhr. Von mir hören Sie ein ganz klares „Können Sie vergessen, da arbeite ich“. Warum sollte ich mich nach deren verqueren Arbeitszeiten richten? Dann rückt er raus, naja, die würden auch zur Werkstatt kommen (aber eben ungern). Und das könnte dann einen Tag länger dauern… Ist mir egal. Sollen die so machen.

Manuela macht eine VW Werkstatt ausfindig und die liegt sogar noch in Laufweite einer der S-Bahn Haltestellen zwischen der Firma und meinem finalen Apartment. Und bei dem verfügbaren Termin bin ich dann auch schon dort hin umgezogen. So passt das doch gut. Die Adresse zeigt sich, dass der Gutachter der Versicherung sich keine 30 Meter daneben im Nachbargebäude befindet. Das sollte also ja wohl klappen.

Die Besichtigung durch die Werkstatt passiert noch am selben Abend – endlich mal ein Laden, der nicht schon so früh zu macht, dass man einen halben Tag Urlaub nehmen muss um etwas gebacken zu kriegen. Sie brauchen das Auto 3 Tage und klären alle Verrechnung mit der Versicherung des Anderen. Dabei versprechen Sie auch noch für mich alle kleinen Macken, wo es ein Tropfen vom Lackstift tut zu patchen.

Also am besagten Tag das Auto früh um 6:30 Uhr abgegeben und 3 Tage später wieder in Besitz genommen. Sieht aus wie neu. Auch die kleine Nichtigkeiten sind übermalt und man hat mein Auto von Außen und Innen grundgereinigt. Alleine dafür war es den Unfall schon fast wert 🙂

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