26.06.2015: Den Kulturschock noch lange nicht überstanden

Die Schweiz ist nicht die USA und es ist auch nicht Deutschland. Wie heißt es so schön in einem Buch über Deutsche in der Schweiz: Die Schweiz ist nicht nur ein weiteres Bundesland mit einem sonderbaren Akzent. Das erlebe ich im Augenblick jeden Tag. Hier wird alles ausdiskutiert, alles muss demokratisch entschieden werden, sonst hat es keinen Bestand. Ein „macht das Bitte bis Freitag“ führt häufig nur deshalb zum Ergebnis, weil viele Kollegen sich schon auf die Deutsche Art eingestellt haben. Gabi erzählt mir heute noch wie man sich in einer Bäckerei verhalten sollte: „Grüezi, ist das heute nicht ein schönes Wetter. Das sind aber schöne Vollkornbrötchen! Ob ich da wohl welche bekommen könnte…“. Nie direkt, immer im Konjunktiv. Da muss ich wohl noch lange üben, bis mir das nicht mehr gegen den Strich geht. Bis dahin ist die „Ich hätte gerne 2 Brötchen“-Variante noch häufig im Gebrauch. Naja, eigentlich sollte man nicht mal Grüetzi sagen. Anders als in den USA, wo selbst der schlechte Versuch, die Landessprache zu sprechen, schon honoriert wird, ist es in der Schweiz ein Nogo zu versuchen Schweizerdeutsch zu reden. Hier werden keine Fehler verziehen und deshalb sollte man es einfach lassen. So der Tipp von allen, die ich bis jetzt dazu gehört habe. Doch der größte Kulturschock ist wohl die Tatsache, dass der Schweizer eine ganz strikte Trennung zwischen Privatleben und Beruf pflegt. Naja zumindest die Meisten. In den USA hatten wir uns schon in der ersten Woche nicht mehr vor Versuchen retten können uns Einzubinden. „Wir gehen dorthin, wollt ihr mit“, „ich mache eine Weinparty, wollt ihr nicht auch kommen“… Letztlich waren wir dann immer wieder mit Kollegen von mir unterwegs, gelegentlich auch mal mit Bekannten von Kollegen… in der Schweiz ist das ganz anders. Da habe ich die Abende für mich. Badminton habe ich mir selbst gesucht, und bin mir immer noch nicht sicher, ob ich dort nicht eher wie ein Störfaktor wirke. Kollegen sind bis jetzt nur 2 auf mich zugekommen. Der Eine auch etwas aus Eigennutz, denn er leitet einen Sportverein und dachte daran, ob ich dort nicht Badmintontraining geben möchte (nachdem ich das einmal für 4 Teilnehmer getan habe, bin ich mir noch nicht sicher, ob er das immer noch will). Letztlich hat er aber ganz starke italienische Wurzeln und zählt deshalb nicht als Verletzung der Regel von oben. Der Andere kommt aus Osteuropa, ist Leiter eines Fotoclubs und hat mich dorthin eingeladen. Bis jetzt hat es noch nicht geklappt (ich war an diesen Tagen immer weg), doch das nächste Mal bin ich dann gerne mal dabei. Mal sehen, ob ich hier noch heimisch werde und es mir irgendwann gelingt, die Kokosnuss-Schale mindestens eines Schweizers zu knacken.

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