17.10.2013: Hoch hinaus und tief hinab im Zion

Wir starten den Tag (Gabi: endlich mal) mit einem gemütlichen Frühstück in unserem Bed and Breakfast. Naja, um genau zu sein: Nur Gabi isst etwas, das macht es schon etwas ungemütlicher. Auch die Atmosphäre könnte herzlicher sein – unsere Hausherrin nervt Tom mit ihren zugegebener Maßen aufdringlichen Fragen und erzählt schon heute Geschichten doppelt und dreifach. Ist es zuviel verlangt dass sie sich merkt was sie welchen Gästen bereits erzählt hat? Doch wann kann man schon mal einen im Garten hinterm Haus gewachsenen Pfirsich probieren, der sich auch noch als zuckersüß und köstlich herausstellt?. Dafür nimmt Gabi gern in Kauf, ihre Ohren für 5 Minuten auf Durchzug zu schalten und sich auf das Rühren im Kaffee zu konzentrieren… 😉

Am Vorabend haben wir uns darauf geeinigt, zumindest eine Wanderung im Kern des Zion Nationalparks zu machen, also im Hauptcanyon. Durch Ausschlussverfahren (zu kurz, keine Aussicht, zu anstrengend etc.) bleiben wir schließlich bei der Hidden Canyon Wanderung hängen. Tom hat sie zwar schon 3 oder 4 Mal gemacht, aber sie hat ihm immer gefallen. 😉 Also geht es vom Visitor Center mit einem Bus Shuttle los. Dieser fährt entlang des Zion Tals und schmeißt uns am Fuß der Canyonwand raus. De facto geht der gut ausgebaute Pfad eigentlich nur den Berg hoch, in Serpentinen entlang der Abbruchkante. Nach ca. 200 Höhenmetern trennt sich der Weg von dem zum Observation Point und wird interessanter. Ein schmaler Grat zieht sich weiter bergan, manchmal mit Ketten, daneben mehrere hundert Meter nichts. So ist vorsichtiges Aufsteigen angesagt. Doch so schlimm ist es auch nicht. Selbst Carlos mit seiner Höhenangst hat das schon vor 15 Jahren gemeistert (mit etwas Zureden seiner Reisegefährten)

So kommen wir an den Eingang des Hidden Canyons. Diesen hat Tom im Gedächtnis mit hässlichen Klettereinlagen abgespeichert. Umso mehr überraschend ist es, der Canyon wurde jetzt auch für Zweijährige begehbar gemacht und alle schwierigen Stellen haben relativ einfache Umgehungen. (Gabi: „Also ich fand’s immer noch aufregend und schwierig“). Durch Zufall kommen wir gerade dann in den schmalen Canyon als die Sonne exakt richtig steht, um ihn in ein feuerrotes Licht zu tauchen. Schon auf dem Rückweg ist es wieder verschwunden. Wir wandern den Canyon entlang bis wir den freistehenden Arch finden, den es hier geben soll. Dieser muss für einige Fotoserien hinhalten, dann wird umgedreht.

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Doch am Eingang des Canyons geht es nicht wieder hinunter, sondern noch ein Stück weiter den Berg hinauf, wo Tom ein super Plateau kennt, auf dem wir in der Sonne Mittag machen (argl, schon wieder Sandwiches) und die tolle Aussicht in das Tal genießen. Und zwar alleine, denn dieser Abstecher ist nicht „offiziell“. Überhaupt müssen wir nach den vielen einsamen Wanderungen der letzten Tage feststellen, dass wir die lieben Mitwanderer nicht vermisst haben. Nach dem letzten Beweisfoto gilt es dann wirklich abzusteigen, was wir auch problemlos hinkriegen – obwohl wir zugegebener Maßen von ALF überholt werden. Ja, auch wir haben seit den frühen 90ern nicht mehr an den behaarten Außerirdischen gedacht, doch da guckt er hinten aus dem Rucksack eines Mitzwanzigers raus. Da hätte Gabi gerne die Geschichte gehört die da dahinter steckt… 😉

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Unten angekommen, verlieren wir keine Zeit: Mit dem nächsten Bus geht es zurück und dann mit unserem Auto durch den Tunnel zur Ostseite des Parks.

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Denn wir haben auch eine Nachmittagsbeschäftigung geplant. Vor 2 Jahren hatten wir bereits versucht, den sog. Keyhole Canyon zu erobern. Damals sind wir daran gescheitert, dass dieser ohne Wasserschuhe nicht passierbar war. Deshalb heute der zweite Versuch, diesmal mit Wasserschuhen bewaffnet.

Alleine schon der Weg zum Canyon ist nichts für Jedermann. Erst geht es steil einen halben Kilometer eine Slickrock-Ebene hinauf (das ist nichts Neues und das haben wir ja schon viele Male gemacht).

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Doch dann geht es ca. 50 Meter senkrecht in den Canyon hinab. Eine Steigung, die man normalerweise nicht hinunter und schon gar nicht hinauf kommt. Doch hier wachsen dicke Wurzeln, die wie dicke Taue in den Abgrund reichen. An diesen hangeln wir uns, mehr das wir laufen hinunter, auf den Canyonboden.

Angekommen, sind wir genau zwischen der engen „Mittelpassage“ und der engen „Oberen Passage“. Die Mittelpassage ist immer noch unpassierbar. Zwar könnten wir uns in den Canyon von einem dicken Stein hinab lassen, der den Ausgang blockiert, doch ist nicht garantiert, dass wir dort wieder herauskommen. Erst schmeißen wir eine Handvoll dicker Steine in das Wasserbecken um uns einen Ab-/bzw. viel wichtiger sicheren Ausstieg zu bauen. Doch bald stellen wir fest, dass eine sichere Lösung VIELE Steine benötigen würde.

Also ein Mega-Reinfall? Nope! Es gibt ja immer noch den oberen Teil. Und dieser stellt sich als hervorragende Spielwiese für den Amateur-Entdecker heraus. Der meiste Teil des nicht mal 2 Meter breiten Canyons ist knietief mit Wasser gefüllt. Manchmal ist er so schmal, dass man nur einen Fuß vor den anderen setzen kann. Auch müssen wir so manchen Trick anwenden, den wir vor 2 Jahren bei der Canyoneering-Einführung gelernt haben um weiter zu kommen. An einer Stelle sind die Canyonwände so niedrig, dass wir uns hoch- und rausziehen können auf eine unberührte Steinebene. „Natürlich“ sind wir hier wieder völlig alleine. Wir sind einfach total begeistert von dieser Landschaft und den Gesteinsformationen, die immer wieder eine noch bessere Perspektive versprechen. Doch irgendwann, als ein 3 Meter hohes Hindernis uns den weiteren Weg versperrt, drehen wir um.

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Zum Schluss sind wir auch etwas froh, das kalte Wasser hinter uns zu lassen. Wir hangeln  uns an den „Lianen“ aus dem Canyon (was hier ein Halbsatz ist, bedeutet in Wirklichkeit zumindest für Gabi Angstschweiß und Herzrasen) und steigen wieder zum Auto hin den Berg hinab.

Selbst Gabi hat die Erkundungstour Spaß gemacht, was sie nach einigem Zögern zu gibt. am Anfang wollte sie auf Toms Rückkehr aus dem wassergefluteten Bereich des Canyons warten, doch dieser konnte sie überzeugen zu folgen – und sie hat es nicht bereut.

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Lianen-hangeln macht hungrig, da wollen wir auf Nummer sicher gehen und entscheiden uns nochmal für Oscar’s. Ausgerechnet heute haben die Probleme in der Küche nachzukommen. Nur unsere Bauchspeck-Vorratshaltung rettet uns bis zur Ankunft der Quesadilla. Salat und Rippchen folgen, weshalb wir mal wieder Reste mit ins B & B tragen…

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